Die Strahlkraft des westlichen Projekts

„Augenmaß, enorme Sachkenntnis und singuläre Forschungsakribie“: Der bekannte deutsche Historiker Heinrich August Winkler erhält den „Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2016“. Mit seiner mehrbändigen Geschichte des Westens hat WinklerOLYMPUS DIGITAL CAMERA ein monumentales Grundlagenwerk zur politischen Entwicklung der wichtigsten westlichen Länder vorgelegt. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass er mit „seiner souveränen Kunst, Analyse und Erzählung zu verbinden und die Vielfalt der Aspekte in eine überzeugende Synthese zu integrieren, […] einem breiten, historisch interessierten Publikum wertvolle Orientierungshilfe [leistet]. Indem dieses Werk an die Strahlkraft des westlichen Projekts erinnert und dessen heutige Geltung immer wieder aufs Neue bekräftigt, ist es unverzichtbar gerade in Zeiten, in denen die Werte des Westens fragiler und angefochtener erscheinen denn je“ (Leipziger Messe)

Heinrich August Winkler

Heinrich August Winkler (c) http://www.stephan-roehl.de / Heinrich-Böll-Stiftung [CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons]

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

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„Stimmung der Angst und des Schreckens“

Die vergangene Woche stand im Zeichen des Terrors in Paris, Mali und Beirut. Deshalb beginne ich meine heutige Rückblende mit zwei Interviews mit Schriftstellernpeace-for-paris_artikelbox, die sich in letzter Zeit in ihren Werken mit islamistischem Terrorismus befasst haben: Karim Miské beschrieb in seinem Krimi Entfliehen kannst du nie (original: Arab Jazz) bereits die Fiktion einer Pariser Dschihadisten-Gruppe, die in den Krieg zieht. Mit der Süddeutschen Zeitung spricht er über das Buch und die Ziele der Terroristen: „Der Feind sind wir alle“. Keine wesentlich optimistischere Zukunft zeichnet der algerische Schriftsteller Boualem Sansal im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen, er ist sich sicher: Die Anschläge werden nicht aufhören. In seinem Roman 2084 hat Sansal die Dystopie einer islamischen Diktatur durchgespielt.

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Zugang zu Texten vereinfachen

(c) Spaß am Lesen Verlag

Bücher sollten möglichst allen Menschen zugänglich gemacht werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Menschen, denen die „normale Sprache“ schwer oder gar nicht zugänglich ist, da sie aus unterschiedlichen Gründen nur über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen. Deshalb gibt es „Leichte Sprache“, mit deren Hilfe der Zugang zu Texten vereinfacht und verbessert werden soll. Der Spaß am Lesen Verlag hat nun Good Bye, Lenin! nach dem Bestsellerfilm von Wolfgang Becker in „Leichter Sprache“ herausgebracht, erhältlich ist das Buch bei einfachebuecher.de. Zudem wird auch eine Leseprobe zur Verfügung gestellt. Eine Kurzvorstellung des Buches findet sich bei Hurraki.de.

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Das ist Die Erfindung: selbst beschenkt

Nachdem Frank Witzels mit dem Buchpreis ausgezeichneter Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 zum Zeitpunkt der Preisverleihung beziehungsweise der sich anschließenden Buchmesse bereits ausverkauft war, hat der Verlag nun nachgelegt und in dritter Auflage weitere 20.000 Stück drucken lassen. Hiervon hatte auch ich mir ein Exemplar vorbestellt, was zweierlei Gründe hat: Zum einen gehört meiner Meinung nach ein Buchpreis-Gewinner in eine gut sortierte private Bibliothek, zum anderen habe ich Witzel auf der Frankfurter Buchmesse im Gespräch beim Börsenverein erlebt, im Zuge dessen er kurze Passagen aus seinem Roman vorlas.

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über "Die Erfindung".

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über „Die Erfindung“.

Die textliche Vielseitigkeit im Zusammenspiel mit dem Wechsel aus Ernsthaftigkeit und Humor hatte mich auf Anhieb gepackt, zudem war mir die Rezension beim Deutschlandfunk noch präsent: „Dieser Roman ist eine Zumutung. Ein Ungetüm. Ein Abenteuer. Eine Frechheit. Eine Verwirrung. Vor allem aber ein fulminantes Stück Literatur, das aus einem engen Wirklichkeitsausschnitt eine Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik herauspräpariert.“ („Fulminantes Stück Literatur“)

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Fotorückblick zur Frankfurter Buchmesse

Insgesamt rund 270.000 Besucher kamen zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse – und das Programm dürfte niemanden enttäuscht haben. Hier gibt es einen kleinen Fotorückblick von meinen Höhepunkten der #fbm15.

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über „Die Erfindung“.

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Zwei Tage #fbm15 – bei diesen Veranstaltungen sollte man dabei sein

Am Samstag und Sonntag sind die Publikumstage auf der Frankfurter Buchmesse. Gesprächsrunden, Lesungen, Signierstunden und Screenings: Das dargebotene Programm mit über 3.500 Veranstaltungen ist wieder äußerst abwechslungsreich – und umfangreich. Meine Planungen für den Wochenendablauf haben mehrere Stunden gedauert, schließlich möchte man nach Möglichkeit nichts verpassen. Doch ich musste erkennen: Alles geht nicht. Deshalb habe ich mir einen Plan im Halbstundentakt zusammengestellt. Falls ihr ein paar Inspirationen braucht oder keine Lust habt, euch einen eigenen ausführlichen Zeitplan zusammenzustellen, hier meine Planung für die Buchmesse Weiterlesen

#fbm15

Nachdem gestern der Deutsche Buchpreis an Frank Witzel für Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 verliehen wurde, ist heute die Frankfurter Buchmesse offiziell eröffnet worden. Bei der Auftaktpressekonferenz sendete Salman Rushdie einen „flammenden Appell für Meinungsfreiheit“ (Frankfurter Rundschau) in die Welt. Die Vorbereitung auf meinen eigenen Messebesuch läuft derzeit auf Hochtouren, deshalb habe ich wesentliche Infos und ein paar Neuigkeiten zur #fbm15 zusammengestellt. Weiterlesen

Flüchtlinge werden sichtbar – das muss ausgezeichnet werden

Erpenbeck Buchpreis Knaus VerlagWie sichtbar ist Leid, wenn der Blick hierfür nicht geschärft ist? Dieser Frage geht Jenny Erpenbeck mit ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“ nach. Die Schriftstellerin gilt als Favoritin auf den Deutschen Buchpreis, der heute Abend verliehen wird – zu Recht. Im Vorlauf auf die Bekanntgabe des Preisträgers wurde der Roman durchaus kritisch betrachtet, er wirke überholt (Deutschlandradio Kultur), vieles sei falsch an dem Roman („kein einziger Antisemit, kein einziger Gewalttäter, keiner, der übergriffig wird, vielleicht einer, der stiehlt“, WELT). Doch selbst, wenn der Roman womöglich nicht ganz zu Ende gedacht ist, gebührt ihm der Buchpreis – vielleicht nicht zwingend dem Roman selbst, aber zumindest Thematik, die – trotz aller übertriebener Empathie von Erpenbecks Hauptfigur Richard mit den Flüchtlingen – weiterhin im Blickfeld bleiben muss. Weiterlesen

Rückblende

Presseschau: Ein kurzer Abriss der letzten Tage.

Buchpreis Buchmesse Shortlist

(c) Petra Gass / Börsenverein

„Hunde- und Menschenleben: Deutscher Buchpreis: Die sechs Nominierten stellen sich in Frankfurt vor: Jenny Erpenbeck, Rolf Lappert, Monique Schwitter, Frank Witzel, Inger-Maria Mahlke und Ulrich Peltzer.“ (Frankfurter Rundschau)

„‚Ruhm wird unglaublich überschätzt‘: Der Journalist und Schriftsteller David Lagercrantz spricht in unserem Interview über seine Fortsetzung der Millennium-Trilogie, Umgang mit Kritik und die Liebe zu Lisbeth Salander.“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

„So schön ist es, gehasst zu werden: Die Unterhaltungsschriftstellerin Jennifer Weiner streitet öffentlich mit Kritikerliebling Jonathan Franzen. Schade, dass die deutschen Autoren sich das nicht trauen.“ Weiterlesen

Favoriten

Peltzer Erpenbeck Buchpreis Buchmesse

Ulrich Peltzer – „Das bessere Leben“ | Jenny Erpenbeck – „Gehen, ging, gegangen“

Letzte Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse: Heute habe ich meine beiden persönlichen Favoriten auf den Buchpreis 2015, ausgewählt anhand der verfügbaren Leseproben, erworben: Jenny Erpenbecks Gehen, ging, gegangen sowie Ulrich Peltzers Das bessere Leben. Weiterlesen