Niemand entkommt – sechs Tage Anarchie

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Los Angeles. (c) futurama1979/pixelio.de

„Hat sich die Lage in Watts seit den letzten Aufständen nicht verbessert?“ Unweigerlich denkt man bei dieser Frage an die Ausschreitungen der vergangenen Jahre in den USA, oftmals ausgelöst durch willkürlich erscheinende Morde weißer Polizisten an schwarzen US-Bürgern. Der amerikanische Ort, an dem dies stattgefunden hat, ist eigentlich beliebig austauschbar. Die Frage bleibt dabei stets die gleiche – und häufig leider auch die Antwort: „Irgendwie hat sich nicht viel verändert. Man findet dort immer noch die Besitzlosen, die Verlierer, die Verbrecher, die Verzweifelten […].“ Mit diesem Zitat aus der New York Times beginnt Ryan Gattis seinen Thriller In den Straßen die Wut, der die sechs Tage andauernden schweren Unruhen in Los Angeles 1992 erzählt, die ausgelöst wurden durch einen Freispruch für mehrere Polizeibeamte, nachdem sie den Bürger Rodney King durch „übertriebene Gewaltanwendung“ überwältigten. Das Besondere: Das Zitat beschreibt nicht den Bürgerkrieg von 1992, sondern stammt von 1966. Es zeigt, es hat sich wirklich nicht viel verändert in der amerikanischen Gesellschaft, weder nach 1966, noch nach 1992, noch nach den letzten Ausschreitungen aufgrund von Polizeiwillkür in den USA. Deshalb ist Gattis‘ Roman zugleich ein (teilfiktives) Zeugnis der damaligen Situation, als auch eine Mahnung an die heutige Gesellschaft.

In den Straßen die Wut Ryan Gattis Thriller rowohlt Buecherherbst Buecherblog Rezension

(c) rowohlt

Bereits der Einstieg in den Roman ist an Brutalität kaum zu überbieten und lässt keine Fragen offen, in welche extreme Szenerie der Autor den Leser entführt: Ernesto Vera ist ein unbescholtener, hart arbeitender Bürger, der auf dem Heimweg von seiner Arbeit ist und die Hoffnung auf ein besseres Leben hegt. Er möchte Koch werden, um dem Elend der Unterschicht Los Angeles‘ zu entkommen. Doch in Zeiten der Unruhe ist das bisherige Verhalten keine Variable im Spiel der Gewalt („Es gibt keine Regeln mehr. Keine. Nicht in dieser Lage, bei diesen Ausschreitungen.“) und er wird zum als willkürlich erscheinenden Opfer einer marodierenden Gang – doch alle Charaktere sind irgendwie miteinander verstrickt, so dass im Laufe der Geschichte deutlich wird, wie berechnend die Wahl des Opfers war.

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„Schicksalhafte Verstrickungen“ | Rezensionen im Feuilleton

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Die neapolitanische Küste von Sorrent. (c) joakant/pixelio.de

In der vergangenen Woche sind mit T.C. Boyles Die Terranauten sowie Elena Ferrantes Die Geschichte eines neuen Namens gleich zwei Spitzentitel bereits früh im Jahr erschienen. Gerade Boyle hat in Deutschland eine riesige Fangemeinde, die das neue Buch bereits groß und breit abfeiert. In den Rezensionen des Feuilletons wird das Werk hingegen gemischt bewertet. So moniert die Frankfurter Rundschau, dass es erst spät rund geht, „zuvor windet sich das Geschehen erwartbar und zuweilen langwierig durch die Simulation einer zweiten Erde“ (Schwanger unter Glas). Viel Kritik übt Der Tagesspiegel an den Charakteren: „Boyles Figuren bleiben eindimensional, bekommen kaum Tiefe oder machen eine nachvollziehbare psychologische Entwicklung durch“ (Geht viel rein, kommt nichts raus); und sieht darin einen „langatmig-verschwatzten Roman“. Wesentlich positiver bewertet der NDR Die Terranauten: „Eine schillernde bitter-komische Komödie. Ein typischer T.C. Boyle“ (Öko-Experiment mit unerwarteten Komplikationen), wobei insbesondere der zweite Satz als großes Kompliment zu werten ist.

Den zweiten von vier Teilen ihrer Neapolitanischen Saga hat Elena Ferrante mit Die Geschichte eines neuen Namens nun in Deutschland vorgelegt. Die Deutsche Welle sieht darin einen „Bildungsroman, der von den Schwierigkeiten des sozialen Aufstiegs genauso erzählt wie von den weiblichen Lebensbedingungen im Italien des 20. Jahrhunderts“ (Elena Ferrantes sehnsüchtig erwarteter Fortsetzungsroman ist da). Und auch die Stuttgarter Zeitung jubelt über ein „vielschichtiges, raffiniert gebautes Werk, das in feinen Details und Nebenhandlungen der vordergründigen Erzählung ein getreues Bild der italienischen Zeit- und Sozialgeschichte spiegelt“ (Gespenster der Vergangenheit). Die Frankfurter Rundschau schließt sich der Jubelarie an: Es liege ein „mit überraschenden Wendungen und schicksalhaften Verstrickungen gesättigten Plot“ vor, über „Liebe, Lügen, Leidenschaften“ (Trivial ist hier rein gar nichts).

Hier noch eine Auswahl an weiteren Rezensionen der vergangenen Tage:

Elbphilharmonie Bürgeroper Hermann Rauhe Rezension Presseschau Buecherherbst Buecherblog„Am 11. Januar [wurde] sie eröffnet, die Hamburger Elbphilharmonie. Mit ihr, so schrieb der Hamburger Senat, sollen nicht nur neue musikalische Maßstäbe gesetzt werden. Die Elbphilharmonie baue auch auf eine lange Musiktradition und eine vielfältige Musikszene in Hamburg auf. Wie groß diese Tradition ist, das kann man in Hermann Rauhes wunderbarem Werk Die Musikstadt Hamburg und ihr neues Wahrzeichen nachlesen – unser NDR Buch des Monats.“ (NDR)

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Die literarische Hölle gibt es

Viele Leser, Feuilletonisten und Branchenkenner vermuteten, dass Martin Walser mit Ein sterbender Mann (Der letzte Ausweg) bereits seinen literarischen Abschied verkündet hatte. Doch der Autor schien noch nicht die Ruhe für diesen neuen Lebensabschnitt gefunden zu haben und setzte sich unmittelbar nach der Veröffentlichung daran, seinem literarischen Lebenswerk ein weiteres Kapitel (dieses Mal vielleicht das letzte?) hinzuzufügen: „Nach einem Buch weiß man ja nie genau, was man tun soll. Und diesmal hat sich der Satz angeboten: »Mir geht es ein bisschen zu gut.« Das konnte ich dann so hinschreiben. Damit fing es an“, beschreibt er in einem Interview („Ich werde nie mehr solch eine Schreibfreude haben“) den Beginn des neuen Werkes. Herausgekommen ist Statt etwas oder Der letzte Rank, ein „Roman einer Selbstbefreiung“ (ebd.). Leider muss man konstatieren: Er hätte doch besser die Vermutungen bestätigt und Schluss gemacht mit dem Schreiben.

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„Schwer erträgliche Walser-Prosa“ | Rezensionen im Feuilleton

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(c) angieconscious/pixelio.de

Ich lasse mich normalerweise nur geringfügig von feuilletonistischen Rezensionen beeinflussen, wenn ich einmal entschieden habe, ein Buch zu lesen. Doch manchmal sollte man besser darauf hören – auch wenn es in diesem Fall zu spät gewesen wäre, da ich das Buch schon gekauft hatte: „Schwer erträglich“ sei diese „kokett-narzisstische Walser-Prosa“, urteilte Spiegel Online über Martin Walsers neuen Roman Statt etwas oder Der letzte Rank, der der erste Titel auf meiner neuen Wunschliste war. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, muss ich korrigieren: Es ist unerträglich. Wer etwas besser vorbereitet seine Neuerwerbungen planen möchte, hier eine Auswahl an Rezensionen der vergangenen Tage:

TC Boyle Die Terranauten Hanser Buecherherbst Buecherblog Neuerscheinungen Verlagsvorschau

(c) Hanser

„Öko-Experiment mit unerwarteten Komplikationen: Seine Romane América oder Willkommen in Wellville sind Pflichtlektüre in den Schulen der USA. T.C. Boyle ist mittlerweile ein Klassiker und einer der fleißigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur. In Deutschland hat er besonders viele Fans. Jetzt hat Boyle seinen 16. Roman geschrieben: Die Terranauten.“ (NDR)

„Die Marmelade aus dem Jahr 1944: Die Schriftstellerin Beate Teresa Hanika erzählt [in Das Marillenmädchen] über den Holocaust und von den Versuchen der Erinnerung.“ (Frankfurter Rundschau)

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Meine Wunschliste zum Jahresbeginn

Neuerscheinungen Büchervorschau Verlagsvorschau Buecherherbst BuecherblogNeues Jahr, neue Wünsche: Nachdem ich ausführlich die Verlagsvorschauen der kommenden Monate nach interessanten Neuerscheinungen durchstöbert hatte (Mehr Übersicht bei den Vorschauen), habe ich nun meine neue Bücher-Wunschliste zusammengestellt. Dabei startet das Jahr bereits mit einigen Krachern: Im Januar werden neue Bücher von Martin Walser, T.C. Boyle, Barack Obama sowie Umberto Eco veröffentlicht. Diese Größen der Literatur möchte ich natürlich nicht verpassen, genauso wenig wie die Bücher von beispielsweise Roberto Bolano, Marcel Beyer oder Haruki Murakami, die allesamt noch bis Mitte April erscheinen.

Flüchtlingsliteratur Buechervorschau Neuerscheinungen Buecherherbst Buecherblog refugeeswelcome

(c) IESM / pixelio.de

Doch darüber hinaus freue ich mich auch ganz besonders auf spannende, teils vielleicht vollkommen unbekannte Autoren, die neue Perspektiven eröffnen und in unbekannte Welten entführen. Hierbei habe ich mich entschieden, hauptsächlich ein Thema besonders in den Fokus zu nehmen: „Flüchtlingsliteratur“, also Literatur über Flucht, Einwanderung, über die neue Heimat oder das Fremdsein in dem Land, in dem man lebt und aufgewachsen ist. Einen elementaren Beitrag hierzu haben im vergangenen Jahr bereits Navid Kermani (Einbruch der Wirklichkeit) sowie Michael Köhlmeier (Das Mädchen mit dem Fingerhut) geleistet. Diese beiden Bücher haben mich dermaßen beeindruckt, dass ich in diesem Jahr hieran anschließen und mich zumindest literarisch ein wenig mehr in die Welt der Menschen, die sich auf der Flucht oder auf der Suche nach Heimat befinden, hineinversetzen möchte.

Da es abseits dieses umfassenden, (stets) aktuellen Themenkomplexes auch noch viele weitere Neuerscheinungen zum Jahresbeginn gibt, habe ich meine Wunschliste dahingehend erweitert, dass ich weitere lesenswerte Bücher aufgenommen habe (grün markiert), diese aber nur dann erwerbe, falls sich die zeitliche Gelegenheit ergibt. [Anm. d. V.: Oder vielleicht kaufe ich sie auf jeden Fall und lasse lediglich offen, wann ich sie lese…] Damit ich nicht zu viele Bücher kaufe, die am Ende auf dem SuB versauern, habe ich – mit einer großen (T.C. Boyle) und einer kleineren (Imbolo Mbue) Ausnahme – lediglich Bücher gewählt, die maximal 400 Seiten haben.

Jetzt möchte ich euch zunächst einen Überblick über die Bücher auf meiner Wunschliste (bis Mitte April) geben, die ich auf jeden Fall erwerben werde, folgend stelle ich dann die Bücher nochmals einzeln vor [Die vollständige Wunschliste habe ich euch hier als Dokument zusammengestellt: Bücher-Wunschliste Januar bis April]:

5. Januar: Martin Walser – Statt etwas oder Der letzte Rank (Rowohlt, 176 Seiten)
9. Januar: T.C. Boyle – Die Terranauten (Hanser, 608)
10. Januar: Barack Obama – »Worte müssen etwas bedeuten« (Suhrkamp, 200)
30. Januar: Fatma Aydemir – Ellbogen (Hanser, 272)
30. Januar: Umberto Eco – Pape Satan (Hanser, 208)
16. Februar: Imbolo Mbue – Das geträumte Land (KiWi Verlag, 420)
16. Februar: Tijan Sila – Tierchen unlimited (KiWi Verlag, 222)
24. Februar: Atiq Rahimi – Heimatballade (Ullstein, 200)
13. März: Roberto Bolano – Die romantischen Hunde (Hanser, 208)
16. März: Clemens Meyer – Die stillen Trabanten (S. Fischer, 288)
20. März: Andree Hesse – Der Diversant (Berlin Verlag, 240)
23. März: Emmanuelle Pirotte – Heute leben wir (S. Fischer, 288)
24. März: Heinz Strunk – Jürgen (HundertAugen, 220)
3. April: Emma-Jane Kirby – Der Optiker von Lampedusa (Berlin Verlag, 144)
5. April: Marcel Beyer – Das blindgeweinte Jahrhundert (Suhrkamp, 200)
5. April: Pietro Bartolo/Lidia Tilotta – An das Leid gewöhnt man sich nie (Suhrkamp, 180)
13. April: Haruki Murakami / Kat Menschik – Birthday Girl (DuMont, 80)

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Meine Lesehöhepunkte 2016

buecher 2016 buecherherbst buecherblog rueckschauZum Jahresende ist es auch stets an der Zeit, einen Rückblick auf die vergangenen Monate zu werfen. Höhepunkte waren sicherlich die beiden großen Buchmessen in Leipzig (Fotorückblick zur #lbm16) und Frankfurt (Fotorückblick zur #fbm16). Doch darüber hinaus gab es auch bei den Neuerscheinungen außergewöhnliche Entdeckungen – ich möchte deshalb nochmals meine sechs Bücher des Jahres 2016 vorstellen:

Navid Kermani – Einbruch der Wirklichkeit
Die Forderung nach einer geregelten Flüchtlingsaufnahme, nach Kontingenten und numerischer Obergrenze, ist stets leicht formuliert. Zuvorderst richtet sie sich an die regierenden Politiker. Doch zugleich wird indirekt von den Menschen, die auf der Flucht sind, verlangt, sich dem Verfahren zu fügen. Dabei wissen wohl nur die Wenigsten, welchen Weg und welches Leid die Flüchtlinge bislang ertragen mussten – und deshalb gerade nicht in unterversorgten, unhygienischen Camps verharren möchten, sondern auf der Suche nach einem sicheren, geregelten Leben in der Mitte des europäischen Kontinents sind. Navid Kermani wollte erfahren, wer diese Menschen sind, die vor dem Krieg fliehen und sich auf einen gefährlichen Treck quer durch Europa begeben.

Navid Kermani ist mit Einbruch der Wirklichkeit eine scharfsinnige Demonstration dieser unvorstellbaren menschlichen Dramen, die sich alltäglich auf den Fluchtwegen zwischen Syrien, Afghanistan oder dem Irak und Deutschland abspielen, gelungen. Mithilfe beeindruckender, eindringlicher und zugleich bedrückender Fotos wird das Grauen der Flucht nochmals ungeschönt unterstrichen.

melle-welt-im-ruecken rezension buecherherbst buecherblog fbm16 dbp16Thomas Melle – Die Welt im Rücken
Thomas Melles Offenheit mit der Krankheit ist bewundernswert, seine Darstellung ist beängstigend und verstörend wie das Flirren eines defekten Lichts im mit 300 km/h durch einen endlosen, dunklen Tunnel rasenden ICE. Innerlich hatte Melle schon Abschied genommen von seinem Leben, wie er offen eingesteht. Wenn der Teufel einmal die eigene Seele im Klammergriff hat, fühlt man sich wahrscheinlich wie im Brennofen der Hölle. Es ist dieses Grauen, das Melle mehrfach durchmachte. Nichts erscheint ihm mehr lebenswert. Man möchte ihm am liebsten zurufen: Halte durch, es geht vorbei.

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Buchtipps zum Weihnachtsfest

Buecherregal Weihnachten Buchtipps Buecherherbst BuecherblogSchon alle Weihnachtsgeschenke beisammen? Oder noch auf der Suche nach ein paar Ideen auf den letzten Drücker? In den Buchhandlungen vor Ort kann man teils noch am 24. Dezember Buchgeschenke ergattern. Und wer noch eine Inspiration braucht, erhält diese bei zahlreichen Buchtipps für Weihnachten.

Meine drei Toptipps des Jahres zum Verschenken sind Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut, Navid Kermanis Flüchtlingsreportage Einbruch der Wirklichkeit sowie eine faszinierende Geschichte über die Groteske der Arbeitswelt: Jonas Karlssons Das Zimmer.

Beim NDR sind die Vorschläge gar unterteilt in die Kategorien Bücher für Nostalgiker, Liebesromane (nicht nur) für Teenies, Buchtipps von NDR1 Welle Nord und Buchtipps von NDR90,3. Die empfohlenen Bücher sind unter anderem: Weiterlesen

Glaube an den amerikanischen Traum

Fante 1933 Rezension Buecherherbst Buecherblog

(c) Oliver Pfleiderer/pixelio.de

Das Amerika der 1930er Jahre war geprägt von der Weltwirtschaftskrise nach dem großen Börsencrash 1929 und von massenhafter Arbeitslosigkeit. Das Geld der meisten Bürger reichte nicht einmal bis zur Monatsmitte, weder für ausreichend Essen, noch für warme Kleidung im Winter. US-Präsident Franklin D. Roosevelt versuchte mit dem New Deal, einer Reihe von Wirtschafts- und Sozialreformen, Amerika wieder auf die Beine zu helfen. In dieser harten Zeit spielt 1933 war ein schlimmes Jahr von John Fante – eine fantastische Wiederentdeckung, die erst posthum veröffentlicht wurde.

Fante 1933 Aufbau Verlag Blumenbar Rezension Buecherherbst BuecherblogDer Roman handelt von dem 17-Jährigen Dominic Molise, dessen Familie aus Italien in die USA immigriert ist. Er wohnt gemeinsam mit seinen drei Geschwistern, seinen Eltern und seiner Großmutter in Roper, einer Kleinstadt in Colorado am Fuß der Rocky Mountains, in der vom Aufschwung allerdings noch nicht viel zu spüren ist. Dominics Großmutter Bettina ist nachhaltig verbittert angesichts des Desasters der Gesellschaft; seine Mutter hat sich widerspruchslos in ihre Rolle gefügt, ist sehr gläubig („Sie opferte sich für Gott, meinen Vater und ihre Kinder, und sie ging durchs Leben mit einer Dornenkrone auf dem Haupt und den Wundmalen Christi an den Händen und Füßen. Ihre Leiden waren unerträglich, man hätte sich gewünscht, sie würde nur einmal »Ach, Scheiße« sagen oder »Fick dich, Jasper« oder »Halt doch einfach mal die Fresse«.“); sein Vater ist ein arbeitsloser Maurer, der die Familie kaum ernähren kann und sich mit Billardspielen in versifften Kneipen über Wasser hält. Das Geld reicht kaum für einen wärmenden Mantel in diesem bitterkalten Winter 1933. Weiterlesen

Mehr Übersicht bei den Vorschauen

Leipziger Buchmesse lbm16 Lesen statt putzenKleckerweise sind in den letzten Tagen und Wochen die Verlagsvorschauen für das Frühjahr (und darüber hinaus) erschienen – es ist immer wieder eine Freude, eine Jagd nach seltenen Perlen. Und in den kommenden Monaten kommt ganz schön was auf alle Bücherfreunde zu, es sind einige illustre Namen dabei: Roberto Bolaño, Karl Ove Knausgård, Agatha Christie, John Grisham, Michael Köhlmeier, Nicholas Sparks, F. Scott Fitzgerald oder Umberto Eco.

Ich habe also meine Linkliste nochmals aktualisiert, und zugleich gemerkt, dass eine sinnvolle Übersicht der für mich interessanten Neuerscheinungen dringend vonnöten ist. Zumeist hatte ich mir bislang lediglich Autor, Titel und Erscheinungsdatum händisch aufgeschrieben. Damit sollte jetzt Schluss sein, deshalb habe ich mir einfach alle Bücher herausgeschrieben, mit Angabe von Verlag, Seitenzahl und Erscheinungsdatum (sortiert nach Erscheinungsdatum; ist nur der Monat angegeben, habe ich den 1. des Monats gewählt). Dies ermöglicht zugleich, bei weiteren neu hinzukommenden Verlagsvorschauen die Liste der Neuerscheinungen ohne viel Aufwand zu ergänzen. Vielleicht spare ich der einen oder anderen Person ja die Sucherei in den Vorschauen, deshalb möchte ich euch meine Liste natürlich nicht vorenthalten:
Neuerscheinungen Winter / Frühjahr 2016/17.

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Mehr Applaus für Absurdität

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(c) Thorben Wengert/pixelio.de

Auf ihrem Blog Sätze & Schätze hatte Birgit Böllinger kürzlich die Rubrik #MeinKlassiker gestartet, in der sie die Klassiker der Weltliteratur den Lesern ans Herz legen möchte, damit diese neu entdeckt werden. Ich durfte mich ebenfalls an diesem großartigen Projekt mit einem Beitrag beteiligen (Daniel Engel wartet auf Godot) und habe meinen Lieblingsklassiker vorgestellt, Samuel Becketts Warten auf Godot:

Ein einziges Mal war ich bisher im Theater. Ich wollte mich auf diese darstellende Kunstform einlassen, mit der ich fremdelte. Als der Vorhang zur Pause fiel, herrschte Stille – während ich zustimmendes Klatschen erwartete. Nach der Pause blieben einige Plätze frei, ein Teil des Publikums trat lieber den Heimweg an, als sich den zweiten Teil anzuschauen. Es ist wohl eine durchaus übliche Reaktion für Aufführungen von Samuel Becketts Warten auf Godot. Doch warum zählt dieses herausragende Werk sowohl auf der Bühne als auch als Buch zu den vielleicht am meisten verschmähten Klassikern? Das 1952 veröffentlichte Buch des Literaturnobelpreisträgers ist sein Opus magnum (1953 als Theaterstück uraufgeführt) und war nicht weniger als eine Revolution. Beckett prägte eine neue Gattung, das absurde Theater – und zugleich eine neue Gattung Leser und Theaterpublikum. Nach diesem Werk ist man nicht mehr der gleiche Rezipient. Allerdings gibt es sowohl die Leser, die hiernach die Schönheit der Sprache und des Absurden lieben, als auch jene, die noch weniger Zugang zu diesem komplexen Stoff finden.

Rein formal ist Warten auf Godot bloß eine Tragödie in zwei Akten. Die Sprache kommt laut Literatur- und Theaterkritiker Joachim Kaiser vordergründig als „banale Geschwätzigkeit, gelegentliche Witzelei, […] ein sentimentales ceterum censeo“ daher – und nichtsdestotrotz schließt er genau daraus die Genialität Becketts. Weiterlesen

„Nullkomfort und skurrile Begegnungen“

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(c) Dorothea Jacob/pixelio.de

Neue Woche, neue Bücher. Auf der Suche nach lesenswerten Neuerscheinungen habe ich wieder einmal die Rezensionen der vergangenen Tage durchblättert – meine Wunschliste wird einfach nicht kürzer. Falls ihr auch auf der Suche nach neuem Lesestoff seid, hier eine Auswahl an Rezensionen der vergangenen Tage:

„Jeder Mensch ist in einen Weltbürgerkrieg verwickelt. In seinem Buch Stasis geht der Philosoph Giorgio Agamben auf die Ursprünge von Bürgerkriegen ein – zurück bis in die Antike.“ (Deutschlandradio Kultur)

Rezensionen Buecherherbst Buecherblog Wigald Boning Pixelio

Wigald Boning (c) Helen Krüger (Own work) [CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons]

„Mehr als ein halbes Jahr, von August bis März, hat der bekannte TV-Entertainer Wigald Boning draußen im Zelt an allen möglichen Orten und Un-Orten übernachtet. Er hat sich dem Wetter, Nullkomfort und skurrilen Begegnungen ausgesetzt. Seine Abenteuer beschreibt er in dem Buch Im Zelt. Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen“ (NDR)

„Hier ist theoretischer Jargon Programm: Judith Butler zerbricht sich den Kopf über öffentliche Versammlungen und entdeckt eine Verkörpertheit des Volkes. Gibt es irgendjemanden, der das versteht?“ (Frankfurter Allgemeine) Weiterlesen

Rezensionen im Feuilleton

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(c) Lupo/pixelio.de

Jede Woche erscheinen zahlreiche neue Bücher. Sie alle zu kaufen, geschweige denn zu lesen, ist (eigentlich) unmöglich. Deshalb suche ich mir stets die für mein Leseinteresse spannendsten Neuerscheinungen aus den Vorschauen heraus und packe sie auf meine Wunschliste. Um einen groben Überblick und auch andere Einschätzungen zu erhalten, lese ich mir immer einige Rezensionen durch. Falls ihr auch auf der Suche nach neuem Lesestoff seid, hier eine
Auswahl an Rezensionen der vergangenen Tage:

Geister Nathan Hill Rezension Buecherherbst Buecherblog Piper

(c) Piper

„Gespenstisch nah an Amerikas Wirklichkeit: Geister von Nathan Hill, aus dem Englischen von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence“ (NDR)

„Von Leben, Tod und Fusselrollern: Don DeLillo wird am Sonntag 80 Jahre alt. Und ist noch immer auf der Höhe der Zeit, wie sein neuer Roman Null K eindrucksvoll zeigt.“ (Frankfurter Rundschau)

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Die Vorschauen durchstöbern

Bücherstapel Bücherherbst Vorschau 2016

(c) Lupo/pixelio.de

In der herbstlichen Zeit, wenn es früh dunkel oder den Tag über gar nicht erst hell wird, macht es besonders viel Spaß, in den Verlagsvorschauen nach Neuerscheinungen zu stöbern. Ich habe nun einmal die Liste der Verlagsvorschauen aktualisiert, so dass man nun bis zum Frühjahr 2017 suchen kann:

Atlantik Verlag

Aufbau Verlag

Berlin Verlag

Blanvalet

btb

C. Bertelsmann

Diogenes

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Der Fremde im eigenen Körper

melle-welt-im-ruecken-rezension-buecherherbst-buecherblog-fbm16-dbp16Wann ist ein Film oscarreif? Wann hat ein Kunstwerk das Praemium Imperiale verdient? Wann ist ein Buch buchpreiswürdig? Nicht zuletzt bei der Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylan wurde vortrefflich darüber gestritten, ob eine literarische Auszeichnung einem Musiker verliehen werden darf. Und auch nach der Bekanntgabe der Shortlist zum Deutschen Buchpreis gab es durchaus zahlreiche kritische Stimmen, dass einige der Werke nicht den Ansprüchen einer solchen Prämierung gerecht würden. So hat kürzlich Maxim Biller im Literarischen Quartett unter anderem auch Thomas Melles Werk Die Welt im Rücken als literarisch vollkommen wertlos dargestellt. In dem Buch finden sich sicherlich durchaus von der Literaturkritik zu beanstandende Elemente, beispielsweise, dass der Handlungsstrang nicht zwingend stringent ist, es womöglich nicht ganz so leicht ist, Zugang zum Erzähler zu erhalten, oder auch die fließende Grenze zwischen Roman und Sachbuch. Nichtsdestotrotz hat Die Welt im Rücken einen kaum zu ermessenden Wert: Der Autor setzt sich mit dem eigenen, für viele Menschen kaum begreiflichen und kaum bekannten Krankheitsbild der Bipolarität auseinander und holt die Krankheit sowie die Betroffenen aus einer dunklen Ecke, um die viele Menschen einen weiten Bogen machen. Er schneidet sich bei lebendigem Leib seine kranke Seele heraus und stellt sie in einem Schaufenster öffentlich aus. Für diesen mutigen Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit hat Thomas Melle den Deutschen Buchpreis verdient.

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Bittersüße Suche nach Liebe und Glück

thommie-bayer-seltene-affaeren-buecherherbst-buecherblog-rezension-piper-romanPeter Vorden betreibt im französischen Luxeuil-les-Bains gemeinsam mit George und Magali ein Restaurant, zumindest von Montag bis Donnerstag. Er ist finanziell unabhängig, weil er von seinem Stiefvater eine große Hinterlassenschaft geerbt hatte. Deshalb könnte er von Freitag bis Sonntag das Leben, das er in Deutschland verbringt, einfach genießen. Er könnte die Strapazen der Arbeitswelt hinter sich lassen. Doch er hilft stattdessen lieber seinem Zwillingsbruder Paul aus der Patsche. Dieser ist Schriftsteller, allerdings ein eher wenig erfolgreicher, da er kaum mit seiner Zeit und den Abgabeterminen zurecht kommt. Deshalb schreibt Peter Geschichten für ihn, erfolgreiche Geschichten („Mein richtiges Leben, das, in dem meine Fantasie und Erfahrung eine Rolle spielten, wartete am Wochenende auf mich.“). Thommie Bayer erzählt in seinem Roman Seltene Affären von zwei Menschen mit gleichen Interessen und gleicher Sozialisation, deren Lebensidee jedoch an einem Punkt im Leben auf einmal auseinander driftet und sie sich völlig unterschiedlich entwickeln: „Ich weiß nicht, wer von uns beiden zuerst die Idee hatte, Schriftsteller werden zu wollen, vielleicht Paul, vielleicht auch ich. Wir lasen, seit wir das konnten, ein Buch nach dem anderen. Wahllos und gierig. […] Und irgendwann fingen wir an, die Geschichten zu korrigieren, uns gegenseitig zu erklären, was wir anders gemacht hätten, was eigentlich hätte passieren müssen und wie man etwas besser hätte ausdrücken können. Paul blieb dabei, ich verzettelte mich, er schrieb und schrieb, und ich jobbte und reiste und kiffte und bildete mir ein, frei zu sein, weil ich wie ein Schaustellergehilfe lebte.“ Weiterlesen

Die finalen Sechs [Shortlist #dbp16]

buchpreis-dbp16-buecherherbst-buecherblog-collage-nominierte-coverDas sind sie also, die sechs Auserwählten für den Deutschen Buchpreis 2016: Philipp Winkler / Hool, Eva Schmidt / Ein langes Jahr, Thomas Melle / Die Welt im Rücken, André Kubiczek / Skizze eines Sommers, Bodo Kirchhoff / Widerfahrnis sowie Reinhard Kaiser-Mühlecker / Fremde Seele, dunkler Wald. Da bereits die Longlist für viele eine Liste der Überraschungen war, kommt die Shortlist nicht mehr ganz so verblüffend daher.Deutscher Buchpreis dbp16 fbm16 Buchmesse Buchblog Buecherherbst

Wie bereits bei der Bekanntgabe der Longlist (Die Nominierten), wird auf eine Bewertung der Shortlist verzichtet. Stattdessen möchte ich die Statistiken auf die reduzierte Auswahl an Büchern respektive Autoren übertragen.

Geschlecht
Im Vergleich zur Longlist hat sich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nochmals zu Ungunsten der Frauen verschoben: fünf Autoren (83 Prozent, Longlist: 70 Prozent), lediglich noch eine Autorin (17 Prozent).buchpreis-dbp16-buecherherbst-buecherblog-statistik-geschlecht

Alter der Autoren
Bemerkenswert in Bezug auf das Alter der Nominierten ist, dass mit Philipp Winkler und Reinhard Kaiser-Mühlecker gleich zwei von fünf zwischen 25 und 34 Jahren sind, während bei der Longlist noch die Altersklasse zwischen 55 und 64 Jahren (30 Prozent) klar führend war. Deutlicher wird es bei Betrachtung der Geburtsjahrzehnte: Hier ist der einzige Ausreißer, dass zwei Autoren in den 1980er Jahren (33 Prozent) geboren wurden, bei der Longlist führten die 1950er und 60er Jahre deutlich mit insgesamt 65 Prozent.buchpreis-dbp16-buecherherbst-buecherblog-statistik-alter-neu

 

Seitenanzahl
Zuletzt nochmals ein Blick auf den Seitenumfang. Außergewöhnlich finde ich, dass sich hierbei im Durchschnitt kaum etwas getan hat: Auf der Longlist hatten die Bücher eine durchschnittliche Seitenanzahl von 306,65, auf der Shortlist hat sich dies nur geringfügig minimiert auf durchschnittlich 297,66 Seiten. Die beiden Bücher der Longlist mit den Extremwerten, Michelle Steinbecks Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch (153 Seiten) sowie Arnold Stadlers Rauschzeit (552 Seiten) fallen hier aufgrund der Nichtberücksichtigung aus der Statistik. Ein „dicker Schinken“ ist somit ohnehin nicht dabei, so dass das umfangreichste Buch, André Kubiczeks Skizze eines Sommers, nicht einmal halb so viele Seiten hat wie der letztjährige Buchpreisgewinner Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969 mit 817 Seiten. Eva Schmidt geht als einzige verbliebene Frau übrigens mit dem dünnsten Buch (212) ins Rennen um den Deutschen Buchpreis.buchpreis-dbp16-buecherherbst-buecherblog-statistik-seitenanzahl

Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein

alex-capus-leben-ist-gut-buecherherbst-buecherblog-rezension-prisman-hanser-verlagAlex Capus stand wahrscheinlich eines Abends in seiner Kneipe, schenkte das eine oder andere Getränk aus, lauschte den Geschichten der Stammgäste und fühlte tiefstes Wohlbehagen. Dies könnte ihn dazu gebracht haben, ein Buch über dieses Empfinden zu schreiben. Über die Begegnung zwischen Menschen, über Freundschaft, Zuneigung und die innere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Das Leben ist gut ist ein langer Liebesbrief an das Zwischenmenschliche und die Geselligkeit.

Hauptprotagonist Max ist genauso wie Capus Kneipier und darüber hinaus ebenfalls Schriftsteller. Wie Capus hat auch Max mehrere Kinder (wobei die Anzahl an Kindern zwischen Autor und seinem Protagonisten variiert). Während Capus in seinen anderen Romanen eher auf Fiktion oder Historie – und die Korrektheit der integrierten historischen Begebenheiten – zurückgegeriffen hat, liegt bei Das Leben ist gut die Vermutung nahe, dass der Roman starke autobiografische Züge in sich trägt. Die Sevilla Bar in Max‘ Heimatstadt, in der er sich „wohl wie ein Eber im Schweinekoben“ fühlt, ist Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Hier trifft man Menschen aller Couleur, ein Querschnitt der Gesellschaft.

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Die Nominierten

Deutscher Buchpreis dbp16 fbm16 Buchmesse Buchblog BuecherherbstDas Geheimnis ist gelüftet: Heute wurde die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2016, der auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vergeben wird, bekanntgegeben. Von den 156 Autoren aus 98 Verlagen, die dieses Jahr vorgeschlagen wurden, sind 20 Werke in diese engere Wahl für die wichtigste Auszeichnung im deutschsprachigen Literaturbetrieb gekommen. Nach der Präsentation der Bücher möchte ich weiter unten allerdings vom bewertenden Schema absehen, sondern vielmehr anhand von Statistiken zu den Werken und ihren Autoren informieren. Doch zunächst zu den Nominierten (in alphabetischer Reihenfolge): Weiterlesen

Endlich neuer Lesestoff! [Wunschliste August & September]

Wunschliste Buecherherbst Buecherblog Neuerscheinungen Verlage VerlagsvorschauNachdem ich im Januar meine Wunschliste (letztes Update: Kurzer Zwischenspurt) für das erste Halbjahr aufgestellt hatte, versuche ich in der Fortsetzung in kleineren Zeiträumen zu denken und habe sie lediglich für August und September zusammengestellt. Vielleicht klappt es bei zwei Monaten besser, einzuschätzen, welche Anzahl an Büchern ich wirklich in einem Zeitraum X lesen kann, um den SuB nicht unnötigerweise und zu extrem zu vergrößern – mir ist natürlich bereits jetzt klar, dass das eine oder andere Buch über die Wunschliste hinaus noch hinzu kommt.

Des weiteren habe ich darauf geachtet, dass ich nur Bücher auf die Liste setze, die weniger als 400 Seiten haben. Denn im Alltag ist es für mich nur schwerlich möglich, einen 800-Seiten-Schmöker innerhalb von zwei Wochen zu lesen und zugleich inhaltlich sowie rezensionistisch am Ball zu bleiben. Selbstverständlich habe ich mir sogleich eine Einschränkung auferlegt, um diese Regel auszuhebeln: Bücher, die ich unbedingt in meinem Regal stehen haben, jedoch weder sofort lesen noch irgendwann rezensieren möchte, dürfen auch mehr als 400 Seiten haben und gekauft werden. Hierzu gehört in den nächsten Wochen Höllensturz von Ian Kershaw. Der Blick in die Verlagsvorschauen hat es mir allerdings durchaus einfach gemacht, hier habe ich kein Buch ausgemacht, das ich unbedingt unmittelbar lesen möchte und das über 400 Seite stark ist – so wie es im ersten Halbjahr beispielsweise bei Juli Zehs Unterleuten oder Ryan Gattis‘ In den Straßen die Wut war. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass ich aufgrund eines guten Tipps noch weitere (dickere) Bücher kurzfristig hinzufüge.

Einschränkend in Bezug auf den Kauf der Bücher, die ich für Ende September auf der Wunschliste habe, kommt hinzu, dass am 20. September die Shortlist für den Deutschen Buchpreis (Longlist: 23. August) bekannt gegeben wird. Sollte die Auswahl mich ansprechen, möchte ich hiervon bis zur #fbm16 – ebenfalls je nach jeweiliger Seitenanzahl – zwei oder drei Bücher lesen.

Jetzt möchte ich euch aber erst einmal die Bücher meiner neuen Wunschliste (sortiert nach Erscheinungsdatum) vorstellen: Weiterlesen

Kurzer Zwischenspurt [Update Wunschliste V]

Buecherherbst Buecherblog Lesezeit WunschlisteDie freie Zeit während meines Urlaubs habe ich wieder umfangreich für’s Lesen genutzt („Endlich wieder Lesezeit“) und konnte mir einige Bücher von meinem SuB vornehmen, zwei, die durch meine Wunschliste hierhin gelangt waren, sowie Ralf Rothmanns Im Frühling sterben. Jetzt beende ich meine aktuell noch laufende Wunschliste, da ich mir bereits eine neue zusammengestellt habe, die ich morgen präsentieren werde.

In der Rückschau bin ich sehr zufrieden mit den Büchern der Wunschliste: Die allermeisten konnten mich begeistern, einzig eine kleine Enttäuschung hatte ich mit Die Verteidigung des Paradieses. Alles in allem konnte ich auch den Großteil der erworbenen Bücher lesen, die meisten hiervon auch rezensieren. Von jenen, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, reiche ich bald noch Rezensionen nach.

Hier ist das Update zu meiner Wunschliste: Weiterlesen