Ist das Meinungsfreiheit oder kann das weg?

Rückblende: Presseschau 18. bis 25. März

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Die „literarische Vielfalt Portugals in Leipzig zu präsentieren“ ist das Ziel der Leipziger Buchmesse 2021. Im Rahmen der lbm18 wurde bekannt gegeben, dass Portugal in drei Jahren Gastland sein wird. „Die portugiesische Sprache ist eine globale Sprache, die von über 200 Millionen Menschen gesprochen wird. Sie ist global als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel, als Sprache der Schöpfung und Kultur, als Sprache der Wissenschaft und Diplomatie. Es ist die Sprache, in der sich Literaturen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika ausdrücken. Aus diesem Grund ist für uns die regelmäßige Teilnahme an den großen Buchmessen beste Gelegenheit zur Verbreitung und Bekanntmachung von Poesie, Fiktion, Theater und Essay in portugiesischer Sprache“, erklärte Portugals Außenminister Augusto Santos Silva. (Leipziger Buchmesse)

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Wann fällt eine Äußerung noch unter Meinungsfreiheit, wann ist sie schlichtweg rassistisch? Suhrkamp-Autor Uwe Tellkamp hatte im Rahmen einer Podiumsdiskussion geäußert, dass „über 95 Prozent“ der Flüchtlinge nach Deutschland kämen, „um in die Sozialsysteme einzuwandern“. Die Aussage ist faktisch falsch. Und sie ist diffamierend und fremdenfeindlich. Zugleich unterschrieb Tellkamp eine Erklärung 2018, die unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit Hass gegen Migranten schürt. Nachdem sich bereits sein Verlag distanzierte, hat sich auch der Verband deutscher Schriftsteller positioniert: „Die Art und Weise, wie die Erklärung 2018 die Schuld allein den Migranten in die Schuhe schiebt, ist unterkomplex und einer intellektuellen Auseinandersetzung nicht angemessen“, kritisierte die Vorsitzende Eva Leipprand. (Verdi)

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Christoph Ransmayr

Besondere Nominierung: Mit Jenny Erpenbeck (Gehen. Ging. Gegangen) und Christoph Ransmayr (Der fliegende Berg) stehen zwei deutschsprachige Autoren auf der Longlist zum Man Booker International Prize 2018, dem Preis für Übersetzungen ins Englische. „It’s one which introduces a wealth of talent, a variety of forms and some writers little known in English before. It has great writing and translating energy and we hope readers take as much pleasure in discovering the work as we did“, sagte Jury-Vorsitzende Lisa Appignanesi zur Longlist. Die sechs Bücher umfassende Shortlist wird am 12. April vorgestellt, der Gewinner am 22. Mai verkündet. (The Man Booker Prize)

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Der Publikumspreis Liberaturpreis des Vereins litprom zeichnet jährlich einen besonders beliebten Titel einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt aus. Das diesjährige Voting beginnt am 23. Mai. Das sind die nominierten Autorinnen 2018 und ihre Werke. (Litprom)

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Winterwunderwelt Buchmesse

Fotorückblick zur #lbm18

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Messehalle im Winter

Entgegen der ursprünglichen Voraussage eines neues Rekords kamen zur diesjährigen Leipziger Buchmesse knapp fünf Prozent weniger Besucher – was sicherlich zuvorderst am Wintereinbruch zum Messewochenende lag. Insgesamt wurden 271.000 Bücherfreunde auf dem Messegelände (197.000) sowie bei Veranstaltungen von Leipzig liest im gesamten Stadtgebiet gezählt. Trotzdem zogen die Veranstalter ein positives Fazit, insbesondere aufgrund der gewachsenen Debattenkultur und der vielen interessanten Diskussionen. „Das geschriebene und gesprochene Wort entfaltete seine ganze Kraft zur Leipziger Buchmesse, die sich auch in Zeiten hitziger politische Debatten und kontroversen Diskussion als Hort des friedlichen Diskurses und der Meinungsfreiheit zeigte“, erklärte Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe (Abschlussbericht: Die einzigartige Kraft der Worte).

Drei Tage lang war ich auf dem Messegelände unterwegs (Außergewöhnliche Lyrik), habe spannende politische Diskurse mit progressiven Zukunftsideen (Durch und durch politisch) ebenso gesehen wie interessante Berichte von Autoren zur Entstehung ihrer Bücher (Kinsky, Schlögel, Stöhr und Durkat ausgezeichnet) oder ihren außergewöhnlichen Reisen bis in den Orient für die Recherche. Eine Auswahl meiner #lbm18-Fotos findet ihr in der folgenden Galerie:

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Außergewöhnliche Lyrik

Leipziger Buchmesse 2018 – Tag 3

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Andrej Nikolaidis

Das wirklich Schöne an der Leipziger Buchmesse ist, dass man immer wieder auch unbekanntere Autoren erlebt und ihre Bücher kennenlernt. Am Stand der taz gastierte heute Andrej Nikolaidis – auf dem Balkan ist der Bosnier einer der bekanntesten und angesagtesten Schriftsteller, bei uns weitestgehend unbekannt. Der Verlag Voland & Quist publizierte kürzlich sein neuestes Buch Der ungarische Satz. Ein beeindruckendes Werk, denn die immerhin 128 Seiten bestehen aus nur einem einzigen Satz.

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Navid Kermani stellt sein Buch „Entlang den Gräben“ vor.

In Deutschland wahrlich kein Unbekannter ist Navid Kermani. Der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Autor reiste kürzlich Entlang den Gräben, vom Osten Deutschlands, wo er bei einer AfD-Veranstaltung zu Gast war, bis hin zum Orient. Imponiert habe ihm dabei insbesondere der Besuch im Konzentrationslager Auschwitz: „Als Deutscher – egal, ob man braune, blonde oder grüne Haare hat – bekommt man sofort den Button ‚Deutsch‘ auf die Brust. Das macht etwas mit einem, wenn man an einem Ort wie Auschwitz ist“, erzählte Kermani.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Gomringer Hofmann

Nora Gomringer (r.) und Katja Hofmann bei ND.

Ein wahres Politikum rangt sich derzeit um den Namen Gomringer. Gestern berichtete ich bereits von der völlig verfehlten Polemik Denis Schecks, der die Studenten, die das Gedicht Eugen Gomringers Avenidas aufgrund von ihnen erkanntem Sexismus von der Wand der Hochschule entfernt wissen wollten, als „Kultur-Taliban“ bezeichnete. Weiterlesen

Durch und durch politisch

Leipziger Buchmesse 2018 – Tag 2

Am zweiten Tag der #lbm18 standen auf meinem Programm politische Veranstaltungen im Vordergrund. Erstes Thema war Flucht und Migration, und unter dem Titel „Wessen Krise?“ diskutierten Simone Barrientos, Rick Reuther und Sascha Stanicic über die Ursachen und mögliche Maßnahmen, um die Menschen von der gefährlichen Flucht abzuhalten oder sie in Deutschland menschenwürdig aufzunehmen. Weiter ging es mit der Diskussion mit Asne Seierstad, der Preisträgerin zur Europäischen Verständigung, über die europäischen Werte: „Wir, die Partner und Freunde? Oder wie das erweiterte Europa das Ganze betrachtet“.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Tag2 Druckfrisch Scheck
„Druckfrisch“ mit Denis Scheck

Einerseits machten europäische Regierungschefs Deals mit Despoten wie Erdogan und gleichzeitig sprächen sie davon, dass sie den Werten Europas verpflichtet seien. Doch wie schafft die EU es, die globalen Herausforderungen – als Einheit – zu bewältigen? Und selbst Denis Scheck wurde zunächst politisch: Er äußerte Unverständnis dafür, dass das Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer von der Fassade der Alice Salomon Hochschule verschwinden soll. Darin sieht er sogleich den Beginn des Endes der Meinungsfreiheit sowie eine klare Zensur – bei dieser Einschätzung hat er sich allerdings ganz schön verrannt.

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Kinsky, Schlögel, Stöhr und Durkat ausgezeichnet

Leipziger Buchmesse 2018 – Tag 1

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog MessehalleHeute startete die Leipziger Buchmesse 2018. Dabei durften die Veranstalter bereits vorab einen neuen Rekord vermelden: 2.635 Aussteller aus 46 Ländern bedeuten ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erwartet werden an den vier Publikumstagen auf dem Messegelände sowie beim Lesefest Leipzig liest insgesamt rund 250.000 Besucher.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Asne Seierstadt Preis Europäische VerständigungLos ging das Programm unter anderem mit der Eröffnung des Café Europa. Hier war Åsne Seierstad zu Gast, die gestern mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung für ihr Buch Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders über den Massenmörder Anders Behring Breivik geehrt wurde. „Wir müssen dafür kämpfen, den Bereich in der Mitte auszuweiten, wo die komplexen, komplizierten, verwundbaren Ideen von Toleranz und Verständnis wohnen“, sagte Seierstad im Rahmen des Festaktes im Leipziger Gewandhaus.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Sahra Wagenknecht ReichtumZu den bekanntesten und zugleich kontroversesten Politikerinnen des Landes gehört uneingeschränkt Sahra Wagenknecht. Die Linkspartei-Fraktionschefin sprach auf dem Blauen Sofa über ihr neues Buch Reichtum ohne Gier: Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Neben ihrer standardmäßigen Kritik an Hartz IV sowie der Politik der Bundesregierung sprach Wagenknecht auch über dringend benötigte Verbesserungen beispielsweise im Pflegebereich oder bei der Rente. Wichtig sei es, dass alle Menschen von ihrem Einkommen, ihrer Rente oder schlechtestenfalls von ihren Sozialleistungen gut leben könnten. Außerdem stellte sie ihre Bemühungen heraus, kurzfristig eine neue linke Sammlungsbewegung zu initiieren, damit in Deutschland wieder eine linke Mehrheit jenseits der GroKo zustande komme.

Preis der Leipziger Buchmesse

Höhepunkt des ersten Buchmessetages war ohne Frage die Bekanntgabe und Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse. Neue Preisträger sind Esther Kinsky (Belletristik), Karl Schlögel (Sachbuch / Essayistik) sowie Sabine Stöhr und Juri Durkot (Übersetzung).

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Esther Kinsky Belletristik

Esther Kinsky (l.) wird mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.

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Lesenswertes aus aller Welt

Preis der Leipziger Buchmesse – Kategorie Übersetzung

lbm18 Logo Leipziger Buchmesse 2018 Buecherherbst BuecherblogWeniger als 24 Stunden und wir wissen, wer den jeweiligen Preis der Leipziger Buchmesse in den drei Kategorien gewonnen hat. Nachdem ich an den beiden vergangenen Tagen bereits die Nominierten in den Kategorien Belletristik sowie Sachbuch / Essayistik vorgestellt hatte, widme ich mich heute der dritten Kategorie: Übersetzung. Ein Vergleich zwischen den Nominierungen ist natürlich schwierig, nichtsdestotrotz habe ich hier einen Favoriten: Robin Detje mit der Übersetzung von Joshua Cohens Buch der Zahlen. Überzeugt hat mich das Außergewöhnliche im Zusammenspiel der verschiedenen literarischen Gattungen, ebenso wie die sprachliche Explosion, wie die Jury in ihrer Begründung zu recht anmerkt: „Cohens Sprach-Furor kennt keine Grenzen, und Detje steht ihm in nichts nach. Lustvoll bildet er die wild voran preschenden Sätze nach, erfindet Wörter und inszeniert einen verbalen Höhenrausch.“

Nun aber ein Überblick über die Nominierten in der Kategorie Übersetzung (alphabetisch nach Namen der Übersetzer):  Weiterlesen

Welches ist das Sachbuch des Jahres?

Preis der Leipziger Buchmesse – Kategorie Sachbuch / Essayistik

lbm18 Logo Leipziger Buchmesse 2018 Buecherherbst BuecherblogGestern hatte ich die Nominierten zum #pdlbm18 in der Kategorie Belletristik vorgestellt, nun folgt eine Übersicht über die Nominierten in der Kategorie Sachbuch / Essayistik. Nachdem ich Leseproben, Inhaltsangaben und Rezensionen durchblättert hatte, hat sich ein klarer persönlicher Favorit herausgeschält: Gerd Koenen mit Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Begründet ist dies ganz einfach in meinem großen Interesse für politische Bücher. Zugleich halte ich den Kommunismus in der Denkweise Karl Marx‘ (nicht in der sowjetischen Umsetzung) für eine spannende Utopie, mit dem Ziel einer „klassenlosen“ Gesellschaft durch soziale Gleichheit und Freiheit für alle Menschen.  Weiterlesen

Die Woche der Entscheidung: #pdlbm18

Preis Leipziger Buchmesse Nominierte Belletristik Buecherherbst Buecherblog

In dieser Woche wird im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2018 der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Um einen Überblick über die nominierten Bücher der Kategorie Belletristik zu erlangen, habe ich seit der Bekanntgabe der Nominierungen Leseproben der Bücher quergelesen, sowie Rezensionen in Blogs oder im Feuilleton auf mich wirken lassen. Damit jeder Leser selbst urteilen kann, gebe ich einen kurzen Überblick mit Rezensionslinks zu den #pdlbm18-Nominierten:

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Volles Programm bei der lbm18

Leipziger Buchmesse / Leipzig liest vom 14. bis 18. März 2018

lbm17 Buchmesse Buecherherbst Buecherblog (19)

Auch in diesem Jahr werde ich wieder zur Leipziger Buchmesse mit ihrem Lesefest Leipzig liest reisen, um via Twitter (@bücherherbst) und Blog (Mein Fotorückblick auf die lbm17 // Die Tage auf der lbm17)  über das Geschehen vor Ort zu berichten. Dafür habe ich mir ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Vorderstes Kriterium war, dass die Veranstaltungen auf dem Messegelände stattfinden, da das Pendeln zwischen Messe und sonstigen Veranstaltungen im Stadtgebiet viel Zeit kostet und man hierdurch zugleich einige spannende Veranstaltungen verpassen würde – was nicht bedeutet, dass ein Blick auf das Programm im sonstigen Stadtgebiet nicht lohnenswert wäre. Einen Überblick über das vollständige Programm findet man im Downloadbereich der Messe. Online bietet sich zudem die Möglichkeit, Leipzig liest mit mehr als 3.600 Veranstaltungen nach Datum, Genre oder Veranstaltungsart zu durchsuchen.

lbm18 Logo Leipziger Buchmesse 2018 Buecherherbst BuecherblogDa ich in diesem Jahr bei meiner Bücherauswahl der Neuerscheinungen einen besonderen Blick auf politische Bücher und Fluchtliteratur lege, werden auch die von mir ausgewählten Veranstaltungen einen politischen Schwerpunkt haben. Als Buchblogger habe ich zudem ein Augenmerk auf Treffen und Sessions geworfen, die speziell für Blogger angelegt sind. Diese findet ihr hier als Pdf: Veranstaltungen für Buchblogger.

Wer ein paar Inspirationen braucht oder keine Lust hat, sich einen eigenen ausführlichen Zeitplan zusammenzubasteln, hier meine vorläufige Planung für Leipzig liest auf dem Messegelände (Drei Tage lbm18 im Überblick):

Täglich

10:00 – 18:00 Uhr: Das Parade Atelier, Dutch Foundation for Literature / Flanders Literature, Halle 4, C30

10:00 – 18:00 Uhr: „Keine Bank für alle Ärsche“, Kunstprojekt von Frankfurter Berufsschülern / Erinnerung an Apartheid und Judenverfolgung, Forum OstSüdOst Halle 4, Stand D401

10:00 – 18:00 Uhr: Der LEIPZIGER LESEKOMPASS, Ausstellung der Siegertitel 2018, Leipziger Lesekompass Halle 2, Stand B401

10:00 – 18:00 Uhr: Souvenirs selbst gedruckt, Museum für Druckkunst Halle 3, Stand H401

10:00 – 18:00 Uhr: „Erlebnis Druckkunst! Wir drucken Poster zu Ehren von Johannes Gutenberg“, Museum für Druckkunst Halle 3, Stand H40

10:00 – 18:00 Uhr: 5. Manga-Comic-Con – Cosplay-Galerie, Japanischer Teegarten Halle 1, Stand M101

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Gastland, Jury und Nominierte bekanntgegeben

Literarische Rückblende (5. bis 11. Februar)

Frankfurter Buchmesse fbm18 fbm23 Italien Franceschini BookFair

Screenshot via Twitter

Weit im Voraus geplant: Die Frankfurter Buchmesse hat bekannt gegeben, dass Italien das Gastland der Buchmesse 2023 wird – zuletzt war Italien dies 1988 unter dem Motto Italienisches Tagebuch. Der italienische Kulturminister Dario Franceschini und Buchmesse-Geschäftsführer Juergen Boos unterzeichneten am Montag den Vertrag. Franceschini twitterte, dass es „eine große Anerkennung“ sei für die italienischen Verlage. Diesjähriges Gastland der fbm18 ist Georgien, es folgen Norwegen (2019), Kanada (2020) und Spanien (2021).

Jury Deutscher Buchpreis fbm18 Buchmesse dbp18 cafehaussitzer

Screenshot via Boersenblatt.net

Neue Perspektiven: Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2018 wurde vorgestellt – und ein für alle Buchblogger bekanntes Gesicht ist Teil der sieben Literaturexperten: Uwe Kalkowski, Gewinner des Buchblog-Awards 2017 und bekannt durch seinen Blog Kaffeehaussitzer. Neben ihm in der Jury vertreten sind Christoph Bartmann (Leiter Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (stellvertretende Leiterin von aspekte), Tanja Graf (Leiterin Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Christine Lötscher (freie Kritikerin) und Marianne Sax (Inhaberin des Bücherladen Marianne Sax).

wehrmacht bruecke gregor dorfmeister buecherherbst buecherblog

Klassiker und internationaler Erfolg: Gregor Dorfmeister ist im Alter von 88 Jahren gestorben. In seinem Debütroman, dem Antikriegsroman Die Brücke (1958), schilderte der Autor unter dem Pseudonym Manfred Gregor den sinnlosen Volkssturm-Einsatz einer Gruppe von sieben Sechzehnjährigen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine Brücke gegen die heranrückenden Amerikaner verteidigen sollen. Das Buch erhielt internationale Beachtung und wurde ein Jahr später verfilmt. 2008 erschien eine weitere Neuverfilmung. Dorfmeisters weitere Werke sind Das Urteil (1960) und Die Straße (1961).

Preis Leipziger Buchmesse plbm_18 Nominierte buecherherbst buecherblog

(c) Leipziger Messe

Preisverdächtig: In gut einem Monat findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Nun wurden die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 bekannt gegeben, der am 15. März in der Glashalle vergeben wird: Isabel Fargo Cole – Die grüne Grenze, Anja Kampmann – Wie hoch die Wasser steigen, Esther Kinsky – Hain. Geländeroman, Georg Klein – Miakro, Matthias Senkel – Dunkle Zahlen (alle Kategorie Belletristik); Martin Geck – Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum, Gerd Koenen – Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus, Andreas Reckwitz – Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Bernd Roeck – Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, Karl Schlögel – Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt (Sachbuch/Essayistik); Robin Detje übersetzte aus dem Amerikanischen Buch der Zahlen von Joshua Cohen, Olga Radetzkaja übersetzte aus dem Russischen Sentimentale Reise von Viktor Schklowskij, Sabine Stöhr und Juri Durkot übersetzten aus dem Ukrainischen Internat von Serhij Zhadan, Michael Walter übersetzte aus dem Englischen die Werksausgabe in drei Bänden von Laurence Sterne, Ernest Wichner übersetzte aus dem Rumänischen Oxenberg und Bernstein von Catalin Mihuleac.

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Book Shopper in Italien – Zwei Literaturkennerinnen beraten Leser: Sie haben ihre Liebe zur Literatur in eine Geschäftsidee verwandelt. Zwei Freundinnen aus dem norditalienischen Padua bieten die persönliche Buch-Beratung – mithilfe einer von ihnen entwickelten App.“ (Deutschlandfunk Kultur)

„Gesichter aus der Mimikfabrik: Mangas sind auch nur Comics – oder? Ein skeptischer Selbstversuch zum ersten Todestag des Alt- und Großmeisters Jiro Taniguchi.“ (Spiegel Online)

„Unabhängige Verlage kämpfen um ihre Existenz: Unabhängige Verlage haben es auf dem Markt zusehends schwer. Das bedroht auch die Vielfalt der deutschen Literaturszene.“ (Handelsblatt)

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Lesemarathon für Buchpreis-Jury

Presseschau

lbm18 Leipzig liest Buchmesse Rückblende Bücherherbst BücherblogWelch eine riesige Auswahl: Insgesamt 403 Bewerbungen aus 143 Verlagen wurden für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 eingereicht. Jetzt gilt es für die siebenköpfige Jury unter der Leitung von Kristina Maidt-Zinke: lesen, lesen, lesen. „Neben der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Strömungen gibt es zahlreiche Bücher zu historischen Themen, die jedoch die Brücke ins Heute schlagen. Ebenfalls bemerkenswert: In der Kategorie Übersetzung haben wir wieder mehrere Werke aus dem Chinesischen, diesmal vor allem Lyrik“, erklärt Maidt-Zinke (Leipziger Buchmesse).

In den vergangenen Wochen wurden neben dem Deutschen Buchpreis im Rahmen der Frankfurter Buchmesse für Robert Menasses Die Hauptstadt auch noch zahlreiche weitere Buchpreise vergeben: Bereits zum zweiten Mal erhielt Jesmyn Ward den National Book Award, einen der wichtigsten US-Buchpreise, für ihren Roman Sing, Unburied, Sing (Spiegel Online). Zum 25. Mal wurde der Open Mike vergeben, der wichtigste Preis für junge Literatur (ZEIT Online). Der spanische Cervantes-Literaturpreis geht an den nicaraguanische Schriftsteller, Menschenrechtler und Ex-Politiker Sergio Ramírez für sein Lebenswerk (Der Tagesspiegel). Im Rahmen der Buch Wien erhielt Eva Menasse zum zweiten Mal den Österreichischen Buchpreis (Der Standard). Franzobel und Andreas Reckwitz sind mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet worden (München.de). Der Bremer Literaturpreis 2018 geht an Thomas Lehr für Schlafende Sonne, den Förderpreis erhält Laura Freudenthaler für ihr Romandebüt Die Königin schweigt (Pressestelle des Bremer Senats). Für sein Buch Die Rückkehr über die Suche nach dem verschollenen Vater ist Hisham Matar mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2017 ausgezeichnet worden (3sat). Am 24. November bekommt Schriftsteller Ilija Trojanow den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln 2017 überreicht, da er sich als „kompromissloser Kritiker des Überwachungsstaats“ profiliert habe und zugleich als „rastloser Helfer für verfolgte und exilierte Schriftsteller“ (Stadt Köln). Petra Morsbach hat den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim erhalten (Süddeutsche Zeitung). Die Stadt Hannover hat Juan S. Guse mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover für seinen Debütroman Lärm und Wälder ausgezeichnet (T-Online).

Jonas Lüscher hat für sein Werk Kraft den Schweizer Buchpreis gewonnen (Tages Anzeiger). Für einen kleinen Eklat hat in diesem Rahmen der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss gesorgt: Er forderte die Abschaffung des Schweizer Buchpreises, da er die Veranstaltung zum zehnten Jubiläum „unwürdig“ fand und zugleich die Unabhängigkeit der Jury anzweifelt (Süddeutsche Zeitung).

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

goethe-faust-buecherherbst-buecherblog reclam rueckblendeReclam-Hefte: Die Universal-Bibliothek wird 150 Jahre alt. Zum Geburtstag zeigt eine Ausstellung, wie die gelben Heftchen die Klassikerlektüre verändert haben.“ (Süddeutsche Zeitung)

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Cosplayer-Debatte: Nicht die Bunten sind eine Gefahr, sondern die Braunen!

Leipziger Buchmesse 2017 lbm17 Buecherherbst Buecherblog

Nachdenklich, kreativ, vielseitig, innovativ, konservativ, progressiv, träge, krawallig, rasant, umarmend, europäisch, weltoffen und verbindend – das alles (und sicherlich noch vieles mehr) ist die Leipziger Buchmesse. Zusammengefasst: bunt. Manchem allerdings anscheinend zu bunt. Zumindest legt dies die Bilanz von Literaturredakteur Carsten Otte beim SWR nahe („Kein Ort für nackte Hasen„), der kritisiert, dass das „heterogene Konzept zwischen Buchmesse und Messefasching“ nicht mehr funktioniere. „Literarische und politische Diskussionen, emphatische Appelle für die Meinungsfreiheit, berührende Wortmeldungen von Schriftstellern, die unter Zensur und Zumutungen von diktatorischen Regimen zu leiden haben, passen nicht zum Klamauk und kulturindustriellen Hokuspokus der parallel stattfindenden Manga-Convention.“

So wurde im Anschluss an die Messe nicht über die vielen interessanten Veranstaltungen diskutiert, sondern einzig darüber, ob die bunte Welt der Cosplayer vereinbar sei mit den aufrüttelnden, politischen Beiträgen im Programm der Buchmesse. Besonders störte Otte sich daran, dass „Teenies vor den Fotoapparaten zumeist mittelalter Herren viel Bein und viel Brust zeigen, […und] minderjährige Cosplayer Gefallen an pornographischen Posen finden“. Dies würde zum „Hohn auf den Rest der Messe“.

Vielleicht mag es für manche Besucher dringenden Redebedarf geben, wie „nackt“ minderjährige Menschen herumlaufen „dürfen“. Zunächst einmal: In all den Jahren, in denen ich zu einer der beiden großen Buchmessen gehe, habe ich viel Bewunderung für die Kreativität und den Mut der Cosplayer (ja, ich würde es mich nicht trauen, mich so außergewöhnlich zu verkleiden) übrig gehabt, aber mich nie an der vermeintlichen Nacktheit gestört – vielleicht war mein Blick zu ignorant. Ein interessanter Nebenaspekt des SWR-Artikels ist die Bebilderung: Journalistisch würde man hier von einer klassischen Text-Bild-Schere sprechen. Denn auf keinem der drei verwendeten Fotos ist eine Person zu sehen, die annähernd nackt ist. Außer, nicht bedeckte Arme oder ein nicht bedeckter Rücken gelten inzwischen als „nackt“.

Völlig fehl am Platz ist jedoch die Behauptung, diese bunte Welt sei ein Hohn für die ernsthaften Themen. Denn wer bei der Anfahrt zur Leipziger Buchmesse in den Straßenbahnen jüngeren oder auch älteren Cosplayern zugehört oder sich mit ihnen unterhalten hat, konnte feststellen, dass sie sich neben dem großen Meet & Greet auch ernsthaft über die wichtigen Aspekte der Buchmesse, also die Freiheit in Wort und Schrift, Gedanken machten. Eine kluge Erwiderung zu Ottes „Bilanz“ hat Margarete Stokowski auf Spiegel Online geschrieben („Auch nackte Hasen sind politisch„), in der sie zu dem Fazit kommt, dass es auch künftig so bleiben werde, „dass es einerseits um sehr ernste Dinge geht und irgendwo daneben Leute Glitzerperücken tragen und Selfies machen. Sie stehen auch für die Freiheit, über die wir reden.“ Übrigens haben sich sowohl Leipziger Buchmesse (Statement der Leipziger Buchmesse zum SWR-Beitrag „Kein Ort für nackte Hasen“ vom 27. März 2017) als auch Frankfurter Buchmesse eindeutig pro Cosplayer positioniert.

Wenn junge Menschen ausgefallen kostümiert über die Messe laufen, ist doch auch dies ein politisches Statement: Sie lassen sich nicht vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben – nicht von der Obrigkeit und nicht von der Spießigkeit. Ähnlich ist auch der neuzeitliche Karneval an der Rheinschiene entstanden und wird vielerorts noch heute für Kritik an den Herrschenden oder gesellschaftlichen Zuständen genutzt. Hier käme niemand auf die Idee, dass Verkleidete unpolitisch wären oder ihre Verkleidung (auch hier ist es mal mehr und mal weniger Verkleidung) ein Hohn auf die politische Botschaft und deren Ernsthaftigkeit sei.

Eine Frage, die sich mir beim Lesen von Ottes Cosplayer-Kritik viel mehr aufdrängte: Warum sucht er nicht nach den wirklich unpassenden Zuständen auf der Buchmesse? Denn nach wie vor ist beispielsweise der Compact-Verlag prominent und in Übergröße vertreten. Hierbei handelt es sich wahrlich nicht um einen „gesellschaftskritischen“ Verlag, sondern mindestens um einen rechtspopulistischen Verlag respektive ein rechtspopulistisches Magazin, das hier erscheint. Manche stufen die Veröffentlichungen gar eher als rechtsnationalistisch oder teils rassistisch ein, mit dem starken Hang zu Verschwörungstheorien.

Sind nicht viel mehr solche Stände und Verlage ein Hohn auf die anderen Messeauftritte, welche sich mit ihren politischen Statements für die Freiheit des Wortes und der Menschen einsetzen? Gerade das mit AfD und Pegida vernetzte Compact bekämpft doch mit allen Mitteln die Freiheit, insbesondere die Meinungs- und Pressefreiheit. So ist beim ZEIT Störungsmelder davon zu lesen, dass im Rahmen von Compact-Veranstaltungen Fotografen und Journalisten eingeschüchtert und zum Teil vom Compact-Mitarbeiter körperlich bedrängt wurden („Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse„). Der Autor schildert es eindringlich: „Zwei schwarz gekleidete Männer im Türsteherformat bedrängen ihn [Anm.: den Journalisten] und fordern das Löschen der Bilder. Als der Journalist auf die Pressezugehörigkeit verweist, seine Kamera schützt und wenige Schritte zurücktreten will, werden die nicht als Sicherheitspersonal gekennzeichneten Männer übergriffig: Sie nehmen den Fotografen in den Schwitzkasten, schlagen auf seine Kamera ein und zerren ihn aus einem Seiteneingang der Halle. Am Vortag spielten sich ähnliche Szenen ab: Am Rande einer anderen Diskussionsrunde des Magazins wurden zwei Journalisten vom Sicherheitspersonal des Standes bedrängt. Einer der Fotografen brach die Arbeit eingeschüchtert ab, ein anderer wurde minutenlang durch die Halle verfolgt. Letztlich erklärte er sich bereit, dass Material zu löschen.“

Wer also – wie SWR-Redakteur Carsten Otte – die ernsthafte Diskussion um gesellschaftlich relevante Themen im Rahmen einer Buchmesse in Gefahr sieht, sollte die wahren Gefährder benennen, nämliche jene, die Rede- und Meinungsfreiheit am liebsten abschaffen und möglichst viele Hilfe suchende Menschen wieder ausweisen würden. Nicht die durchaus politisch interessierten und bunt verkleideten Jugendlichen sind eine Gefahr für den Diskurs oder die Buchmesse im Allgemeinen, sondern die Braunen, die eine Buchmesse lediglich als Plattform sehen, um gegen die Freiheit zu agitieren.

Mein Fotorückblick auf die #lbm17

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst BuecherblogSpannende (politische) Debatten, aufwändige Messestände, farbenfrohe Besucher und eine interessante Auswahl an Siegertiteln zum Preis der Leipziger Buchmesse – die #lbm17 hatte wieder ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Insgesamt 208.000 Besucher kamen in die Messehallen, weitere 77.000 schauten sich Veranstaltungen von Leipzig liest außerhalb der Messe an.

An drei Tagen war ich auf dem Messegelände unterwegs, habe teils bewegende Diskussionen und Berichte von Autoren – insbesondere jener aus den Kriegsgebieten, die in Deutschland (zumindest zeitweise) eine neue Heimat gefunden haben – gehört und viele Fotos gemacht. Eine Auswahl meiner #lbm17-Fotos findet ihr in der folgenden Galerie:

Buchmesse, Teil 3 [Fotorückblick]

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog

Mein dritter Tag auf der Leipziger Buchmesse stand im Fokus der Topautoren, wie Wladimir Kaminer, Volker Kutscher, Jonas Lüscher oder Steffen Popp, sowie spannender internationaler Literatur, insbesondere von Menschen, die eine Flucht hinter sich haben und in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben.

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Volker Kutscher Lunapark

Volker Kutscher.

Nachdem ich gestern bereits bei der Vorstellung des Comics zu Volker Kutschers Gereon-Rath-Debüt Der nasse Fisch war, wurde heute der neueste Teil der Serie an Krimis mit dem Berliner Kommissar vorgestellt: Lunapark. Dabei offenbarte Autor Kutscher, dass sich „inzwischen eine Art Hassliebe entwickelt“ habe zwischen ihm und seinem Hauptcharakter – nicht verwunderlich, wenn man so viel Zeit mit einer Person verbringt, die man womöglich besser kennt als sich selbst. Angefangen hat Volker Kutscher übrigens im Rheinland mit Regionalkrimis. Diese haben ihm allerdings nicht zu überregionalem Erfolg verholfen, weshalb er sich vor ziemlich genau zehn Jahren dazu entschloss, das Setting zu ändern und die Ermittlungen seiner Kommissare nach Berlin in die 1920er und 30er Jahre zu verlegen.

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer erklärt dem Publikum Russland.

Eine liebevoll verzweifelte Auseinandersetzung mit Russland ist Wladimir Kaminer eingegangen. In seinem neuesten Buch Goodbye Moskau. Betrachtungen über Russland blickt er auf die unnachahmliche Kaminer-Art auf seine alte Heimat. Dabei kann er dem Betrachter wenig Hoffnung machen, so werde auch Wladimir Putin so schnell nicht seinen Platz an der Spitze des Staates räumen, da er einzig den Machterhalt oder -ausbau im Blick habe. „Die politische Führung Russlands hat ihren Bürgern vorgelogen, dass es einen Weg gebe, in die Geschichte zurückzureisen, der es möglich macht, alles was schlecht war auszublenden und nur das Gute wieder auferstehen zu lassen“, so Kaminer (Random House).

Besonders spannend und zugleich ein Stück weit bedrückend war die Vorstellung des Buches Weg sein – hier sein. Geflüchtete Autorinnen und Autoren im Exil in Deutschland mit Texten von 17 syrischen Autoren, einer iranischen Autorin sowie eines jeminitischen Autors, die über Krieg, Flucht und ihr neues Leben in Deutschland schreiben. Beeindruckend war die Darstellung ihrer literarischen Tätigkeit von Nabi Widad: „Der Krieg hat ein Stück von mir zerstört. Hierdurch ist auch ein Stück meiner literarischen Sprache zerstört. Während ich früher für eine Kurzgeschichte mehrere Dutzend Seiten benötigte, drücke ich das gleiche jetzt in wenigen Sätzen aus.“ Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Weiterlesen

Eröffnungstag der Buchmesse [Fotorückblick] 

Leipziger Buchmesse 2017 Bücherherbst Bücherblog lbm17Heute wurde die Leipziger Buchmesse 2017 eröffnet, zu der bereits am ersten Tag zahlreiche Besucher strömten. Höhepunkt war sicherlich die Bekanntgabe der neuen Preisträger des Leipziger Buchpreises. Die Preise gingen an Natascha Wodin (Belletristik), Barbara Stollberg-Rilinger (Sachbuch) und Eva Lüdi Kong (Übersetzung). Die Begründung der Jury im Einzelnen:

Leipziger Buchmesse 2017 Bücherherbst Bücherblog lbm17Natascha Wodin – Sie kam aus Mariupol: „In Sie kam aus Mariupol forscht Natascha Wodin nach den Lebensspuren ihrer ukrainischen Mutter Jewgenia – und stößt auf das Schicksal ihrer Tante Lidia. Während die Mutter 1943 mit ihrem russischen Mann als Zwangsarbeiterin in ein Leipziger Montagewerk für Kriegsflugzeuge verschleppt wurde, kam die Tante zehn Jahre zuvor in ein sowjetisches Straflager. Das ist die ungeheuerliche Parallelität, die die Familiengeschichte zerteilt. Sie kam aus Mariupol ist nicht aus einem Guss, weil es angesichts der Brüche des 20. Jahrhunderts gar nicht aus einem Guss sein kann.“

Leipziger Buchmesse 2017 Bücherherbst Bücherblog lbm17Barbara Stollberg-Rilinger – Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit: „Barbara Stollberg-Rilingers große Biographie über die Habsburgerin ist tatsächlich bahnbrechend: Zum einen rückt sie eine der bedeutenden Gestalten in der europäischen Geschichte endlich in das ihr gebührende Licht. Und dieses Licht ist postmodern, so wie sie es selber formuliert. Sie sucht nicht die geheime Wurzel, den Generalschlüssel zur Person, so wie es viele Autoren oft genug versuchen und sich dabei selber täuschen. Sie beschreibt stattdessen dieses Leben als Inszenierung eines Spiels in vielen verschiedenen, aber gleichzeitigen Rollen.“

Leipziger Buchmesse 2017 Bücherherbst Bücherblog lbm17Eva Lüdi Kong übersetzte aus dem Chinesischen Die Reise in den Westen: „Die Reise in den Westen ist das wohl bedeutendste, in jedem Fall das populärste Buch der chinesischen Literatur. Bis heute lebt es fort in Mangas, Filmen, Computerspielen. Wann das Buch entstand, wer sein Autor ist, das weiß man nicht; in seiner heutigen Fassung ist es rund 400 Jahre alt. Dieses Buch hat es bislang auf Deutsch nicht gegeben, höchstens in kleineren Auszügen. Dass es nun in seiner ganzen Fülle und Vielfalt vorliegt, ist das Verdienst von Eva Lüdi Kong.“ Weiterlesen

Spannendes Programm bei „Leipzig liest“ @lbm17

Leipziger Buchmesse lbm17 Leipzig liest Buecherherbst Buecherblog Programm UeberblickBald dreht sich in Leipzig wieder alles um Bücher und ums Lesen: Am 23. März eröffnet die Leipziger Buchmesse 2017 samt Lesefest Leipzig liest ihre Pforten. Dabei gibt es ein vielfältiges Programm und interessante Leseorte zu entdecken. Einen Überblick über das vollständige Programm findet man im Downloadbereich der Messe. Online bietet sich zudem die Möglichkeit, das Programm mit fast 3.500 Veranstaltungen nach Datum, Genre oder Veranstaltungsart zu durchsuchen. Darüber hinaus findet sich ein Les-O-Mat, mit dessen Hilfe man nach dem Zufallsprinzip Empfehlungen erhält.

Ich werde erstmalig während aller #lbm17-Tage vor Ort sein. Hierfür habe ich mir wieder einen (umfangreichen) Veranstaltungsplan „erarbeitet“, um nichts zu verpassen – angesichts der Vielzahl an Veranstaltungen natürlich ein kaum mögliches Unterfangen. Wer ein paar Inspirationen braucht oder keine Lust hat, sich einen eigenen ausführlichen Zeitplan zusammenzubasteln, hier meine vorläufige Planung für Leipzig liest auf dem Messegelände (am Textende auch als Pdf):

täglich (23. bis 26. März):
10:00 – 17:00 Uhr: BeeinDRUCKend! Johannes Gutenberg erklärt seine Erfindungen, Druckvorführung, Gutenberg-Museum Mainz Halle 3, Stand H500

10:00 – 17:00 Uhr: Sachenmacher Mitmach-Workshop „Lesezeichen“, Wehrfritz GmbH Halle 2, Stand B300

10:00 – 18:00 Uhr: Drei Steine, Ausstellung (Nils Oskamp erzählt in seiner autobiografischen Graphic Novel „Drei Steine“ die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er Opfer rechter Gewalt wurde), Forum Sachbuch Halle 5 Halle 5, Stand C200

10:00 – 18:00 Uhr: Alma M. Karlin – Die Weltreisende aus der Provinz, Ausstellung (ein aktuelles biographisches Graphic Novel zu der slowenisch-deutschen Autorin Alma Karlin), Ausstellung Slowenien Halle 4, Stand D504

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„Breites Spektrum“ an Werken zum Preis der Leipziger Buchmesse

Preis der Leipziger Buchmesse lbm17 pdlbm17 Buecherherbst Buecherblog Presseschau RueckblendeIn etwas mehr als vier Wochen eröffnet die Leipziger Buchmesse mit dem Lesefestival Leipzig liest wieder ihre Pforten. Gespannt warten alle Bücherfreunde, aber vor allem Autoren und Verlage auf den Auftakt: Am 23. März (16 Uhr) wird nämlich zunächst der Preis der Leipziger Buchmesse 2017 vergeben. 365 Werke wurden für die Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie Übersetzung eingereicht, vergangene Woche wurden die Nominierten bekannt gegeben: Lukas Bärfuss – Hagard (Wallstein Verlag), Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen (Klett-Cotta), Steffen Popp – 118 (Kookbooks), Anne Weber – Kirio (S. Fischer) und Natascha Wodin – Sie kam aus Mariupol (Rowohlt) [alle Belletristik]; Leonhard Horowski – Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts (Rowohlt), Klaus Reichert – Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen (S. Fischer), Jörg Später – Siegfried Kracauer. Eine Biographie (Suhrkamp), Barbara Stollberg-Rilinger – Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit (C.H.Beck) und Volker Weiß – Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes (Klett-Cotta) [alle Sachbuch/Essayistik]; Holger Fock, Sabine Müller übersetzten aus dem Französischen Kompass von Mathias Énard (Hanser Berlin), Gregor Hens übersetzte aus dem Englischen Shark von Will Self (Hoffmann und Campe), Gabriele Leupold übersetzte aus dem Russischen Die Baugrube von Andrej Platonow (Suhrkamp), Eva Lüdi Kong übersetzte aus dem Chinesischen Die Reise in den Westen (Reclam) und Petra Strien übersetzte aus dem Spanischen Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda von Miguel de Cervantes (Die Andere Bibliothek) [alle Übersetzung]. Die ausführlichen Begründungen zu den einzelnen Nominierungen finden sich hier: Nominierungen 2017.

Als durchaus anspruchsvoll werden die Werke in der Kategorie Belletristik angesehen. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, spricht gegenüber der ZEIT von einer „kühnen Liste“ (Jury stellt »kühne Liste« für Leipziger Buchpreis zusammen). Da die Jury zum Preis der #lbm17 nicht auf Romane beschränkt ist, hebt Spiegel Online das erneut „breite Spektrum“ in der Auswahl hervor: „Vom Gedichtband über einen Verfolgungsroman bis zu einer Erinnerung an die eigene Mutter“ (Brigitte Kronauer ist unter den Nominierten). Einen „kleinen Extrajubel“ ist es der Frankfurter Rundschau wert, „dass sich Brigitte Kronauers großer Roman Der Scheik von Aachen (im Herbst bei Klett-Cotta erschienen) unter den Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse findet. Solche Listen, denkt man sich, sollen für Entdeckungen gut sein, aber auch das zu schnelle Wieder-Verschwinden der wesentlichen Titel einer Saison unterlaufen“ (Scheik und Kaiserin).

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Text ist nicht alles: Finden wir die Literatur der Zukunft mit einer klobigen Bildschirmbrille auf der Nase, die uns bewegte Bilder vorspielt, während wir Texte lesen und hören?“ (Deutschlandradio Kultur)

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Fotorückblick zur #lbm16

Mit insgesamt rund 260.000 Besuchern verzeichnete die Leipziger Buchmesse samt dazugehörigem Lesefestival Leipzig liest einen neuen Rekord. Im Mittelpunkt stand dabei gemäß dem Motto „Für das Wort und die Freiheit“ die Diskussion und das Ringen um Standpunkte. „Das Buch und seine Macher waren als Leitmedien mehr denn je gefragt. Leser und Zuhörer suchten und fanden Fakten, Analysen, Erfahrungen und Meinungen auch zu den aktuellen gesellschaftlichen Debatten insbesondere zu Zuwanderung und Integration“, sagte Messegeschäftsführer Martin Buhl-Wagner. In diesem Zusammenhang erhitzte insbesondere der Auftritt des Rechtsaußenmagazins Compact die Gemüter (Spiegel Online), so wurde bereits im Vorhinein gegen dessen Teilnahme an der Buchmesse heftig protestiert.

Doch im Vordergrund sollten vor allem die Auftritte großartiger Autoren wie Juli Zeh stehen. Hier gibt’s einen Fotorückblick meiner Höhepunkte der #lbm16:

Denis Scheck (r.) mit Michael Köhlmeier zu "Das Mädchen mit dem Fingerhut"

Denis Scheck (r.) mit Michael Köhlmeier zu „Das Mädchen mit dem Fingerhut“.

Impressionen vom #lbm16-Samstag

Großer Andrang herrschte am heutigen Samstag auf der Leipziger Buchmesse. Immerhin stellten zahlreiche bekannte Autoren ihre aktuellen Werke vor, so auch Juli Zeh mit ihrem großen Gesellschaftsroman Unterleuten, Benedict Wells (Vom Ende der Einsamkeit) und Michael Köhlmeier (Das Mädchen mit dem Fingerhut). Hier gibt es einen kleinen Fotorückblick von meinen Höhepunkten der #lbm16.

lbm16 Juli Zeh 3sat

Juli Zeh (l.) stellte ihren neuen Roman „Unterleuten“ vor.

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Mitbieten für den guten Zweck

lbm16_leipzigliest_rgbScreenshot Leipziger Buchmesse ebayIn wenigen Tagen beginnt die Leipziger Buchmesse mit einem umfangreichen Programm im Rahmen von Leipzig liest. Neben der großen Ausstellung sowie zahlreichen Lesungen und Mitmachevents hat die Buchmesse kürzlich auch noch eine Charityaktion gestartet, an der jeder Bücherliebhaber – egal, ob man vor Ort in Leipzig ist oder nicht – teilnehmen kann: Auf ebay können in 74 Auktionen signierte Bücher, Hörbücher und Poster ersteigert werden (3, 2, 1 … GEHOLFEN!), beispielsweise das Hörbuch Kleines Konversationslexikon für Haushunde von Juli Zeh, ein signiertes Buch Fussballgefühle von Axel Hacke und signierte (Hör-)Bücher von Frank Schätzing und Martin Suter. Bis zum 20. März kann noch mitgesteigert werden. Die Einnahmen gehen vollständig an den Flüchtlingsrat Leipzig.

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

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