Buchmesse, Teil 3 [Fotorückblick]

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Mein dritter Tag auf der Leipziger Buchmesse stand im Fokus der Topautoren, wie Wladimir Kaminer, Volker Kutscher, Jonas Lüscher oder Steffen Popp, sowie spannender internationaler Literatur, insbesondere von Menschen, die eine Flucht hinter sich haben und in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben.

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Volker Kutscher Lunapark

Volker Kutscher.

Nachdem ich gestern bereits bei der Vorstellung des Comics zu Volker Kutschers Gereon-Rath-Debüt Der nasse Fisch war, wurde heute der neueste Teil der Serie an Krimis mit dem Berliner Kommissar vorgestellt: Lunapark. Dabei offenbarte Autor Kutscher, dass sich „inzwischen eine Art Hassliebe entwickelt“ habe zwischen ihm und seinem Hauptcharakter – nicht verwunderlich, wenn man so viel Zeit mit einer Person verbringt, die man womöglich besser kennt als sich selbst. Angefangen hat Volker Kutscher übrigens im Rheinland mit Regionalkrimis. Diese haben ihm allerdings nicht zu überregionalem Erfolg verholfen, weshalb er sich vor ziemlich genau zehn Jahren dazu entschloss, das Setting zu ändern und die Ermittlungen seiner Kommissare nach Berlin in die 1920er und 30er Jahre zu verlegen.

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer erklärt dem Publikum Russland.

Eine liebevoll verzweifelte Auseinandersetzung mit Russland ist Wladimir Kaminer eingegangen. In seinem neuesten Buch Goodbye Moskau. Betrachtungen über Russland blickt er auf die unnachahmliche Kaminer-Art auf seine alte Heimat. Dabei kann er dem Betrachter wenig Hoffnung machen, so werde auch Wladimir Putin so schnell nicht seinen Platz an der Spitze des Staates räumen, da er einzig den Machterhalt oder -ausbau im Blick habe. „Die politische Führung Russlands hat ihren Bürgern vorgelogen, dass es einen Weg gebe, in die Geschichte zurückzureisen, der es möglich macht, alles was schlecht war auszublenden und nur das Gute wieder auferstehen zu lassen“, so Kaminer (Random House).

Besonders spannend und zugleich ein Stück weit bedrückend war die Vorstellung des Buches Weg sein – hier sein. Geflüchtete Autorinnen und Autoren im Exil in Deutschland mit Texten von 17 syrischen Autoren, einer iranischen Autorin sowie eines jeminitischen Autors, die über Krieg, Flucht und ihr neues Leben in Deutschland schreiben. Beeindruckend war die Darstellung ihrer literarischen Tätigkeit von Nabi Widad: „Der Krieg hat ein Stück von mir zerstört. Hierdurch ist auch ein Stück meiner literarischen Sprache zerstört. Während ich früher für eine Kurzgeschichte mehrere Dutzend Seiten benötigte, drücke ich das gleiche jetzt in wenigen Sätzen aus.“ Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst Buecherblog Weiterlesen

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Tag 2 der #lbm17

lbm17 Buchmesse Buecherherbst Buecherblog Volker Kutscher Der nasse Fisch Comic (2)Am zweiten Tag der Leipziger Buchmesse hatte ich mir insbesondere Veranstaltungen vorgemerkt, zu Büchern, die ich entweder bereits gelesen habe (Ellbogen von Fatma Aydemir) oder welche ich noch auf meinem Zettel für den späteren Erwerb habe.

 

lbm17 Buchmesse Buecherherbst Buecherblog Kutscher Jysch

Volker Kutscher (l.) und Arne Jysch.

Äußerst interessant war die Vorstellung des Comics zu Volker Kutschers Gereon-Rath-Debüt Der nasse Fisch, illustriert von Arne Jysch. Dabei offenbarte Zeichner Jysch, dass er einerseits doch erhebliche Teile des Buches kürzen musste und andererseits auch Figuren frei interpretiert wurden. Ob künftig auch eine der Fortsetzungen in Comicform erhältlich sein wird, ist noch offen, immerhin ist die Umsetzung als Comic durchaus aufwändig und zugleich finanziell nicht sonderlich ertragreich.

 

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Axel Troost (l.) und Gesine Schwan diskutierten über die Reformierung der EU.

Über eine Umgestaltung der EU, aber auch des deutschen Staates, hin zu einem wesentlich solidarischeren, humanitäreren System diskutierten Gesine Schwan (SPD) und Axel Troost (Die Linke) mit Klaus Busch beim VSA:Verlag auf der Bühne. Unter dem Titel Europa geht auch solidarisch! stellten die Beiden Politiker ihre mit weiteren Autoren gemeinsam verfasste Streitschrift vor und forderten, die EU grundlegend zu reformieren. Ob dies bereits nach der im September anstehenden Bundestagswahl und dann mit einer linken Regierung geschieht, ließen Schwan und Troost offen, da sie selbst in ihren eigenen Parteien jeweils mit ihren Standpunkten nicht unbedingt mehrheitsfähig seien.

Weitere Impressionen des zweiten Buchmessetages hier in einer Fotogalerie: Weiterlesen

Kann man erlernen, Literatur zu schreiben?

„Wenn man Kunst akademisch lehren kann, dann gilt das gleiche ohne Frage auch für die Literatur“, ist NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (Quelle: Land NRW) anlässlich der Einführung eines neuen Studiengangs an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) überzeugt. Hier wird ab kommendem Wintersemester 2017/18 der Studiengang Literarisches Schreiben angeboten. Damit können sowohl Schriftsteller als auch angehende Autoren künftig also zumindest einen wissenschaftlichen Abschluss erlangen, der ihnen bescheinigt, dass sie in der Lage sind, Literatur zu verfassen. Ob hieraus auch gute Literatur entsteht, bleibt eine vage Hoffnung für die Zukunft – ganz ohne Talent wird es aber wohl weiterhin nicht gehen.

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Ulrich Peltzer übernimmt die erste Gastprofessur des neuen Studiengangs. (c) Lesekreis (Own work) [CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons]

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Navid Kermani. (c) Lesekreis (Own work) [CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons]

Besonderer Anreiz dieses Studiengangs ist sicherlich durchaus, dass die Studierenden ihre Semester nicht lediglich an der Hochschule abspulen, sondern teils eine längere Zeit auf dem Gelände der Burg Hülshoff verbringen – dem Geburtshaus von Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. „Durch ihre Residenzphasen auf Burg Hülshoff erhalten die Studierenden die Möglichkeit, sich an einem literarisch geprägten Ort individuell auf ihre künstlerische Karriere vorzubereiten“, erläuterte Kulturministerin Christina Kampmann. „Burg Hülshoff wiederum wird von dem neuen Veranstaltungsangebot profitieren. Das bietet auch die Chance, sich zu einem neuen literarischen Zentrum des Landes zu entwickeln.“

Zugleich konnten renommierte Schriftsteller für das Literaturstudium gewonnen werden: Ulrich Peltzer, mehrfacher Literaturpreisträger, unter anderem für seinen Roman Das bessere Leben, übernimmt die erste Gastprofessur. Und Friedenspreisträger Navid Kermani ist begleitender Berater für den Aufbau des Studiengangs.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Der europäische Landbote: Martin Schulz verkaufte vor seiner politischen Karriere Bücher. 2013 sprach er in seinem alten Laden in Würselen mit dem Freitag über Scheinriesen und große Erzählungen.“ (der Freitag)

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Das wird großartig! Eine Wunschliste

Bücherstapel Bücherherbst Vorschau 2016

(c) Lupo/pixelio.de

Endlich konnte ich mir ein wenig Zeit nehmen, um einen Blick in die Verlagsvorschauen für die kommenden Wochen zu werfen. Und dabei habe ich eine Menge spannender Bücher entdeckt, die ich mir auf meine Wunschliste geschrieben habe – nicht ausgeschlossen, dass spontan noch zwei, drei Bücher hinzu kommen. Im Vordergrund stand (abgesehen davon, dass mir die Thematik zusagen muss), dass es annähernd (!) realistisch ist, die Neuerwerbungen auch zeitnah zu lesen und nicht den SuB unnötig zu vergrößern (zugegeben: Anfang März könnte es durchaus problematisch werden). Dabei ist selbstredend auch das eine oder andere Buch auf der Strecke geblieben. Wer sich einen schnellen Überblick über meine Favoriten verschaffen möchte: Die muss ich haben!

Und jetzt möchte ich euch meine Wunschliste – sortiert nach Erscheinungsdatum – kurz vorstellen: Weiterlesen

Ein eigenbrötlerischer Charakter

Volker Kutscher - Akte VaterlandHistorischer Roman und Krimi – zwei hervorragende Genres. Diese hat Volker Kutscher zusammengeführt und lässt den etwas eigenbrötlerischen Kriminalkommissar Gereon Rath im historischen Berlin vor und während der Nazizeit ermitteln. Heute beginne ich mit dem vierten Teil: Die Akte Vaterland. Bereits die zuvor vorgelegten drei Bände der Reihe haben mich durch die Verbindung von spannender Dramaturgie sowie authentischer zeitgeschichtlicher Darstellung überzeugt. Weiterlesen