Niemand entkommt – sechs Tage Anarchie

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Los Angeles. (c) futurama1979/pixelio.de

„Hat sich die Lage in Watts seit den letzten Aufständen nicht verbessert?“ Unweigerlich denkt man bei dieser Frage an die Ausschreitungen der vergangenen Jahre in den USA, oftmals ausgelöst durch willkürlich erscheinende Morde weißer Polizisten an schwarzen US-Bürgern. Der amerikanische Ort, an dem dies stattgefunden hat, ist eigentlich beliebig austauschbar. Die Frage bleibt dabei stets die gleiche – und häufig leider auch die Antwort: „Irgendwie hat sich nicht viel verändert. Man findet dort immer noch die Besitzlosen, die Verlierer, die Verbrecher, die Verzweifelten […].“ Mit diesem Zitat aus der New York Times beginnt Ryan Gattis seinen Thriller In den Straßen die Wut, der die sechs Tage andauernden schweren Unruhen in Los Angeles 1992 erzählt, die ausgelöst wurden durch einen Freispruch für mehrere Polizeibeamte, nachdem sie den Bürger Rodney King durch „übertriebene Gewaltanwendung“ überwältigten. Das Besondere: Das Zitat beschreibt nicht den Bürgerkrieg von 1992, sondern stammt von 1966. Es zeigt, es hat sich wirklich nicht viel verändert in der amerikanischen Gesellschaft, weder nach 1966, noch nach 1992, noch nach den letzten Ausschreitungen aufgrund von Polizeiwillkür in den USA. Deshalb ist Gattis‘ Roman zugleich ein (teilfiktives) Zeugnis der damaligen Situation, als auch eine Mahnung an die heutige Gesellschaft.

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(c) rowohlt

Bereits der Einstieg in den Roman ist an Brutalität kaum zu überbieten und lässt keine Fragen offen, in welche extreme Szenerie der Autor den Leser entführt: Ernesto Vera ist ein unbescholtener, hart arbeitender Bürger, der auf dem Heimweg von seiner Arbeit ist und die Hoffnung auf ein besseres Leben hegt. Er möchte Koch werden, um dem Elend der Unterschicht Los Angeles‘ zu entkommen. Doch in Zeiten der Unruhe ist das bisherige Verhalten keine Variable im Spiel der Gewalt („Es gibt keine Regeln mehr. Keine. Nicht in dieser Lage, bei diesen Ausschreitungen.“) und er wird zum als willkürlich erscheinenden Opfer einer marodierenden Gang – doch alle Charaktere sind irgendwie miteinander verstrickt, so dass im Laufe der Geschichte deutlich wird, wie berechnend die Wahl des Opfers war.

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Wunsch und Wirklichkeit [Update: Wunschliste]

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Inzwischen sind die ersten beiden Bücher meiner Wunschliste erschienen. Damit ich nicht direkt zu Beginn schludere, hatte ich mir die Titel bereits vorbestellt und nun sind sie da: Navid Kermanis Einbruch der Wirklichkeit sowie Ryan Gattis‘ In den Straßen die Wut. Da ich mit Volker Kutschers Die Akte Vaterland aktuell noch ein umfangreicheres Buch im „Ich lese“-Status habe, werde ich In den Straßen die Wut zunächst auf Halde legen. Bücherblog Bücherherbst Neuerwerbung Bücher Kermani Gattis

Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass ich dank eines „Leseeindrucks“ auf vorablesen.de Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut gewonnen habe und somit bald in meiner Liste abhaken kann.

Hier ist mein Update zu meiner Wunschliste:
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