Gesucht: das beste Buch des Jahres

Logo Deutscher Buchpreis 2017 Buecherherbst BuecherblogInsgesamt 174 Bücher aus mehr als 100 Verlagen wurden gesichtet – jetzt stehen die Nominierten für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017 fest. Aus den verbliebenen 20 Autoren mit ihren Werken werden bis 12. September sechs Titel für die Shortlist ausgewählt, die ins finale Rennen um den #dbp17 gehen.

„Eine der wichtigsten Fähigkeiten von Literatur ist das Weiten unserer Welt. Das ist in Zeiten, in denen sich die Blickwinkel mehr und mehr zu verengen scheinen, besonders wichtig. Die Longlist 2017 ist Ausdruck des Versuchs, die Vielfalt der aktuellen deutschsprachigen Literaturlandschaft zu spiegeln. Auf ihr finden sich mit den Büchern unterschiedliche literarische Antworten auf das Leben, den Zustand der Welt, der Menschen: Politisches wie explizit Unpolitisches, traditionell Erzähltes wie Sprachzentriertes und Risikofreudiges, lyrisch Gewobenes wie realistisch Gestricktes“, begründete Jurysprecherin Katja Gasser vom Österreichischen Rundfunk die Auswahl (Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

Zunächst sollen folgend die Bücher kurz vorgestellt werden, anschließend – wie bereits im vergangenen Jahr – möchte ich anhand von Statistiken zu den Werken und ihren Autoren informieren. Doch zunächst zu den Nominierten (in alphabetischer Reihenfolge):

g-bonne-mirko-lichter-als-der-tagMirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co, Juli 2017)

„Mirko Bonnés großer Liebesroman überträgt das Wahlverwandtschaften­-Thema in die heutige Zeit. Er fragt nach Gründen von Entzweiung und Entfremdung und zeichnet dabei das ergreifende Porträt eines Mannes, der die Kraft findet, aus dem Schatten über seinem Dasein hinauszutreten.“ (Schöffling & Co.)

Romeo Julia Berlin Verlag dbp17 Buchpreis Buecherherbst BuecherblogGerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)

„Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab […].“ (Piper)

Franzobel Das Floß der Medusa Zsolnay dbp17 Buchpreis buecherherbst buecherblogFranzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)

„Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben? Ein epochaler Roman von Franzobel.“ (Hanser)

Monika Helfer Schau mich an Jung und Jung dbp17 Buchpreis buecherherbst buecherblogMonika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)

„Es sind skandalös alltägliche Verhältnisse, die Monika Helfer in den Blick nimmt. Sie geht nahe heran an die Menschen, die darin leben, die mit sich und den anderen zurechtzukommen  versuchen. Ihr Blick ist entlarvend, aber auch voller Empathie, schonungslos, aber immer im Dienst der Aufrichtigkeit.“ (Jung und Jung)

Christoph Höhtker Jahr der Frauen Weissbooks dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogChristoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)

„Was ist zu tun, wenn man von allem endgültig genug hat, der Therapeut aber dennoch Vorsätze für das neue Jahr hören möchte? Frank Stremmer, Anfang vierzig, ausgebrannter deutscher Expat in Diensten einer illustren internationalen Genfer Organisation, rafft sich zu einem letzten Kraftakt auf: Zwölf Frauen in zwölf Monaten!“ (Weissbooks)

Thomas Lehr Schlafende Sonne Hanser dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogThomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)

„Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.“ (Hanser)

luescher kraft CH Beck dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogJonas Lüscher: Kraft (C.H. Beck, März 2017)

„Komisch, furios und böse erzählt Jonas Lüscher in diesem klugen Roman von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.“ (C.H. Beck)

Robert Menasse Hauptstadt Suhrkamp dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogRobert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)

„In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.“ (Suhrkamp)

Müller-Wieland Flugschnee Otto Müller Verlag dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogBirgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)

„Von Deutschland über Österreich, Italien und Osteuropa wird das Netz gespannt, das die Figuren mit ihren Lebensgeschichten knüpfen, verlieren, wieder aufnehmen – ein Ringen um die Wahrheiten, die in der Vergangenheit liegen, und das Annehmen der Herausforderungen, welche die Gegenwart bereithält.“ (Otto Müller Verlag)

Jakob Nolte Schreckliche Gewalten Matthes Seitz Berlin dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogJakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März 2017)

„In seinem zweiten Roman zeichnet Jakob Nolte einen schwarzen Regenbogen des Horrors über die Welt und erweist sich dabei als detailverliebter Nihilist und Meister des Wahnwitzes.“ (Matthes & Seitz Berlin)

Marion Poschmann Kieferninseln Suhrkamp dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogMarion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)

Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintoismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?“ (Suhrkamp)

Kerstin Preiwuß Nach Onkalo Berlin Verlag Piper dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogKerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)

Nach Onkalo zeigt eine Welt am Rand, in der sich die großen Fragen nicht weniger deutlich stellen: was einen zusammenhält und wie man glücklich wird. Matuschek stellt sich diese Fragen nicht, er will nur seinen Alltag meistern. Doch vielleicht befähigt ihn genau das zur Erkenntnis »ob das Leben die Mühe lohnt«.“ (Piper)

Robert Prosser Phantome Ullstein dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogRobert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)

„Robert Prosser schildert intensiv ein fast vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte: Der Jugoslawienkrieg, der die letzte große innereuropäische Flüchtlingswelle in den 1990ern auslöste, dessen drastische Verbrechen bis heute nicht aufgearbeitet sind und weit in die Generation der Kinder der Geflüchteten nachwirken.“ (Ullstein)

Sven Regener Wiener Straße KiWi Galiani dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogSven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)

„Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.“ (KiWi)

Sasha Marianna Salzmann Außer sich Suhrkamp dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogSasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)

„Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.“ (Suhrkamp)

Ingo Schulze Peter Holtz Fischer dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogIngo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)

„Peter Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. […] Mit Witz und Poesie lässt Ingo Schulze eine Figur erstehen, wie es sie noch nicht gab, wie wir sie aber heute brauchen: in Zeiten, in denen die Welt sich auf den Kopf stellt.“ (S. Fischer)

Michael Wildenhain Singen der Sirenen Klett Cotta dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogMichael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)

„Als der deutsche Frankenstein-Experte Jörg Krippen auf dem Campus seiner neuen Londoner Universität umherirrt, hilft ihm die junge Stammzellenforscherin Mae sich zu orientieren. Die Begegnung wirkt zufällig, tatsächlich hat sie diese bewusst provoziert. Kurz darauf führt Mae ein Wiedersehen herbei, um eine Affäre mit dem deutlich älteren Mann zu beginnen. Zugleich scheint sie sonderbar viel über ihn zu wissen.“ (Klett-Cotta)

Julia Wolf Walter Nowak bleibt liegen FVA dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogJulia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)

„Mit verblüffender erzählerischer Souveränität und großer Empathie zeichnet Julia Wolf in ihrem zweiten Roman ein eindrückliches Männerporträt: Walter Nowak, Kind der Nachkriegszeit, steht an einem Scheidepunkt. Seinem Gedankenstrom folgend macht der Leser eine faszinierende Reise in die menschliche Psyche.“ (FVA)

Christine Wunnicke Katie Berenberg dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogChristine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)

„Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt ­kollektiv die Sinne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen ­Séancen mit dem Jenseits zu ­parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die ­ aufregendste aller Erscheinungen zutage: ­Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes Weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung. Oder …? Ein Fall für Sir William Crookes, der Florence (und Katie) nach den Regeln der damaligen Kunst unter die Lupe nimmt […].“ (Berenberg Verlag)

Feridun Zaimoglu Evangelio Luther KiWi dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblogFeridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

„4. Mai 1521 bis 1. März 1522: Martin Luther hält sich auf der Wartburg auf. Gänzlich unfreiwillig, denn er ist auf Geheiß des Kurfürsten von Sachsen in Gewahrsam genommen worden. Dort sieht er sich größten Anfechtungen ausgesetzt, vollbringt aber auch sein größtes Werk: In nur zehn Wochen übersetzt er das Neue Testament ins Deutsche. […] Mit klingender Sprache, erstaunlichem Kenntnisreichtum und dramatischer Zuspitzung erzählt Feridun Zaimoglu von einem großen Deutschen, einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.“ (KiWi)


Nachdem nun alle Nominierten der Longlist zum dbp17 kurz vorgestellt sind, möchte ich einen statistischen Blick auf die Titel und ihre Autoren werfen und im Folgenden ein paar Zahlen und Fakten zur Longlist präsentieren.

Geschlecht
Auf der Longlist sind sieben Frauen sowie 13 Männer vertreten. Es ist also wieder einmal ein deutliches Ungleichgewicht zu erkennen, aber immerhin ist eine Autorin mehr nominiert im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Geschlecht dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblog

Alter der Autoren
Wenig überraschend ist der durchaus gehobene Altersschnitt: Im Durchschnitt liegt das Alter der Nominierten bei knapp unter 50 Jahren. Dabei findet sich mit Jakob Nolte lediglich ein Autor, der jünger als 30 Jahre ist. 25 Prozent sind immerhin noch jünger als 40 Jahre. Die deutliche Mehrzahl (45 Prozent) ist zwischen 51 und 60 Jahren.

Alter dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblog

Anders dargestellt nochmals anhand des Geburtsjahrzehnts der Autoren. Zumindest fünf Autoren (25 Prozent) sind in den 1980er Jahren geboren, fast die Hälfte (45 Prozent) in den 1960er Jahren.

Geburtsjahr dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblog

Erscheinungsdatum
Eine häufig zu beobachtende Auffälligkeit stellt sich auch dieses Jahr beim Erscheinungsdatum der nominierten Bücher dar: Fast die Hälfte ist just zur Longlist erschienen oder erscheint erst danach, Ende August oder im September (40 Prozent). Immerhin 6 von 20 Büchern (30 Prozent) erschienen im März dieses Jahres – also auch anscheinend ein guter Monat für eine Buchpreis-Nominierung.

Erscheinungsmonat dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblog

Seitenanzahl
Zuletzt finde ich den Umfang der Bücher interessant, da sich in der Vergangenheit durchaus gezeigt hat, dass Bücher mit hoher Seitenanzahl durchaus gerne gewählt werden. Keine Regel ohne beständige Ausnahmen: Im vergangenen Jahr wurde mit Bodo Kirchhoffs Widerfahrnis ein Titel ausgezeichnet, der mit 224 Seiten einerseits schlank ist und andererseits auch deutlich unter dem letztjährigen Seitendurchschnitt (306 Seiten) lag. In diesem Jahr ist Die Kieferninsel das schmalste Werk, Schlafende Sonne hat immerhin stolze 640 Seiten. Der Durchschnitt liegt 2017 bei 334,95 Seiten – Lichter als der Tag sowie Phantome (jeweils 336) liegen hier am nächsten dran.

Seitenanzahl dbp17 buchpreis buecherherbst buecherblog

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6 Kommentare zu “Gesucht: das beste Buch des Jahres

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