Durch und durch politisch

Leipziger Buchmesse 2018 – Tag 2

Am zweiten Tag der #lbm18 standen auf meinem Programm politische Veranstaltungen im Vordergrund. Erstes Thema war Flucht und Migration, und unter dem Titel „Wessen Krise?“ diskutierten Simone Barrientos, Rick Reuther und Sascha Stanicic über die Ursachen und mögliche Maßnahmen, um die Menschen von der gefährlichen Flucht abzuhalten oder sie in Deutschland menschenwürdig aufzunehmen. Weiter ging es mit der Diskussion mit Asne Seierstad, der Preisträgerin zur Europäischen Verständigung, über die europäischen Werte: „Wir, die Partner und Freunde? Oder wie das erweiterte Europa das Ganze betrachtet“.

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„Druckfrisch“ mit Denis Scheck

Einerseits machten europäische Regierungschefs Deals mit Despoten wie Erdogan und gleichzeitig sprächen sie davon, dass sie den Werten Europas verpflichtet seien. Doch wie schafft die EU es, die globalen Herausforderungen – als Einheit – zu bewältigen? Und selbst Denis Scheck wurde zunächst politisch: Er äußerte Unverständnis dafür, dass das Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer von der Fassade der Alice Salomon Hochschule verschwinden soll. Darin sieht er sogleich den Beginn des Endes der Meinungsfreiheit sowie eine klare Zensur – bei dieser Einschätzung hat er sich allerdings ganz schön verrannt.

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Die Härte des Lebens spüren

Buchtipp: Tijan Sila – Tierchen Unlimited

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Eindringlich, teils beklemmend erzählt Tijan Silas Roman Tierchen unlimited die Geschichte eines bosnischen Flüchtlings, der in der deutschen Provinz gelandet ist. Doch auch hier erwartet ihn die Härte der Welt.

Es entwickelt sich eine rasante, niederschmetternde aber zugleich amüsante Story am Rande der Psychose. Und fast nebenbei inseriert Sila regelmäßig gruselige Passagen über die Grauen des Kriegsalltags.

Neues Jahr, neue Wunschliste [Frühjahr 2018]

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(c) Lupo/pixelio.de

Nach dem Luther-Jahr folgt das Marx-Jahr: Insbesondere die sachbuchorientierten Verlage veröffentlichen zu Jahresbeginn 2018 zahlreiche neue Bücher anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx am 5. Mai. Aber nicht weniger (bedeutende) Werke erscheinen anlässlich des 100. Geburtstages (18. Juli) von „Afrikas Lichtgestalt“, Nelson Mandela. Darüber hinaus gibt es Neuerscheinungen von Haruki Murakami, T.C. Boyle, Laksmi Pamuntjak; Thea Dorn wird politisch, Martin Walser schreibt weiter, Gregor Gysi bringt Marx mit in die heutige Zeit, Jutta Ditfurth warnt vor dem Faschismus und Peer Steinbrück belehrt die Sozialdemokratie.

Eine Linkliste zu den Verlagsvorschauen findet ihr hier:
Verlagsvorschauen im Überblick
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Es gab durchaus schon interessantere Verlagsvorschauen, als diese für das Frühjahr 2018. Nichtsdestotrotz findet man beim genauen Hinschauen zahlreiche spannende Neuerscheinungen. Gerade im Januar stehen einige Kracher an: Los geht es mit Arno Geigers Unter der Drachenwand. Es folgen Bernhard Schlink, Haruki Murakami und Navid Kermani.

Ich habe mich durch die Vorschauen gewühlt und eine neue Wunschliste für die kommenden Monate zusammengetragen. Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere auf den Themenfeldern Politik / Flucht / Europa, so dass auch das eine oder andere Sachbuch seinen Weg in die Wunschliste gefunden hat. Bei manchen Verlagen reicht die Vorschau gar bis in den Sommer hinein, so dass ich bereits längerfristig plane, jedoch im Laufe des Jahres sicherlich noch Ergänzungen hinzufügen werde.

Damit ich nicht zu viele Bücher kaufe, die am Ende auf dem SuB versauern, habe ich – mit einigen namhaften Ausnahmen – lediglich Bücher gewählt, die maximal 350/400 Seiten haben. Jetzt möchte ich euch zunächst einen Überblick über die Bücher auf meiner Wunschliste geben, folgend stelle ich dann die Bücher nochmals einzeln vor:

10. Januar: Arno Geiger – Unter der Drachenwand, 480 Seiten, Hanser
12. Januar: Bernhard Schlink – Olga, 320, Diogenes
22. Januar: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore I, 480, DuMont
26. Januar: Navid Kermani – Entlang den Gräben, 445, C.H. Beck
29. Januar: Leander Steinkopf – Stadt der Feen und Wünsche, 112, Hanser Berlin
29. Januar: T.C. Boyle – Good Home, 432, Hanser

20. Februar: André Kubiczek – Komm in den totgesagten Park und schau, 320, Rowohlt Berlin

1. März: Andrej Nikolaidis – Der ungarische Satz, 150, Voland & Quist
5. März: Vincent F. Hendricks, Mads Vestergaard – Postfaktisch. Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien, 180, Blessing Verlag
8. März: Joschka Fischer – Der Abstieg des Westens, 176, Kiwi
9. März: Matthew Desmond – Zwangsgeräumt. Armut und Profit in der Stadt, 528, Ullstein
12. März: David Grossmann – Eine Taube erschießen, 128, Hanser
12. März: Imaani Brown – Hallo Deutschland, 256, Heyne
15. März: Matthias Göritz – Parker, 352, C.H. Beck
22. März: Slavoj Zizek – Das Kommunistische Manifest. Die verspätete Aktualität des Kommunistischen Manifests, 160, Fischer
27. März: Toni Morrison – Die Herkunft der Anderen, 112, Piper

10. April: Thea Dorn – Deutsch, nicht dumpf, 160, Knaus
11. April: Hermann Hesse – „In den Niederungen des Aktuellen“ (Briefe, 1933-1939), 750, Suhrkamp
13. April: Gregor Gysi – Marx & wir. Warum wir eine neue Gesellschaftsidee brauchen, 144, Aufbau Verlag
16. April: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore II, 500, DuMont
26. April: Roberto Bolaño – Der Geist der Science-Fiction, 224, S. Fischer
26. April: Rüdiger Barth / Hauke Friederichs – Die Totengräber. Der letzte Winter der Weimarer Demokratie, 320, S. Fischer

2. Mai: Ralf Rothmann – Der Gott jenes Sommers, 260, Suhrkamp
11. Mai: Ingo Zamperoni – Anderland. Die USA unter Trump – ein Schadensbericht, 160, Ullstein
14. Mai: Ta-Nehisi Coates – We were eight Years in Power – Eine amerikanische Tragödie, 336, Hanser Berlin
17. Mai: Nelson Mandela – Briefe aus dem Gefängnis, 600, C.H. Beck
23. Mai: Jutta Ditfurth – Haltung + Widerstand, 144, Hoffmann & Campe

1. Juni: Alice Zeniter – Die Kunst zu verlieren, 560, Berlin Verlag
6. Juni: Stephen Parker – Bertolt Brecht, 1.000, Suhrkamp
24. Juli: Max Annas – Finsterwalde, 352, Rowohlt Hundert Augen Weiterlesen

Meine Wunschliste zum Jahresbeginn

Neuerscheinungen Büchervorschau Verlagsvorschau Buecherherbst BuecherblogNeues Jahr, neue Wünsche: Nachdem ich ausführlich die Verlagsvorschauen der kommenden Monate nach interessanten Neuerscheinungen durchstöbert hatte (Mehr Übersicht bei den Vorschauen), habe ich nun meine neue Bücher-Wunschliste zusammengestellt. Dabei startet das Jahr bereits mit einigen Krachern: Im Januar werden neue Bücher von Martin Walser, T.C. Boyle, Barack Obama sowie Umberto Eco veröffentlicht. Diese Größen der Literatur möchte ich natürlich nicht verpassen, genauso wenig wie die Bücher von beispielsweise Roberto Bolano, Marcel Beyer oder Haruki Murakami, die allesamt noch bis Mitte April erscheinen.

Flüchtlingsliteratur Buechervorschau Neuerscheinungen Buecherherbst Buecherblog refugeeswelcome

(c) IESM / pixelio.de

Doch darüber hinaus freue ich mich auch ganz besonders auf spannende, teils vielleicht vollkommen unbekannte Autoren, die neue Perspektiven eröffnen und in unbekannte Welten entführen. Hierbei habe ich mich entschieden, hauptsächlich ein Thema besonders in den Fokus zu nehmen: „Flüchtlingsliteratur“, also Literatur über Flucht, Einwanderung, über die neue Heimat oder das Fremdsein in dem Land, in dem man lebt und aufgewachsen ist. Einen elementaren Beitrag hierzu haben im vergangenen Jahr bereits Navid Kermani (Einbruch der Wirklichkeit) sowie Michael Köhlmeier (Das Mädchen mit dem Fingerhut) geleistet. Diese beiden Bücher haben mich dermaßen beeindruckt, dass ich in diesem Jahr hieran anschließen und mich zumindest literarisch ein wenig mehr in die Welt der Menschen, die sich auf der Flucht oder auf der Suche nach Heimat befinden, hineinversetzen möchte.

Da es abseits dieses umfassenden, (stets) aktuellen Themenkomplexes auch noch viele weitere Neuerscheinungen zum Jahresbeginn gibt, habe ich meine Wunschliste dahingehend erweitert, dass ich weitere lesenswerte Bücher aufgenommen habe (grün markiert), diese aber nur dann erwerbe, falls sich die zeitliche Gelegenheit ergibt. [Anm. d. V.: Oder vielleicht kaufe ich sie auf jeden Fall und lasse lediglich offen, wann ich sie lese…] Damit ich nicht zu viele Bücher kaufe, die am Ende auf dem SuB versauern, habe ich – mit einer großen (T.C. Boyle) und einer kleineren (Imbolo Mbue) Ausnahme – lediglich Bücher gewählt, die maximal 400 Seiten haben.

Jetzt möchte ich euch zunächst einen Überblick über die Bücher auf meiner Wunschliste (bis Mitte April) geben, die ich auf jeden Fall erwerben werde, folgend stelle ich dann die Bücher nochmals einzeln vor [Die vollständige Wunschliste habe ich euch hier als Dokument zusammengestellt: Bücher-Wunschliste Januar bis April]:

5. Januar: Martin Walser – Statt etwas oder Der letzte Rank (Rowohlt, 176 Seiten)
9. Januar: T.C. Boyle – Die Terranauten (Hanser, 608)
10. Januar: Barack Obama – »Worte müssen etwas bedeuten« (Suhrkamp, 200)
30. Januar: Fatma Aydemir – Ellbogen (Hanser, 272)
30. Januar: Umberto Eco – Pape Satan (Hanser, 208)
16. Februar: Imbolo Mbue – Das geträumte Land (KiWi Verlag, 420)
16. Februar: Tijan Sila – Tierchen unlimited (KiWi Verlag, 222)
24. Februar: Atiq Rahimi – Heimatballade (Ullstein, 200)
13. März: Roberto Bolano – Die romantischen Hunde (Hanser, 208)
16. März: Clemens Meyer – Die stillen Trabanten (S. Fischer, 288)
20. März: Andree Hesse – Der Diversant (Berlin Verlag, 240)
23. März: Emmanuelle Pirotte – Heute leben wir (S. Fischer, 288)
24. März: Heinz Strunk – Jürgen (HundertAugen, 220)
3. April: Emma-Jane Kirby – Der Optiker von Lampedusa (Berlin Verlag, 144)
5. April: Marcel Beyer – Das blindgeweinte Jahrhundert (Suhrkamp, 200)
5. April: Pietro Bartolo/Lidia Tilotta – An das Leid gewöhnt man sich nie (Suhrkamp, 180)
13. April: Haruki Murakami / Kat Menschik – Birthday Girl (DuMont, 80)

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Das Lieblingsbuch nominieren

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Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis hatte nicht nur für Überraschungen gesorgt, sondern auch zu Kontroversen geführt: Fehlten nicht einige herausragende Titel? Waren wirklich alle Nominierten preiswürdig? Die Zweifel an der Juryauswahl waren allerdings nicht überraschend, schließlich hat jeder Leser den eigenen Favoriten, der gefälligst nominiert werden sollte und nach Möglichkeit auch auf die Shortlist gehörte. Beim LovelyBooks Leserpreis sind solche Diskussion von vorneherein ausgeschlossen – denn hier haben die Leser es selbst in der Hand: Noch etwas mehr als vier Tage gibt’s hier die Möglichkeit, die eigenen Favoriten unter den Neuerscheinungen in insgesamt 14 verschiedenen Kategorien zu nominieren.

In der anschließenden Abstimmungsrunde kann dann unter den 35 am meisten nominierten Büchern pro Kategorie ausgewählt werden. Die Bekanntgabe des Preisträgers ist am 24. November. Hier kann man die eigenen Lieblingsbücher mit ins Rennen schicken: Nominiere jetzt deine Lieblingsbücher des Jahres.

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Verleger machen Brief an Bildungsministerin Wanka: »Wir stehen offenbar im Weg«“ (Boersenblatt) Weiterlesen

Mit kreativen Ideen gegen Onlinehändler

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Eine außergewöhnliche Buchhandlung in Buenos Aires. (c) David [CC BY 2.0, via Wikimedia Commons]

Amazon hatte unlängst angekündigt, zahlreiche eigene stationäre Buchhandlungen eröffnen zu wollen. Zunächst ist das Projekt in Nordamerika vorgesehen, für Europa gibt es wohl noch keine Pläne. Für zahlreiche kleine, unabhängige Buchläden, die es ohnehin schon schwer haben gegen die Onlinehändler, könnte diese zusätzliche Konkurrenz der Todesstoß sein. „Italienische Literatur, amerikanische Raritäten und gelegentlich ein original englischer Snack: Als Buchhändler muss man heutzutage kreativ sein“, weiß die Süddeutsche Zeitung. „Mit welcher Hingabe und Liebe Buchfan Browner sein Geschäft führt, spürt man schon beim ersten Schritt in seinen Laden, der so gar nicht aussieht wie eine normale Buchhandlung. Gedämpftes Licht, gemütliche Atmosphäre, es ist fast, als säße man in John Browners Wohnzimmer. Die dunkelbraunen Bücherregale stehen nicht akkurat an der Wand, sie machen aus dem Raum ein Labyrinth der Weisheit.“

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