Lesekreise sind das neue „Must Do“

Rückblende: Presseschau 28. Juli bis 6. August

Amazon Leseflatrate kindle unlimited Presseschau Buecherblog BuecherherbstFür manche ist es ein wahrgewordener Traum, für andere das Ende des gedruckten Buches: Onlinehändler Amazon bietet mit Kindle Unlimited eine digitale Leseflatrate mit mehr als einer Million E-Books und hunderten Hörbüchern. Das Problem für Leser und Autoren stellt Adrian Lobe bei ZEIT Online heraus: „Amazon hat einen bizarren Kosmos geschaffen, in dem Patent-Trolling und Nonsensliteratur ihre Blüten treiben.“ (ZEIT Online) Drastischer äußerte sich Mark Coker, Gründer und CEO von Smashwords, insbesondere über die Möglichkeit des unkontrollierten Selfpublishing: „It’s a cancer. It’s going to undermine the entire Publishing industry.“ (The Atlantic) Jetzt muss ein stärker forcierter digitaler Buchmarkt mit einigen „niederschwelligen“ Angeboten nicht per se Teufelswerk sein, trotzdem muss man sich fragen, ob dies im Sinne von Lesern und vor allem im Sinne der Verlage ist, die hier einem stärker werdenden Unterbietungswettbewerb ausgesetzt sind.

Buecher Buchclub Presseschau Buecherblog BuecherherbstEigentlich galten Lesekreise lange Jahre als aus der Mode gekommen, nur etwas für gesellige Teerunden, die viel Zeit für’s Lesen aufbringen können und gerne über Gelesenes plaudern möchten. Doch inzwischen bilden sich in immer mehr Städten neue Lesekreise – und das ist nicht nur etwas für ältere Semester oder nerdige Germanistikstudenten. Welt-Redakteurin Hannah Lühmann stellte unlängst fest, dass „Intellekt oder jedenfalls seine Behauptung […] accessoiretauglich geworden“ sei (Warum weibliche Megastars jetzt Buchclubs gründen). Denn auch immer mehr Stars vereinen ihr Lesevergnügen in gemeinsamen Runden, diese scheine „das neue ‚Must Do‘ in der Welt der Stars zu sein“. Zumindest lässt sich feststellen: Es ist ausnahmsweise ein wirklich nachahmenswerter, wohltuender Trend.

Weitere Themen der vergangenen Tage:

„Freshta Karim hat in Oxford studiert. Trotz aller Gefahren ist die junge Afghanin in ihre Heimat zurückgekehrt – und fährt nun mit einem Bus voller Bücher durch die Straßen Kabuls.“ (Süddeutsche Zeitung)

„Der Verlag verkauft es als Sensation, und das ist es auch: Ein deutscher Zeichner darf einen frankobelgischen Comic-Klassiker fortsetzen. Zu Besuch bei Flix, der „Spirou in Berlin“ gezeichnet hat.“ (Welt Online)

Weiterlesen

Advertisements

Zu wenig kulturelle Vielfalt in Kinderbüchern

Rückblende: Presseschau 20. bis 27. Juli

Kinderbuch pixabay buchblog buecherherbstEs ist ein erschreckendes Ergebnis, zu dem britische Forscher nun kamen: Diversität kommt in Kinderbüchern so gut wie gar nicht vor. Das Center for Literacy in Primary Education (CLPE) führte die Studie Reflecting Realities durch und untersuchte 9.115 im Jahr 2017 erschienene Kinderbücher darauf, ob und wie sie kulturelle Vielfalt repräsentieren (Quelle: CLPE). Dabei kam heraus, dass in gerade einmal vier Prozent der Bücher (391) eine Figur einer ethnischen Minderheit angehört. In nur einem Prozent war dies die Hauptfigur. „Vergleichbare Zahlen für den deutschsprachigen Buchmarkt gibt es nicht“, erklärte Barbara Jakob, Fachreferentin beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM). Den Befund, dass es in Kinderbüchern wenig kulturelle Vielfalt gebe, könne sie aber aus ihrer Sicht klar bestätigen (SRF). Ein besorgniserregendes Fazit zog CLPE Programme Leader Farrah Serroukh: „[If] children do not see their realities reflected back at them, the impact can be tremendously damaging.“

Weitere Themen der vergangenen Tage:

„‚Ohne euch ist Italien verloren‘: Der Schriftsteller Roberto Saviano prangert das Schweigen in seinem Land an und appelliert an Italiens Intellektuelle, gegen die Angriffe auf Demokratie und Bürgerrechte aufzustehen.“ (Gastbeitrag in Süddeutsche Zeitung)

Mailand gilt als Heimat der italienischen Aufklärung. Später als Hort glänzender Literaten wie Alessandro Manzoni oder Umberto Eco und Sitz bedeutender, linker Verlage wie Feltrinelli.“ (Deutschlandfunk Kultur)

„Sie schrieb Jugendbuchklassiker wie Wir pfeifen auf den Gurkenkönig und die Gretchen Sackmeier-Reihe: Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben.“ (Spiegel Online)

Weiterlesen

Kein Literaturnobelpreis 2018?

Rückblende: Presseschau 16. bis 29. April

Buchhandlung Oesterreich Preistraeger buecherherbst buecherblog pixabay

Auszeichnung I: Seit kurzem können sich Inhaber unabhängiger Buchhandlungen um den Deutschen Buchhandlungspreis 2018 bewerben. „Wir laden [die unabhängigen Buchhändlerinnen und Buchhändler in Deutschland] ein, Flagge zu zeigen für das Buch als Kulturgut und für die inhabergeführte Buchhandlung vor Ort“, so Kulturstaatsministerin Monika Grütters. „Denn was wäre die Welt ohne Bücher? Mit diesem Preis will die Bundesregierung den wertvollen Beitrag sichtbar machen, den Buchhändlerinnen und Buchhändler für die kulturelle Vielfalt überall in Deutschland leisten – ob in der Großstadt oder in den ländlichen Regionen.“ (Bundesregierung)

buechersammlung-literatur-nobelpreis-bücherherbst bücherblogAuszeichnung II: Der Literaturnobelpreis ist die höchste Ehre, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller erlangen können – zumindest galt dies bislang. Doch nun erschüttert das Bekanntwerden einer Reihe von sexuellen Übergriffen die Schwedische Akademie, die den Preis vergibt. „Nach den jüngsten Rücktritten ist sie nicht mehr handlungsfähig“, konstatiert das Handelsblatt („Sexuelle Übergriffe, Rücktritte, Protest“). Inzwischen wird bereits darüber nachgedacht, den Literaturnobelpreis in diesem Jahr gar nicht zu vergeben. Dies geschah zuletzt zwischen 1940 und 1943, als Nazideutschland den Kontinent mit einem Weltkrieg in Schutt und Asche legte und Millionen Menschen sterben mussten („Akademie erwägt, auf Vergabe des Literaturnobelpreises zu verzichten“). Derweil werden weitere Details bekannt („Auch Kronprinzessin Victoria soll sexuell belästigt worden sein“) und die Regeln für die Aufstellung des Gremiums wurden angepasst („König ändert Regeln der Schwedischen Akademie“).

Lesepreis Lesen Oma Kinder pixabay buecherherbst buecherblog rueckblende presseschauAuszeichnung III: Aktuell läuft die Bewerbungsphase für den Deutschen Lesepreis 2018. Teilnehmen können „Personen und Einrichtungen, die sich für die Leseförderung stark machen“. Eingereicht werden können die Projekte bis 30. Juni unter www.deutscher-lesepreis.de. Der Deutsche Lesepreis wird erstmalig in sechs Kategorien verliehen und ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. (Ausschreibung Deutscher Lesepreis 2018)

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Run & Ride for Reading: NRW-Innenminister Herbert Reul, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Henning Krautmacher von den Höhnern und viele weitere prominente Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft waren anlässlich der Eröffnung des 100. Leseclubs im Köln-Bonner Raum in die Katharina-Henoth-Gesamtschule gekommen.“ (Rheinische Anzeigenblätter)

Weiterlesen

„Menschenrechte enden an keiner Grenze“

Rückblende: Presseschau 26. März bis 8. April

Tagung-Verlegen-Projekt-Rueckblende Presseschau Buecherherbst Buecherblog Indieverlage

© Tonhalle Düsseldorf / Susanne Diesner Fotografie

Mehr als 60 Independent-Verleger kamen kürzlich auf Einladung der Kunststiftung NRW zu einer Arbeitstagung „Verlegen als künstlerisches Projekt?“ zusammen. Das Treffen endete mit einer gemeinsamen Veröffentlichung: der Düsseldorfer Erklärung unabhängiger Verlage, die unter anderem in ihrer Präambel festhält, dass „die unabhängigen Verlage […] die künstlerische und thematische Vielfalt unserer kulturellen Landschaft zur Stärkung der Weltoffenheit, Demokratie und Vielheit unserer Gesellschaft“ gewährleisten. Ziel sei es gewesen, „den beteiligten Verlagen ein Diskussionsforum zu bieten, um über ihre aktuelle Lage, ihre Bedeutung für das kulturelle Leben und existenzsichernde Maßnahmen zu sprechen“. (Kunststiftung NRW)

Buchhandlung Oesterreich Preistraeger buecherherbst buecherblog pixabay

Buchhandlungen sind ein Ort der Ruhe (Symbolbild)

Sie sind ein wohliger, gemütlicher Rückzugsort für alle Buchliebhaber: die Buchhandlungen vor Ort. In Österreich wurden nun die fünf besten des Landes ausgezeichnet. „Mit modernen Ideen und persönlichem Profil“ seien sie „kundenorientierte Konzepte auch in Zeiten von internationalen Internetriesen“, begründete die Jury. Die Preisträger sind: Buchhandlung Alex in Linz, Hartliebs Bücher in Wien, Buchhandlung Leporello in Wien, Buchhandlung Plautz in Gleisdorf sowie Liber Wiederin in Innsbruck. (Hauptverband des Österreichischen Buchhandels)

Der kleine Prinz Antoine de Saint Exupery Geburtstag Buecherherbst BuecherblogDer kleine Prinz wird 75: Man sollte viel häufiger diese tiefsinnige, wundervolle Geschichte lesen – es ist stets der richtige Moment, um nochmals das Buch aus dem Regal zu nehmen. Dabei sollte man kurz über das Wunder und den Sinn des Seins sowie die Bedeutung in der heutigen Zeit nachdenken (Das Eigentliche ist unsichtbar). „Unikate im Tessiner Dialekt, Ausgaben mit Blindenschrift oder ein Buch mit Widmung Che Guevaras: In Lausanne befindet sich die grösste Sammlung zum Klassiker Der kleine Prinz.“ (SRF)

Weitere Themen der vergangenen Tage:

„Der Autor und Jugendkulturforscher Klaus Farin hat mit einer Gruppe überwiegend Berliner Schriftsteller eine Petition gegen die Erklärung 2018 gestartet. ‚Die Menschenrechte enden an keiner Grenze dieser Welt‘, heißt es darin.“ (Ch. Links Blog)

Hannah Arendts Essay Die Freiheit, frei zu sein aus den Sechzigern ist seit Wochen in den Bestsellerlisten. Warum eigentlich? Und was sagt das über uns? Ein Gespräch mit dem Philosophen Thomas Meyer.“ (FAZ)

Weiterlesen

Ist das Meinungsfreiheit oder kann das weg?

Rückblende: Presseschau 18. bis 25. März

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Messehalle

Die „literarische Vielfalt Portugals in Leipzig zu präsentieren“ ist das Ziel der Leipziger Buchmesse 2021. Im Rahmen der lbm18 wurde bekannt gegeben, dass Portugal in drei Jahren Gastland sein wird. „Die portugiesische Sprache ist eine globale Sprache, die von über 200 Millionen Menschen gesprochen wird. Sie ist global als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel, als Sprache der Schöpfung und Kultur, als Sprache der Wissenschaft und Diplomatie. Es ist die Sprache, in der sich Literaturen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika ausdrücken. Aus diesem Grund ist für uns die regelmäßige Teilnahme an den großen Buchmessen beste Gelegenheit zur Verbreitung und Bekanntmachung von Poesie, Fiktion, Theater und Essay in portugiesischer Sprache“, erklärte Portugals Außenminister Augusto Santos Silva. (Leipziger Buchmesse)

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Tag2 freewords

Wann fällt eine Äußerung noch unter Meinungsfreiheit, wann ist sie schlichtweg rassistisch? Suhrkamp-Autor Uwe Tellkamp hatte im Rahmen einer Podiumsdiskussion geäußert, dass „über 95 Prozent“ der Flüchtlinge nach Deutschland kämen, „um in die Sozialsysteme einzuwandern“. Die Aussage ist faktisch falsch. Und sie ist diffamierend und fremdenfeindlich. Zugleich unterschrieb Tellkamp eine Erklärung 2018, die unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit Hass gegen Migranten schürt. Nachdem sich bereits sein Verlag distanzierte, hat sich auch der Verband deutscher Schriftsteller positioniert: „Die Art und Weise, wie die Erklärung 2018 die Schuld allein den Migranten in die Schuhe schiebt, ist unterkomplex und einer intellektuellen Auseinandersetzung nicht angemessen“, kritisierte die Vorsitzende Eva Leipprand. (Verdi)

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Ransmayr

Christoph Ransmayr

Besondere Nominierung: Mit Jenny Erpenbeck (Gehen. Ging. Gegangen) und Christoph Ransmayr (Der fliegende Berg) stehen zwei deutschsprachige Autoren auf der Longlist zum Man Booker International Prize 2018, dem Preis für Übersetzungen ins Englische. „It’s one which introduces a wealth of talent, a variety of forms and some writers little known in English before. It has great writing and translating energy and we hope readers take as much pleasure in discovering the work as we did“, sagte Jury-Vorsitzende Lisa Appignanesi zur Longlist. Die sechs Bücher umfassende Shortlist wird am 12. April vorgestellt, der Gewinner am 22. Mai verkündet. (The Man Booker Prize)

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Der Publikumspreis Liberaturpreis des Vereins litprom zeichnet jährlich einen besonders beliebten Titel einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt aus. Das diesjährige Voting beginnt am 23. Mai. Das sind die nominierten Autorinnen 2018 und ihre Werke. (Litprom)

Weiterlesen

Winterwunderwelt Buchmesse

Fotorückblick zur #lbm18

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Messehalle

Messehalle im Winter

Entgegen der ursprünglichen Voraussage eines neues Rekords kamen zur diesjährigen Leipziger Buchmesse knapp fünf Prozent weniger Besucher – was sicherlich zuvorderst am Wintereinbruch zum Messewochenende lag. Insgesamt wurden 271.000 Bücherfreunde auf dem Messegelände (197.000) sowie bei Veranstaltungen von Leipzig liest im gesamten Stadtgebiet gezählt. Trotzdem zogen die Veranstalter ein positives Fazit, insbesondere aufgrund der gewachsenen Debattenkultur und der vielen interessanten Diskussionen. „Das geschriebene und gesprochene Wort entfaltete seine ganze Kraft zur Leipziger Buchmesse, die sich auch in Zeiten hitziger politische Debatten und kontroversen Diskussion als Hort des friedlichen Diskurses und der Meinungsfreiheit zeigte“, erklärte Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe (Abschlussbericht: Die einzigartige Kraft der Worte).

Drei Tage lang war ich auf dem Messegelände unterwegs (Außergewöhnliche Lyrik), habe spannende politische Diskurse mit progressiven Zukunftsideen (Durch und durch politisch) ebenso gesehen wie interessante Berichte von Autoren zur Entstehung ihrer Bücher (Kinsky, Schlögel, Stöhr und Durkat ausgezeichnet) oder ihren außergewöhnlichen Reisen bis in den Orient für die Recherche. Eine Auswahl meiner #lbm18-Fotos findet ihr in der folgenden Galerie:

Weiterlesen

Gastland, Jury und Nominierte bekanntgegeben

Literarische Rückblende (5. bis 11. Februar)

Frankfurter Buchmesse fbm18 fbm23 Italien Franceschini BookFair

Screenshot via Twitter

Weit im Voraus geplant: Die Frankfurter Buchmesse hat bekannt gegeben, dass Italien das Gastland der Buchmesse 2023 wird – zuletzt war Italien dies 1988 unter dem Motto Italienisches Tagebuch. Der italienische Kulturminister Dario Franceschini und Buchmesse-Geschäftsführer Juergen Boos unterzeichneten am Montag den Vertrag. Franceschini twitterte, dass es „eine große Anerkennung“ sei für die italienischen Verlage. Diesjähriges Gastland der fbm18 ist Georgien, es folgen Norwegen (2019), Kanada (2020) und Spanien (2021).

Jury Deutscher Buchpreis fbm18 Buchmesse dbp18 cafehaussitzer

Screenshot via Boersenblatt.net

Neue Perspektiven: Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2018 wurde vorgestellt – und ein für alle Buchblogger bekanntes Gesicht ist Teil der sieben Literaturexperten: Uwe Kalkowski, Gewinner des Buchblog-Awards 2017 und bekannt durch seinen Blog Kaffeehaussitzer. Neben ihm in der Jury vertreten sind Christoph Bartmann (Leiter Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (stellvertretende Leiterin von aspekte), Tanja Graf (Leiterin Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Christine Lötscher (freie Kritikerin) und Marianne Sax (Inhaberin des Bücherladen Marianne Sax).

wehrmacht bruecke gregor dorfmeister buecherherbst buecherblog

Klassiker und internationaler Erfolg: Gregor Dorfmeister ist im Alter von 88 Jahren gestorben. In seinem Debütroman, dem Antikriegsroman Die Brücke (1958), schilderte der Autor unter dem Pseudonym Manfred Gregor den sinnlosen Volkssturm-Einsatz einer Gruppe von sieben Sechzehnjährigen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine Brücke gegen die heranrückenden Amerikaner verteidigen sollen. Das Buch erhielt internationale Beachtung und wurde ein Jahr später verfilmt. 2008 erschien eine weitere Neuverfilmung. Dorfmeisters weitere Werke sind Das Urteil (1960) und Die Straße (1961).

Preis Leipziger Buchmesse plbm_18 Nominierte buecherherbst buecherblog

(c) Leipziger Messe

Preisverdächtig: In gut einem Monat findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Nun wurden die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 bekannt gegeben, der am 15. März in der Glashalle vergeben wird: Isabel Fargo Cole – Die grüne Grenze, Anja Kampmann – Wie hoch die Wasser steigen, Esther Kinsky – Hain. Geländeroman, Georg Klein – Miakro, Matthias Senkel – Dunkle Zahlen (alle Kategorie Belletristik); Martin Geck – Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum, Gerd Koenen – Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus, Andreas Reckwitz – Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Bernd Roeck – Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, Karl Schlögel – Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt (Sachbuch/Essayistik); Robin Detje übersetzte aus dem Amerikanischen Buch der Zahlen von Joshua Cohen, Olga Radetzkaja übersetzte aus dem Russischen Sentimentale Reise von Viktor Schklowskij, Sabine Stöhr und Juri Durkot übersetzten aus dem Ukrainischen Internat von Serhij Zhadan, Michael Walter übersetzte aus dem Englischen die Werksausgabe in drei Bänden von Laurence Sterne, Ernest Wichner übersetzte aus dem Rumänischen Oxenberg und Bernstein von Catalin Mihuleac.

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Book Shopper in Italien – Zwei Literaturkennerinnen beraten Leser: Sie haben ihre Liebe zur Literatur in eine Geschäftsidee verwandelt. Zwei Freundinnen aus dem norditalienischen Padua bieten die persönliche Buch-Beratung – mithilfe einer von ihnen entwickelten App.“ (Deutschlandfunk Kultur)

„Gesichter aus der Mimikfabrik: Mangas sind auch nur Comics – oder? Ein skeptischer Selbstversuch zum ersten Todestag des Alt- und Großmeisters Jiro Taniguchi.“ (Spiegel Online)

„Unabhängige Verlage kämpfen um ihre Existenz: Unabhängige Verlage haben es auf dem Markt zusehends schwer. Das bedroht auch die Vielfalt der deutschen Literaturszene.“ (Handelsblatt)

Weiterlesen

Lesemarathon für Buchpreis-Jury

Presseschau

lbm18 Leipzig liest Buchmesse Rückblende Bücherherbst BücherblogWelch eine riesige Auswahl: Insgesamt 403 Bewerbungen aus 143 Verlagen wurden für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 eingereicht. Jetzt gilt es für die siebenköpfige Jury unter der Leitung von Kristina Maidt-Zinke: lesen, lesen, lesen. „Neben der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Strömungen gibt es zahlreiche Bücher zu historischen Themen, die jedoch die Brücke ins Heute schlagen. Ebenfalls bemerkenswert: In der Kategorie Übersetzung haben wir wieder mehrere Werke aus dem Chinesischen, diesmal vor allem Lyrik“, erklärt Maidt-Zinke (Leipziger Buchmesse).

In den vergangenen Wochen wurden neben dem Deutschen Buchpreis im Rahmen der Frankfurter Buchmesse für Robert Menasses Die Hauptstadt auch noch zahlreiche weitere Buchpreise vergeben: Bereits zum zweiten Mal erhielt Jesmyn Ward den National Book Award, einen der wichtigsten US-Buchpreise, für ihren Roman Sing, Unburied, Sing (Spiegel Online). Zum 25. Mal wurde der Open Mike vergeben, der wichtigste Preis für junge Literatur (ZEIT Online). Der spanische Cervantes-Literaturpreis geht an den nicaraguanische Schriftsteller, Menschenrechtler und Ex-Politiker Sergio Ramírez für sein Lebenswerk (Der Tagesspiegel). Im Rahmen der Buch Wien erhielt Eva Menasse zum zweiten Mal den Österreichischen Buchpreis (Der Standard). Franzobel und Andreas Reckwitz sind mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet worden (München.de). Der Bremer Literaturpreis 2018 geht an Thomas Lehr für Schlafende Sonne, den Förderpreis erhält Laura Freudenthaler für ihr Romandebüt Die Königin schweigt (Pressestelle des Bremer Senats). Für sein Buch Die Rückkehr über die Suche nach dem verschollenen Vater ist Hisham Matar mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2017 ausgezeichnet worden (3sat). Am 24. November bekommt Schriftsteller Ilija Trojanow den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln 2017 überreicht, da er sich als „kompromissloser Kritiker des Überwachungsstaats“ profiliert habe und zugleich als „rastloser Helfer für verfolgte und exilierte Schriftsteller“ (Stadt Köln). Petra Morsbach hat den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim erhalten (Süddeutsche Zeitung). Die Stadt Hannover hat Juan S. Guse mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover für seinen Debütroman Lärm und Wälder ausgezeichnet (T-Online).

Jonas Lüscher hat für sein Werk Kraft den Schweizer Buchpreis gewonnen (Tages Anzeiger). Für einen kleinen Eklat hat in diesem Rahmen der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss gesorgt: Er forderte die Abschaffung des Schweizer Buchpreises, da er die Veranstaltung zum zehnten Jubiläum „unwürdig“ fand und zugleich die Unabhängigkeit der Jury anzweifelt (Süddeutsche Zeitung).

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

goethe-faust-buecherherbst-buecherblog reclam rueckblendeReclam-Hefte: Die Universal-Bibliothek wird 150 Jahre alt. Zum Geburtstag zeigt eine Ausstellung, wie die gelben Heftchen die Klassikerlektüre verändert haben.“ (Süddeutsche Zeitung)

Weiterlesen

Fotorückblick zur Frankfurter Buchmesse 2017

fbm17 Buchmesse buecherherbst buecherblog dbp17 gastland frankreich außenbereichDie Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2017 sind gemischt: Einerseits waren es wieder außergewöhnliche Tage, geprägt von beeindruckenden Autoren, anregenden Lesungen und teils bemerkenswerten Gesprächen. Andererseits hallt das Geschehen vom Buchmessesamstag nach: Nazis durften ihre menschenverachtende Ideologie darbieten, greifen Menschen an, beleidigen und pöbeln. Ist das diese „Meinungsfreiheit“, von der die Veranstalter sprechen? Rassismus und Extremismus sind keine Meinung. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels sollte sich diese Haltung für die fbm18 nochmals gut überlegen. Deshalb wird es an dieser Stelle von mir keinen ausführlichen Messebericht geben, ich möchte folgend mit einer Fotogalerie ein Bild meiner (positiven) Eindrücke entwerfen.

Hier meine Impressionen von der fbm17 in der Fotorückschau:

Weiterlesen

Viel literarisches Programm im Bücherherbst

litCologne Spezial Programm buecherherbst buecherblogSalman Rushdie, Donna Leon, Sven Regener und viele namhafte Autoren mehr – das gerade vorgestellte Programm der lit.Cologne Spezial kann sich sehen. Passend zum beginnenden Bücherherbst findet vom 3. bis 15. Oktober die siebte Auflage in der selbsternannten „Literatur-Hauptstadt“ Köln statt. Das vollständige Programm findet sich hier: lit.Cologne Spezial 2017.

litruhr Literaturfestival Ruhrgebiet buecherherbst buecherblogEbenfalls Anfang Oktober gibt’s im Ruhrgebiet eine literarische Premiere: Die erste lit.RUHR präsentiert vom 4. bis 8. Oktober in 82 Veranstaltungen deutsche und internationale Größen wie Nick Hornby, Zadie Smith, Martin Suter und Heinz Strunk. Zeitgleich wird mit der lit.kid.RUHR auch ein Programm mit spannenden Texten, Neuerscheinungen und zeitlosen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur geboten.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Sellner, Kubitschek und Pirinçci auf der [Frankfurter] Buchmesse: Der umstrittene Antaios-Verlag ist bei der Buchmesse vertreten und bietet der europäischen Rechten eine Bühne. Es dürfte ein Schaulaufen der Rechten werden.“ (Frankfurter Rundschau)

Weiterlesen

Heiße Phase im Rennen um die Buchpreise hat begonnen

dbp17 Jury Christina Weiss buecherherbst buecherblog buchpreis

Die dbp17-Jury: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker (v.l.). (c) Christina Weiß

In den vergangenen Tagen ging das Rennen um verschiedene Buchpreise in die heiße Phase. Zunächst wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 mit noch zwanzig verbliebenen Titeln bekannt gegeben. Jetzt liegt es an der Jury, hieraus die sechsbuchige Shortlist herauszupellen – und alle Leser dürfen spekulieren und über die Nominierungen diskutieren. „Während Juroren im Verborgenen um den besten Roman ringen, redet das Publikum am Spielfeldrand mit: besserwisserisch, kenntnisreich und leidenschaftlich“, kommentierte die Neue Zürcher Zeitung. Wer sich einen Eindruck von Autoren und Büchern des #dbp17 machen möchte, kann dies bei mehreren Blind-Date-Lesungen, die in der kommenden Woche starten. Einen Überblick zu den Terminen findet man hier: Literarische Blind Dates. Verliehen wird der Deutsche Buchpreis am 9. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

Wilhelm Raabe Literaturpreis buecherherbst bucherblogDarüber hinaus wurde kürzlich auch die Shortlist für den Wilhelm Raabe Literaturpreis verkündet – eine äußerst bedeutende, aber oftmals sehr im Schatten des großen Buchpreises stehende Auszeichnung, vergeben von Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig. Interessanterweise gibt es gleich zwei Überschneidungen zwischen Wilhelm Raabe Literaturpreis sowie Deutschem Buchpreis: Jonas Lüscher (Kraft) und Ingo Schulze (Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst) stehen auf beiden Listen, was zumindest für die Qualität der Bücher spricht, aber nicht unbedingt eine Auszeichnung garantiert.

Hotlist unabhängige Verlage Buecherherbst buecherblogVorgestern endete zudem die Abstimmungsphase für die Hotlist, den Publikumspreis für die unabhängigen Verlage. Im September wird die endgültige Zusammenstellung veröffentlicht. Die drei Bücher mit den meisten Stimmen der Onlineabstimmung sind sicher dabei, sieben weitere Bücher werden durch die Jury bestimmt.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Der österreichische Literat Franzobel (50), mit bürgerlichem Namen Franz Stefan Griebl, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis 2017 des Landes Niedersachsen.“ (3sat)

„Literatur als Deko-Soap: Wer sich heute durch Buchblogs und soziale Medien klickt, trifft auf ein bestimmtes Verhältnis zur Literatur: Wohlfühlen und Kitsch.“ (ZEIT Online)

Weiterlesen

„Werke von Autorinnen noch stark unterrepräsentiert“

Liberaturpreis Nominierung Abstimmung weibliche Literatur Buecherherbst Buecherblog LitpromUnter all den zahlreichen monatlichen Neuerscheinungen gibt es immer wieder einige herausragende Bücher, die viel zu wenig Beachtung erfahren. Deshalb lohnt auch ein Blick über den Tellerrand hinaus.

Laksmi Pamunjak Liberaturpreis fbm16

Die im Vorjahr ausgezeichnete Laksmi Pamunjak.

So vergibt litprom alljährlich den LiBeraturpreis, der Titel von Autorinnen aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt auszeichnet. „Zugrunde liegt die Tatsache, dass Übersetzungen aktueller Werke von Autorinnen aus den entsprechenden Ländern auf dem deutschen Buchmarkt immer noch stark unterrepräsentiert sind und weiblichen Stimmen nach wie vor eine deutlich geringere mediale Aufmerksamkeit zukommt“, stellt der Verein heraus. Im vergangenen Jahr gewann Laksmi Pamuntjak mit Alle Farben Rot die angesehene Auszeichnung.

Noch bis zum 31. Mai läuft die Abstimmungsrunde für diesen Publikumspreis, der ebenfalls im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verliehen wird. Insgesamt sind zehn Autorinnen in diesem Jahr nominiert. Ein Blick auf die Nominierten zeichnet ein spannendes, abwechslungsreiches Themenbild von Autorinnen jenseits des Mainstreams – einfach mal reinschauen: LiBeraturpreis 2017.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Der Kölner Kulturrat vergibt in diesem Jahr wieder die Auszeichnung Kulturereignis des Jahres. Der Preisträger wurde in der Vergangenheit jeweils durch eine Bevölkerungsumfrage ermittelt […]. Da die lit.COLOGNE aber jedes Mal mit großem Abstand gewinnt, wurde das Festival zunächst nur alle 3 Jahre zugelassen – und nun ganz von der Nominierung ausgeschlossen.“ (lit.Cologne)

Weiterlesen

Cosplayer-Debatte: Nicht die Bunten sind eine Gefahr, sondern die Braunen!

Leipziger Buchmesse 2017 lbm17 Buecherherbst Buecherblog

Nachdenklich, kreativ, vielseitig, innovativ, konservativ, progressiv, träge, krawallig, rasant, umarmend, europäisch, weltoffen und verbindend – das alles (und sicherlich noch vieles mehr) ist die Leipziger Buchmesse. Zusammengefasst: bunt. Manchem allerdings anscheinend zu bunt. Zumindest legt dies die Bilanz von Literaturredakteur Carsten Otte beim SWR nahe („Kein Ort für nackte Hasen„), der kritisiert, dass das „heterogene Konzept zwischen Buchmesse und Messefasching“ nicht mehr funktioniere. „Literarische und politische Diskussionen, emphatische Appelle für die Meinungsfreiheit, berührende Wortmeldungen von Schriftstellern, die unter Zensur und Zumutungen von diktatorischen Regimen zu leiden haben, passen nicht zum Klamauk und kulturindustriellen Hokuspokus der parallel stattfindenden Manga-Convention.“

So wurde im Anschluss an die Messe nicht über die vielen interessanten Veranstaltungen diskutiert, sondern einzig darüber, ob die bunte Welt der Cosplayer vereinbar sei mit den aufrüttelnden, politischen Beiträgen im Programm der Buchmesse. Besonders störte Otte sich daran, dass „Teenies vor den Fotoapparaten zumeist mittelalter Herren viel Bein und viel Brust zeigen, […und] minderjährige Cosplayer Gefallen an pornographischen Posen finden“. Dies würde zum „Hohn auf den Rest der Messe“.

Vielleicht mag es für manche Besucher dringenden Redebedarf geben, wie „nackt“ minderjährige Menschen herumlaufen „dürfen“. Zunächst einmal: In all den Jahren, in denen ich zu einer der beiden großen Buchmessen gehe, habe ich viel Bewunderung für die Kreativität und den Mut der Cosplayer (ja, ich würde es mich nicht trauen, mich so außergewöhnlich zu verkleiden) übrig gehabt, aber mich nie an der vermeintlichen Nacktheit gestört – vielleicht war mein Blick zu ignorant. Ein interessanter Nebenaspekt des SWR-Artikels ist die Bebilderung: Journalistisch würde man hier von einer klassischen Text-Bild-Schere sprechen. Denn auf keinem der drei verwendeten Fotos ist eine Person zu sehen, die annähernd nackt ist. Außer, nicht bedeckte Arme oder ein nicht bedeckter Rücken gelten inzwischen als „nackt“.

Völlig fehl am Platz ist jedoch die Behauptung, diese bunte Welt sei ein Hohn für die ernsthaften Themen. Denn wer bei der Anfahrt zur Leipziger Buchmesse in den Straßenbahnen jüngeren oder auch älteren Cosplayern zugehört oder sich mit ihnen unterhalten hat, konnte feststellen, dass sie sich neben dem großen Meet & Greet auch ernsthaft über die wichtigen Aspekte der Buchmesse, also die Freiheit in Wort und Schrift, Gedanken machten. Eine kluge Erwiderung zu Ottes „Bilanz“ hat Margarete Stokowski auf Spiegel Online geschrieben („Auch nackte Hasen sind politisch„), in der sie zu dem Fazit kommt, dass es auch künftig so bleiben werde, „dass es einerseits um sehr ernste Dinge geht und irgendwo daneben Leute Glitzerperücken tragen und Selfies machen. Sie stehen auch für die Freiheit, über die wir reden.“ Übrigens haben sich sowohl Leipziger Buchmesse (Statement der Leipziger Buchmesse zum SWR-Beitrag „Kein Ort für nackte Hasen“ vom 27. März 2017) als auch Frankfurter Buchmesse eindeutig pro Cosplayer positioniert.

Wenn junge Menschen ausgefallen kostümiert über die Messe laufen, ist doch auch dies ein politisches Statement: Sie lassen sich nicht vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben – nicht von der Obrigkeit und nicht von der Spießigkeit. Ähnlich ist auch der neuzeitliche Karneval an der Rheinschiene entstanden und wird vielerorts noch heute für Kritik an den Herrschenden oder gesellschaftlichen Zuständen genutzt. Hier käme niemand auf die Idee, dass Verkleidete unpolitisch wären oder ihre Verkleidung (auch hier ist es mal mehr und mal weniger Verkleidung) ein Hohn auf die politische Botschaft und deren Ernsthaftigkeit sei.

Eine Frage, die sich mir beim Lesen von Ottes Cosplayer-Kritik viel mehr aufdrängte: Warum sucht er nicht nach den wirklich unpassenden Zuständen auf der Buchmesse? Denn nach wie vor ist beispielsweise der Compact-Verlag prominent und in Übergröße vertreten. Hierbei handelt es sich wahrlich nicht um einen „gesellschaftskritischen“ Verlag, sondern mindestens um einen rechtspopulistischen Verlag respektive ein rechtspopulistisches Magazin, das hier erscheint. Manche stufen die Veröffentlichungen gar eher als rechtsnationalistisch oder teils rassistisch ein, mit dem starken Hang zu Verschwörungstheorien.

Sind nicht viel mehr solche Stände und Verlage ein Hohn auf die anderen Messeauftritte, welche sich mit ihren politischen Statements für die Freiheit des Wortes und der Menschen einsetzen? Gerade das mit AfD und Pegida vernetzte Compact bekämpft doch mit allen Mitteln die Freiheit, insbesondere die Meinungs- und Pressefreiheit. So ist beim ZEIT Störungsmelder davon zu lesen, dass im Rahmen von Compact-Veranstaltungen Fotografen und Journalisten eingeschüchtert und zum Teil vom Compact-Mitarbeiter körperlich bedrängt wurden („Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse„). Der Autor schildert es eindringlich: „Zwei schwarz gekleidete Männer im Türsteherformat bedrängen ihn [Anm.: den Journalisten] und fordern das Löschen der Bilder. Als der Journalist auf die Pressezugehörigkeit verweist, seine Kamera schützt und wenige Schritte zurücktreten will, werden die nicht als Sicherheitspersonal gekennzeichneten Männer übergriffig: Sie nehmen den Fotografen in den Schwitzkasten, schlagen auf seine Kamera ein und zerren ihn aus einem Seiteneingang der Halle. Am Vortag spielten sich ähnliche Szenen ab: Am Rande einer anderen Diskussionsrunde des Magazins wurden zwei Journalisten vom Sicherheitspersonal des Standes bedrängt. Einer der Fotografen brach die Arbeit eingeschüchtert ab, ein anderer wurde minutenlang durch die Halle verfolgt. Letztlich erklärte er sich bereit, dass Material zu löschen.“

Wer also – wie SWR-Redakteur Carsten Otte – die ernsthafte Diskussion um gesellschaftlich relevante Themen im Rahmen einer Buchmesse in Gefahr sieht, sollte die wahren Gefährder benennen, nämliche jene, die Rede- und Meinungsfreiheit am liebsten abschaffen und möglichst viele Hilfe suchende Menschen wieder ausweisen würden. Nicht die durchaus politisch interessierten und bunt verkleideten Jugendlichen sind eine Gefahr für den Diskurs oder die Buchmesse im Allgemeinen, sondern die Braunen, die eine Buchmesse lediglich als Plattform sehen, um gegen die Freiheit zu agitieren.

Mein Fotorückblick auf die #lbm17

Buchmesse Leipzig lbm17 Buecherherbst BuecherblogSpannende (politische) Debatten, aufwändige Messestände, farbenfrohe Besucher und eine interessante Auswahl an Siegertiteln zum Preis der Leipziger Buchmesse – die #lbm17 hatte wieder ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Insgesamt 208.000 Besucher kamen in die Messehallen, weitere 77.000 schauten sich Veranstaltungen von Leipzig liest außerhalb der Messe an.

An drei Tagen war ich auf dem Messegelände unterwegs, habe teils bewegende Diskussionen und Berichte von Autoren – insbesondere jener aus den Kriegsgebieten, die in Deutschland (zumindest zeitweise) eine neue Heimat gefunden haben – gehört und viele Fotos gemacht. Eine Auswahl meiner #lbm17-Fotos findet ihr in der folgenden Galerie:

„Breites Spektrum“ an Werken zum Preis der Leipziger Buchmesse

Preis der Leipziger Buchmesse lbm17 pdlbm17 Buecherherbst Buecherblog Presseschau RueckblendeIn etwas mehr als vier Wochen eröffnet die Leipziger Buchmesse mit dem Lesefestival Leipzig liest wieder ihre Pforten. Gespannt warten alle Bücherfreunde, aber vor allem Autoren und Verlage auf den Auftakt: Am 23. März (16 Uhr) wird nämlich zunächst der Preis der Leipziger Buchmesse 2017 vergeben. 365 Werke wurden für die Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie Übersetzung eingereicht, vergangene Woche wurden die Nominierten bekannt gegeben: Lukas Bärfuss – Hagard (Wallstein Verlag), Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen (Klett-Cotta), Steffen Popp – 118 (Kookbooks), Anne Weber – Kirio (S. Fischer) und Natascha Wodin – Sie kam aus Mariupol (Rowohlt) [alle Belletristik]; Leonhard Horowski – Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts (Rowohlt), Klaus Reichert – Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen (S. Fischer), Jörg Später – Siegfried Kracauer. Eine Biographie (Suhrkamp), Barbara Stollberg-Rilinger – Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit (C.H.Beck) und Volker Weiß – Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes (Klett-Cotta) [alle Sachbuch/Essayistik]; Holger Fock, Sabine Müller übersetzten aus dem Französischen Kompass von Mathias Énard (Hanser Berlin), Gregor Hens übersetzte aus dem Englischen Shark von Will Self (Hoffmann und Campe), Gabriele Leupold übersetzte aus dem Russischen Die Baugrube von Andrej Platonow (Suhrkamp), Eva Lüdi Kong übersetzte aus dem Chinesischen Die Reise in den Westen (Reclam) und Petra Strien übersetzte aus dem Spanischen Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda von Miguel de Cervantes (Die Andere Bibliothek) [alle Übersetzung]. Die ausführlichen Begründungen zu den einzelnen Nominierungen finden sich hier: Nominierungen 2017.

Als durchaus anspruchsvoll werden die Werke in der Kategorie Belletristik angesehen. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, spricht gegenüber der ZEIT von einer „kühnen Liste“ (Jury stellt »kühne Liste« für Leipziger Buchpreis zusammen). Da die Jury zum Preis der #lbm17 nicht auf Romane beschränkt ist, hebt Spiegel Online das erneut „breite Spektrum“ in der Auswahl hervor: „Vom Gedichtband über einen Verfolgungsroman bis zu einer Erinnerung an die eigene Mutter“ (Brigitte Kronauer ist unter den Nominierten). Einen „kleinen Extrajubel“ ist es der Frankfurter Rundschau wert, „dass sich Brigitte Kronauers großer Roman Der Scheik von Aachen (im Herbst bei Klett-Cotta erschienen) unter den Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse findet. Solche Listen, denkt man sich, sollen für Entdeckungen gut sein, aber auch das zu schnelle Wieder-Verschwinden der wesentlichen Titel einer Saison unterlaufen“ (Scheik und Kaiserin).

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Text ist nicht alles: Finden wir die Literatur der Zukunft mit einer klobigen Bildschirmbrille auf der Nase, die uns bewegte Bilder vorspielt, während wir Texte lesen und hören?“ (Deutschlandradio Kultur)

Weiterlesen

Kann man erlernen, Literatur zu schreiben?

„Wenn man Kunst akademisch lehren kann, dann gilt das gleiche ohne Frage auch für die Literatur“, ist NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (Quelle: Land NRW) anlässlich der Einführung eines neuen Studiengangs an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) überzeugt. Hier wird ab kommendem Wintersemester 2017/18 der Studiengang Literarisches Schreiben angeboten. Damit können sowohl Schriftsteller als auch angehende Autoren künftig also zumindest einen wissenschaftlichen Abschluss erlangen, der ihnen bescheinigt, dass sie in der Lage sind, Literatur zu verfassen. Ob hieraus auch gute Literatur entsteht, bleibt eine vage Hoffnung für die Zukunft – ganz ohne Talent wird es aber wohl weiterhin nicht gehen.

ulrich_peltzer frankfurter buchmesse 2015 fbm Buecherherbst Buecherblog Rueckblende Gastprofessur Presseschau

Ulrich Peltzer übernimmt die erste Gastprofessur des neuen Studiengangs. (c) Lesekreis (Own work) [CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons]

navid_kermani frankfurter buchmesse 2015 fbm Buecherherbst Buecherblog Presseschau Rueckblende KHM

Navid Kermani. (c) Lesekreis (Own work) [CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons]

Besonderer Anreiz dieses Studiengangs ist sicherlich durchaus, dass die Studierenden ihre Semester nicht lediglich an der Hochschule abspulen, sondern teils eine längere Zeit auf dem Gelände der Burg Hülshoff verbringen – dem Geburtshaus von Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. „Durch ihre Residenzphasen auf Burg Hülshoff erhalten die Studierenden die Möglichkeit, sich an einem literarisch geprägten Ort individuell auf ihre künstlerische Karriere vorzubereiten“, erläuterte Kulturministerin Christina Kampmann. „Burg Hülshoff wiederum wird von dem neuen Veranstaltungsangebot profitieren. Das bietet auch die Chance, sich zu einem neuen literarischen Zentrum des Landes zu entwickeln.“

Zugleich konnten renommierte Schriftsteller für das Literaturstudium gewonnen werden: Ulrich Peltzer, mehrfacher Literaturpreisträger, unter anderem für seinen Roman Das bessere Leben, übernimmt die erste Gastprofessur. Und Friedenspreisträger Navid Kermani ist begleitender Berater für den Aufbau des Studiengangs.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Der europäische Landbote: Martin Schulz verkaufte vor seiner politischen Karriere Bücher. 2013 sprach er in seinem alten Laden in Würselen mit dem Freitag über Scheinriesen und große Erzählungen.“ (der Freitag)

Weiterlesen

Ganz New York liest das gleiche Buch

New York Lesezirkel Buecherherbst Buecherblog Presseschau Rueckblende

New York. (c) Michael Klapsing/pixelio.de

Vielleicht mag man denken, Büchertreffen oder ähnliche literarische Zusammenkünfte sind vollkommen antiquiert in der heutigen digitalen Welt. Wofür muss man sich begegnen, wenn man über Bücher sprechen möchte? Dies ginge doch ebenso über Twitter, Facebook oder andere Foren – was ohnehin häufig so praktiziert wird. Doch das Verlangen nach zwischenmenschlichem, persönlichem Kontakt steigt wieder in der Gesellschaft. Immer häufiger verabreden sich Menschen (über die sozialen Netzwerke), um gemeinsam zu lesen, Bücher zu tauschen oder über Bücher zu sprechen.

Ein gigantisches Projekt dieser Art soll jetzt in New York arrangiert werden: Unter dem Titel One Book, One New York (Eine Stadt als Lesekreis / Spiegel Online) sollen die Bürger der Millionenmetropole alle das gleiche Buch lesen und anschließend bei öffentlichen Veranstaltungen darüber diskutieren. Aktuell läuft die Abstimmungsphase, welches Buch gemeinsam gelesen werden, ab 1. März startet dann die Lesephase. Zur Auswahl stehen Ein Baum wächst in Brooklyn von Betty Smith, Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie, Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao von Junot Díaz, Zwischen mir und der Welt von Ta-Nehisi Coates und The Sellout von Paul Beatty. Man darf also einerseits gespannt sein, welches der Bücher gewählt wird, und andererseits, ob die Idee dieses Mega-Lesekreises auch wirklich funktioniert.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

Weiterlesen

Barack Obama: „Als Kind liebte ich es, zu lesen“

president barack obama Interview Süddeutsche SZ Buecherherbst Buecherblog Presseschau

Barack Hussein Obama (c) Official White House Photo by Pete Souza (P120612PS-0463 (direct link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

In der vergangenen Woche endete die Amtszeit von Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten. Man kann womöglich unterschiedlicher Meinung über sein politisches Erbe sein, doch mit der Amtsübernahme durch Donald Trump wird überdeutlich, welch außergewöhnliche Persönlichkeit Obama war – und welch gebildeter Mensch (insbesondere im Vergleich zu Dumpfpopulist Trump). Der Literaturkritikerin Michiko Kakutani von der New York Times gab der scheidende US-Präsident ein letztes Interview (President Obama on What Books Mean to Him), über sein Amt und über Literatur, und wie er oft haderte und dass „ihm die Literatur dann aus seinen Zweifeln heraushalf“ (Süddeutsche Zeitung). Außerdem erzählt er bewegend von seiner Kindheit: „Als Kind liebte ich es, zu lesen. Zum Teil, weil ich so viel unterwegs war. Es gab Zeiten, da war ich ein Außenseiter. Als ich nach Indonesien kam, war ich dieses große, dunkelhäutige Kind, das irgendwie auffiel. Als ich dann von Indonesien zurück nach Hawaii zog, hatte ich wahrscheinlich die Umgangsformen und Gewohnheiten eines indonesischen Kindes. Die Vorstellung also, dass es Welten gibt, die man mitnehmen kann, die einem selbst gehören, in die man einsteigen kann, fand ich aufregend.“ (Das vollständige Interview gibt es bei SZ Plus: Was lesen Sie, Mr. President?)

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

Literarisches Quartett ZDF Biller Westermann Weidermann Buecherherbst Buecherblog Presseschau

(c) ZDF / Jule Roehr

„Was bleibt vom Literarischen Quartett? Maxim Biller steigt aus dem Literarischen Quartett aus, dieser vor knapp anderthalb Jahren begonnenen Wiederbelebung der unter Marcel Reich-Ranicki legendär gewordenen Kritikerrunde im ZDF.“ (NDR)

Weiterlesen

„Schicksalhafte Verstrickungen“ | Rezensionen im Feuilleton

neapel kueste rezension ferrante boyle buecherherbst buecherblog presseschau

Die neapolitanische Küste von Sorrent. (c) joakant/pixelio.de

In der vergangenen Woche sind mit T.C. Boyles Die Terranauten sowie Elena Ferrantes Die Geschichte eines neuen Namens gleich zwei Spitzentitel bereits früh im Jahr erschienen. Gerade Boyle hat in Deutschland eine riesige Fangemeinde, die das neue Buch bereits groß und breit abfeiert. In den Rezensionen des Feuilletons wird das Werk hingegen gemischt bewertet. So moniert die Frankfurter Rundschau, dass es erst spät rund geht, „zuvor windet sich das Geschehen erwartbar und zuweilen langwierig durch die Simulation einer zweiten Erde“ (Schwanger unter Glas). Viel Kritik übt Der Tagesspiegel an den Charakteren: „Boyles Figuren bleiben eindimensional, bekommen kaum Tiefe oder machen eine nachvollziehbare psychologische Entwicklung durch“ (Geht viel rein, kommt nichts raus); und sieht darin einen „langatmig-verschwatzten Roman“. Wesentlich positiver bewertet der NDR Die Terranauten: „Eine schillernde bitter-komische Komödie. Ein typischer T.C. Boyle“ (Öko-Experiment mit unerwarteten Komplikationen), wobei insbesondere der zweite Satz als großes Kompliment zu werten ist.

Den zweiten von vier Teilen ihrer Neapolitanischen Saga hat Elena Ferrante mit Die Geschichte eines neuen Namens nun in Deutschland vorgelegt. Die Deutsche Welle sieht darin einen „Bildungsroman, der von den Schwierigkeiten des sozialen Aufstiegs genauso erzählt wie von den weiblichen Lebensbedingungen im Italien des 20. Jahrhunderts“ (Elena Ferrantes sehnsüchtig erwarteter Fortsetzungsroman ist da). Und auch die Stuttgarter Zeitung jubelt über ein „vielschichtiges, raffiniert gebautes Werk, das in feinen Details und Nebenhandlungen der vordergründigen Erzählung ein getreues Bild der italienischen Zeit- und Sozialgeschichte spiegelt“ (Gespenster der Vergangenheit). Die Frankfurter Rundschau schließt sich der Jubelarie an: Es liege ein „mit überraschenden Wendungen und schicksalhaften Verstrickungen gesättigten Plot“ vor, über „Liebe, Lügen, Leidenschaften“ (Trivial ist hier rein gar nichts).

Hier noch eine Auswahl an weiteren Rezensionen der vergangenen Tage:

Elbphilharmonie Bürgeroper Hermann Rauhe Rezension Presseschau Buecherherbst Buecherblog„Am 11. Januar [wurde] sie eröffnet, die Hamburger Elbphilharmonie. Mit ihr, so schrieb der Hamburger Senat, sollen nicht nur neue musikalische Maßstäbe gesetzt werden. Die Elbphilharmonie baue auch auf eine lange Musiktradition und eine vielfältige Musikszene in Hamburg auf. Wie groß diese Tradition ist, das kann man in Hermann Rauhes wunderbarem Werk Die Musikstadt Hamburg und ihr neues Wahrzeichen nachlesen – unser NDR Buch des Monats.“ (NDR)

Weiterlesen

Rechte der Autoren stärken

bundestag rueckblende buecherherbst buecherblog presseschau vgwort urheberrecht

(c) Q.pictures/pixelio.de

Lange war es gängige Praxis, dass Verlage an der von der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) ausgeschütteten Urheberpauschale, mit der im Wortsinn die Urheber eines Textes honoriert werden sollen, partizipiert haben. Im April urteilte der Bundesgerichtshof diesbezüglich, dass die Urheberpauschale einzig den Autoren zustehe – die Verlage gehen folglich leer aus. Urheber sind also nur die, die zu Stift und Papier greifen und den Text schreiben.

Jetzt wird ein weiteres Kapitel eröffnet im Kampf um das Urheberrecht: Diese Woche (Donnerstag, 15. Dezember, etwa 21 Uhr) berät der Deutsche Bundestag über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur „verbesserten Durchsetzung des Anspruchs der Urheber und ausübenden Künstler auf angemessene Vergütung“ (Gesetzesentwurf). Ziel des Gesetzgebers sei, „freiberufliche Künstler und Autoren, die bei Honorarverhandlungen oft am kürzeren Hebel sitzen, in ihrer Rechtsstellung gegenüber den Verwertern ihrer Werke, wie Verlegern und Filmproduzenten, [zu] stärken.“ (Deutscher Bundestag) Wichtigstes Resümee: Deutsche Verlage sollen weiter an den Einnahmen der VG Wort beteiligt werden. (ZEIT Online)

Zugleich sollen urheberrechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, die Studenten, Lehrenden, Lernenden und Wissenschaftlern den Zugang zu Wissenschafts- und Bildungsmaterialien erschweren, denn der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass die bisherige pauschale Zahlung für digitale Semesterapparate nicht gerechtfertigt sei. Hintergrund ist, dass Hochschulen bislang sämtliche Werke nutzen durften, da die Bundesländer eine Pauschale hierfür an die VG Wort zahlten. Der Vertrag wurde allerdings nicht verlängert. Forderung der VG Wort ist, dass die Hochschulen für jede Nutzung eines einzelnen Textes zahlen sollen. (General-Anzeiger) Dies führt beispielsweise dazu, dass Dozenten Texte nicht mehr digital zur Verfügung stellen und Studenten nun wieder unzählige Stunden mit Kopiererei verbringen dürfen.

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

Weiterlesen