Neu im Regal: Knausgård, Lenz, Schröder

Die vergangene Buchwoche war geprägt von einigen überaus interessanten Neuerscheinungen verschiedener Genres, von denen ich drei Bücher kurz vorstellen möchte.

Karl Ove Knausgard - Träumen

(c) Luchterhand Literaturverlag

Es gibt derzeit wohl keinen Autor, der aus teils banalem Alltagsgeschehen ohne viele Höhepunkte ein derart geniales Werk komponiert, wie der Norweger Karl Ove Knausgård, „die größte Sensation in der Literatur seit langer, langer Zeit“ (Hamburger Abendblatt). Nun erschien der fünfte seiner sechs Bände umfassenden Min Kamp-Reihe: Träumen, der aus Autorensicht vielleicht interessanteste Band, befasst sich Knausgård hierin mit seiner Studentenzeit in der Bergener Akademie für Schreibkünste und seinem Willen, Schriftsteller zu werden. Wer Knausgård noch nie gelesen hat, sollte sich auf ein ungewöhnliches Lesevergnügen einstellen. Es ist keine fiktive Erzählung, sondern es sind seine Erinnerungen, detailverliebt bis zur Besessenheit und beinahe sadistisch ehrlich. „Ich wollte so tief im Kleinen verschwinden, dass sich die großen Linien auflösen“, sagt Knausgård über sein Schreiben (der Freitag). Eine kurze Leseprobe gibt’s hier: Karl Ove Knausgård – Träumen. Rezensionen: Frankfurter Rundschau – „Das Leben ist ganz banal“ | Der Tagesspiegel – „Zum Schriftsteller gekämpft“ | Frankfurter Allgemeine – „Ein Erdrutsch von Erinnerungen“ | 3sat – Kulturzeit.

(c) Hoffmann und Campe

(c) Hoffmann und Campe

Das zweite Buch, das in jedem Bücherregal vertreten sein sollte, ist das letzte Werk von Siegfried Lenz: Das Wettangeln, ein Bilderbuch mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach, das den Leser mit an die Ostsee nimmt, wo das alljährliche Wettangeln stattfindet. „Lenz‘ große Themen sind noch einmal versammelt. In einer Sprache, wie nur Lenz sie schreiben konnte, sehr verdichtet, abgerungen, nur noch das Allernötigste wirklich aussprechend“, befindet Annemarie Stoltenberg (NDR.de). Rezensionen: RP Online – „Letzte Erzählung von Siegfried Lenz erscheint“ | shz.de – „Nachlass birgt einiges“

(c) DVA Sachbuch

(c) DVA Sachbuch

Wenn politische Kontrahenten (früherer Tage) aufeinander treffen, sind Herzlichkeiten ohnehin rar gesät. Wenn es sich dabei um die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder handelt, deren letzte mediale Begegnung von Schröders Siegessicherheit nach der Bundestagswahl 2005 geprägt war und sich in seiner prägenden Äußerung „[Angela Merkel] wird keine Koalition mit meiner Partei zustande kriegen. Machen Sie sich da nichts vor“ niederschlug, erwartet man eine starke Distanziertheit zwischen beiden Personen. Doch bei der öffentlichen Buchvorstellung von Schröders Biografie Gerhard Schröder – Die Biographie offenbarte sich vielmehr der Respekt der Beiden gegenüber dem Anderen, wenn auch in freundlicher Distanziertheit. Angela Merkel stellte in ihrer launigen Art das Buch vor und hatte zugleich ein paar Anekdoten parat. Schröder hingegen versuchte hervorzuheben, welche neuen Erkenntnisse er durch die Biografie über sein eigenes Leben erlangt habe. Ansonsten hat sich Autor und Historiker Gregor Schöllgen auf den mehr als 900 Seiten Text verhältnismäßig viel mit der politischen Laufbahn und insbesondere den Jahren von Schröders Kanzlerschaft befasst – wie viel neue Erkenntnisse der Leser mitnimmt, hängt also stark davon ab, wie sehr man sich mit Schröders Politikkarriere befasst hat. Rezensionen: ZEIT – „‚Ihr könnt mich alle mal'“ | Frankfurter Allgemeine – „Wie ‚Acker‘ lernte, die Macht zu lieben“ | Spiegel Online – „Mit der Witterung eines Tieres“ | Die Welt – „Gerhard Schröder, der Mann des Augenblicks“

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