Gastland, Jury und Nominierte bekanntgegeben

Literarische Rückblende (5. bis 11. Februar)

Frankfurter Buchmesse fbm18 fbm23 Italien Franceschini BookFair

Screenshot via Twitter

Weit im Voraus geplant: Die Frankfurter Buchmesse hat bekannt gegeben, dass Italien das Gastland der Buchmesse 2023 wird – zuletzt war Italien dies 1988 unter dem Motto Italienisches Tagebuch. Der italienische Kulturminister Dario Franceschini und Buchmesse-Geschäftsführer Juergen Boos unterzeichneten am Montag den Vertrag. Franceschini twitterte, dass es „eine große Anerkennung“ sei für die italienischen Verlage. Diesjähriges Gastland der fbm18 ist Georgien, es folgen Norwegen (2019), Kanada (2020) und Spanien (2021).

Jury Deutscher Buchpreis fbm18 Buchmesse dbp18 cafehaussitzer

Screenshot via Boersenblatt.net

Neue Perspektiven: Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2018 wurde vorgestellt – und ein für alle Buchblogger bekanntes Gesicht ist Teil der sieben Literaturexperten: Uwe Kalkowski, Gewinner des Buchblog-Awards 2017 und bekannt durch seinen Blog Kaffeehaussitzer. Neben ihm in der Jury vertreten sind Christoph Bartmann (Leiter Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (stellvertretende Leiterin von aspekte), Tanja Graf (Leiterin Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Christine Lötscher (freie Kritikerin) und Marianne Sax (Inhaberin des Bücherladen Marianne Sax).

wehrmacht bruecke gregor dorfmeister buecherherbst buecherblog

Klassiker und internationaler Erfolg: Gregor Dorfmeister ist im Alter von 88 Jahren gestorben. In seinem Debütroman, dem Antikriegsroman Die Brücke (1958), schilderte der Autor unter dem Pseudonym Manfred Gregor den sinnlosen Volkssturm-Einsatz einer Gruppe von sieben Sechzehnjährigen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine Brücke gegen die heranrückenden Amerikaner verteidigen sollen. Das Buch erhielt internationale Beachtung und wurde ein Jahr später verfilmt. 2008 erschien eine weitere Neuverfilmung. Dorfmeisters weitere Werke sind Das Urteil (1960) und Die Straße (1961).

Preis Leipziger Buchmesse plbm_18 Nominierte buecherherbst buecherblog

(c) Leipziger Messe

Preisverdächtig: In gut einem Monat findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Nun wurden die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 bekannt gegeben, der am 15. März in der Glashalle vergeben wird: Isabel Fargo Cole – Die grüne Grenze, Anja Kampmann – Wie hoch die Wasser steigen, Esther Kinsky – Hain. Geländeroman, Georg Klein – Miakro, Matthias Senkel – Dunkle Zahlen (alle Kategorie Belletristik); Martin Geck – Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum, Gerd Koenen – Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus, Andreas Reckwitz – Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Bernd Roeck – Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, Karl Schlögel – Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt (Sachbuch/Essayistik); Robin Detje übersetzte aus dem Amerikanischen Buch der Zahlen von Joshua Cohen, Olga Radetzkaja übersetzte aus dem Russischen Sentimentale Reise von Viktor Schklowskij, Sabine Stöhr und Juri Durkot übersetzten aus dem Ukrainischen Internat von Serhij Zhadan, Michael Walter übersetzte aus dem Englischen die Werksausgabe in drei Bänden von Laurence Sterne, Ernest Wichner übersetzte aus dem Rumänischen Oxenberg und Bernstein von Catalin Mihuleac.

Weitere Themen der vergangenen Tage:

Book Shopper in Italien – Zwei Literaturkennerinnen beraten Leser: Sie haben ihre Liebe zur Literatur in eine Geschäftsidee verwandelt. Zwei Freundinnen aus dem norditalienischen Padua bieten die persönliche Buch-Beratung – mithilfe einer von ihnen entwickelten App.“ (Deutschlandfunk Kultur)

„Gesichter aus der Mimikfabrik: Mangas sind auch nur Comics – oder? Ein skeptischer Selbstversuch zum ersten Todestag des Alt- und Großmeisters Jiro Taniguchi.“ (Spiegel Online)

„Unabhängige Verlage kämpfen um ihre Existenz: Unabhängige Verlage haben es auf dem Markt zusehends schwer. Das bedroht auch die Vielfalt der deutschen Literaturszene.“ (Handelsblatt)

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Die Härte des Lebens spüren

Buchtipp: Tijan Sila – Tierchen Unlimited

Tijan Sila Tierchen unlimited kiwi Rezension Buecherherbst Buecherblog

Eindringlich, teils beklemmend erzählt Tijan Silas Roman Tierchen unlimited die Geschichte eines bosnischen Flüchtlings, der in der deutschen Provinz gelandet ist. Doch auch hier erwartet ihn die Härte der Welt.

Es entwickelt sich eine rasante, niederschmetternde aber zugleich amüsante Story am Rande der Psychose. Und fast nebenbei inseriert Sila regelmäßig gruselige Passagen über die Grauen des Kriegsalltags.

Wenn Menschen zur Ware werden

Rezensionsexemplar: Andrej E. Skubic – Spiele ohne Grenzen

Andrej Skubic Spiele ohne Grenzen Voland Quist Rezension Buecherherbst Buecherblog neu2Viele Menschen sind inzwischen abgestumpft, wenn sie Meldungen über gekenterte Flüchtlingsboote lesen. Es gehört zum Alltag, ohne außergewöhnliche Beachtung zu finden. Das Drama erscheint weit weg. Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass vor allem auf der gefährlichen Route über das Mittelmeer gen Europa wöchentlich, vielleicht sogar täglich dutzende oder tausende Menschen sterben. Sie sitzen in völlig überfüllten, instabilen Booten, tragen qualitativ minderwertige Rettungswesten, die ihnen Hilfe im Überlebenskampf lediglich vorgaukeln. Es gibt keinen europäischen Plan, wie man das oftmals tödliche Überqueren des Meeres verhindern kann, beispielsweise durch wirkliche Hilfe und Aufklärung vor Ort. Stattdessen werden immer mehr und immer höhere verbale und rechtliche Mauern erbaut, um Europa vor den Flüchtlingen aus Afrika zu „schützen“. Eigentlich geht es vor allem darum, die eigenen Volkswirtschaften nur den Menschen offen zugänglich zu halten, die per göttlichem Glücksprinzip innerhalb der eigenen europäischen Staatsgrenzen geboren wurden.

Dass das Ende der Unmenschlichkeit innerhalb der Abschottungspolitik noch nicht erreicht sein muss, zeigt Andrej E. Skubic eindrucksvoll in Spiele ohne Grenzen. Während weiterhin fast täglich Menschen versuchen, aus Afrika per Boot in Richtung Europa zu gelangen, hat die Europäische Union das Flüchtlingsproblem privatisiert: Das heutzutage noch durchaus übliche Vorgehen vieler NGOs, die gekenterten Menschen zu retten und in einen sicheren europäischen Hafen zu bringen, ist in Skubics Novelle nur mit spezieller Konzession möglich und vor allem den Italienern vorbehalten. Alle Anderen gehen auf die Suche nach den übrig gebliebenen Leichen, um sie zusammen mit ihren Habseligkeiten aus dem Meer zu fischen – und damit wird dank lukrativer EU-Subventionen Geld verdient. Das Elend der Menschen wird ausgenutzt und die Profitgier auf die Spitze getrieben.

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Neues Jahr, neue Wunschliste [Frühjahr 2018]

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(c) Lupo/pixelio.de

Nach dem Luther-Jahr folgt das Marx-Jahr: Insbesondere die sachbuchorientierten Verlage veröffentlichen zu Jahresbeginn 2018 zahlreiche neue Bücher anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx am 5. Mai. Aber nicht weniger (bedeutende) Werke erscheinen anlässlich des 100. Geburtstages (18. Juli) von „Afrikas Lichtgestalt“, Nelson Mandela. Darüber hinaus gibt es Neuerscheinungen von Haruki Murakami, T.C. Boyle, Laksmi Pamuntjak; Thea Dorn wird politisch, Martin Walser schreibt weiter, Gregor Gysi bringt Marx mit in die heutige Zeit, Jutta Ditfurth warnt vor dem Faschismus und Peer Steinbrück belehrt die Sozialdemokratie.

Eine Linkliste zu den Verlagsvorschauen findet ihr hier:
Verlagsvorschauen im Überblick
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Es gab durchaus schon interessantere Verlagsvorschauen, als diese für das Frühjahr 2018. Nichtsdestotrotz findet man beim genauen Hinschauen zahlreiche spannende Neuerscheinungen. Gerade im Januar stehen einige Kracher an: Los geht es mit Arno Geigers Unter der Drachenwand. Es folgen Bernhard Schlink, Haruki Murakami und Navid Kermani.

Ich habe mich durch die Vorschauen gewühlt und eine neue Wunschliste für die kommenden Monate zusammengetragen. Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere auf den Themenfeldern Politik / Flucht / Europa, so dass auch das eine oder andere Sachbuch seinen Weg in die Wunschliste gefunden hat. Bei manchen Verlagen reicht die Vorschau gar bis in den Sommer hinein, so dass ich bereits längerfristig plane, jedoch im Laufe des Jahres sicherlich noch Ergänzungen hinzufügen werde.

Damit ich nicht zu viele Bücher kaufe, die am Ende auf dem SuB versauern, habe ich – mit einigen namhaften Ausnahmen – lediglich Bücher gewählt, die maximal 350/400 Seiten haben. Jetzt möchte ich euch zunächst einen Überblick über die Bücher auf meiner Wunschliste geben, folgend stelle ich dann die Bücher nochmals einzeln vor:

10. Januar: Arno Geiger – Unter der Drachenwand, 480 Seiten, Hanser
12. Januar: Bernhard Schlink – Olga, 320, Diogenes
22. Januar: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore I, 480, DuMont
26. Januar: Navid Kermani – Entlang den Gräben, 445, C.H. Beck
29. Januar: Leander Steinkopf – Stadt der Feen und Wünsche, 112, Hanser Berlin
29. Januar: T.C. Boyle – Good Home, 432, Hanser

20. Februar: André Kubiczek – Komm in den totgesagten Park und schau, 320, Rowohlt Berlin

1. März: Andrej Nikolaidis – Der ungarische Satz, 150, Voland & Quist
5. März: Vincent F. Hendricks, Mads Vestergaard – Postfaktisch. Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien, 180, Blessing Verlag
8. März: Joschka Fischer – Der Abstieg des Westens, 176, Kiwi
9. März: Matthew Desmond – Zwangsgeräumt. Armut und Profit in der Stadt, 528, Ullstein
12. März: David Grossmann – Eine Taube erschießen, 128, Hanser
12. März: Imaani Brown – Hallo Deutschland, 256, Heyne
15. März: Matthias Göritz – Parker, 352, C.H. Beck
22. März: Slavoj Zizek – Das Kommunistische Manifest. Die verspätete Aktualität des Kommunistischen Manifests, 160, Fischer
27. März: Toni Morrison – Die Herkunft der Anderen, 112, Piper

10. April: Thea Dorn – Deutsch, nicht dumpf, 160, Knaus
11. April: Hermann Hesse – „In den Niederungen des Aktuellen“ (Briefe, 1933-1939), 750, Suhrkamp
13. April: Gregor Gysi – Marx & wir. Warum wir eine neue Gesellschaftsidee brauchen, 144, Aufbau Verlag
16. April: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore II, 500, DuMont
26. April: Roberto Bolaño – Der Geist der Science-Fiction, 224, S. Fischer
26. April: Rüdiger Barth / Hauke Friederichs – Die Totengräber. Der letzte Winter der Weimarer Demokratie, 320, S. Fischer

2. Mai: Ralf Rothmann – Der Gott jenes Sommers, 260, Suhrkamp
11. Mai: Ingo Zamperoni – Anderland. Die USA unter Trump – ein Schadensbericht, 160, Ullstein
14. Mai: Ta-Nehisi Coates – We were eight Years in Power – Eine amerikanische Tragödie, 336, Hanser Berlin
17. Mai: Nelson Mandela – Briefe aus dem Gefängnis, 600, C.H. Beck
23. Mai: Jutta Ditfurth – Haltung + Widerstand, 144, Hoffmann & Campe

1. Juni: Alice Zeniter – Die Kunst zu verlieren, 560, Berlin Verlag
6. Juni: Stephen Parker – Bertolt Brecht, 1.000, Suhrkamp
24. Juli: Max Annas – Finsterwalde, 352, Rowohlt Hundert Augen Weiterlesen

Büchertipps statt Böllerwahn

Buchtipps BuecherstattBoeller Buecherherbst BuecherblogEs ist kein Geheimnis, dass ich nicht viel von der ganzen Böllerei rund um Silvester halte. Abgesehen von den Gefahren (#illegaleBöller) einerseits sowie der Vorstellung andererseits, wie viele sinnvolle Projekte man mit diesem ganzen verfeuerten Geld unterstützen könnte, verstehe ich ohnehin nicht, warum in einer ganzjährig lauten Welt das Jahresende mit einem noch lauterem Knall beendet respektive das neue Jahr begonnen werden sollte. Warum kann nicht einfach die Ruhe gefeiert werden? Anstatt zu Jahresbeginn Kraft zu tanken, um wichtige oder schöne Vorhaben anzugehen, wird in Übermaß Geld ausgegeben für wenige Sekunden „Spaß“.

Für alle Menschen, die sich das Geld gespart haben und lieber das Neue Jahr mit guten Büchern beginnen möchten, habe ich ein paar Buchtipps für den Start in 2018. In einer immer stärker politisierten Welt – und auch einer stark politisierten und polarisierten deutschen Gesellschaft – sind meine Empfehlungen ebenfalls durchaus politisch. Was die Bücher sowie den Jahreswechsel eint: Ein Neuanfang hält viele neue Chancen bereit.

Robert Menasse – Die Hauptstadt

Robert Menasse Hauptstadt Rezension Buecherherbst Buecherblog Suhrkamp EU

(c) Suhrkamp

Beginnen möchte ich mit dem besten Roman des Jahres – und das nicht nur, weil er mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet wurde: Robert Menasses Die Hauptstadt (Europa am Scheideweg: Utopie oder Ruine). So leidenschaftlich wie der österreichische Autor hat zuvor niemand in Romanform für Europa geworben. Das auf Ewigkeit angelegte Friedensprojekt befindet sich fraglos in seiner schwersten Phase der Nachkriegszeit. Menasse zeigt das schwerfällige Europa und lässt zugleich von einer progressiven Zukunft Europas träumen.

Carolin Emcke – Gegen den Hass

Carolin Emcke Gegen den Hass Fischer Verlag Buecherherbst Buecherblog

(c) S. Fischer

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Verlagsvorschauen im Überblick

pixabay Buecherwelt vorschau verlage buecherherbst buecherblog linklisteInzwischen haben zahlreiche Verlage in den letzten Tagen und Wochen ihre Vorschauen für das Frühjahr (und darüber hinaus) veröffentlicht – es ist immer wieder eine Freude, darin zu stöbern, wie eine Jagd nach seltenen Perlen. Und in den kommenden Monaten kommt ganz schön was auf alle Bücherfreunde zu, es sind einige illustre Autorennamen dabei… Wer ebenfalls einen Blick hineinwerfen möchte, gebe ich eine kleine Suchhilfe: Folgend finden sich die Links zu den Verlagsvorschauen (alphabetisch sortiert).

Allegria

Ariston

Arkana

Atlantik Verlag

Aufbau Verlag

Bassermann

Berlin Verlag

Blanvalet

Blanvalet Paperback

Blessing Verlag

btb

C. Bertelsmann | C. Bertelsmann (Winter 17/18)

C.H. Beck

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Europas größtes Literaturfest

litCologne 2018 Literaturfest Köln buecherblog buecherherbst programmEs sind wirklich wieder illustre Namen, die die Veranstalter der lit.COLOGNE für ihren 18. Durchgang präsentierten: Pulitzer-Preisträger Michael Chabon, #dbp17-Gewinner Robert Menasse, Ex-Außenminister Joschka Fischer, dazu unter anderem Roberto Saviano, Minette Walters, Ferdinand von Schirach, Frank Schätzing und Bernhard Schlink. Mit 191 Veranstaltungen vom 6. bis 17. März 2018 – davon 99 Veranstaltungen im Erwachsenenprogramm, 92 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche – schwingt sich die Kölner Veranstaltung wieder zu Europas größtem Literaturfest auf. Und das Publikum honoriert die außergewöhnliche Auswahl an Literaturveranstaltungen: Bereits wenige Stunden nach Vorverkaufsstart waren rund 50 Prozent aller Karten weg.

Einen Überblick zum Programm der 18. lit.COLOGNE kann man sich im offiziellen Flyer zur lit.COLOGNE verschaffen, folgend auch nochmals alle Veranstaltungen einzeln aufgeführt:

Dienstag, 6. März:

goetz alsmann litCologne buecherherbst buecherblog programm

Götz Alsmann. (c) Elke Wetzig elya (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons]

20 Uhr, Götz Alsmann präsentiert die Gala zur Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2018

Mittwoch, 7. März:
20 Uhr, Klaus Maria Brandauer liest Fjodor Dostojewskis Großinquisitor

Donnerstag, 8. März:
18 Uhr, Peter Wohlleben kennt Bäume, die Wolken machen, und Regenwürmer, die Wildschweine steuern

18 und 21 Uhr (Zusatzveranstaltung), Daniel Hope und Sebastian Koch entführen ins Paradies

18 Uhr, Axel Hacke, Boris Palmer und der Anstand in schwierigen Zeiten

19.30 Uhr, Sasha Marianna Salzmann – Außer sich

20 Uhr, Der literarische Salon: Guy Helminger & Navid Kermani mit Paul Nizon

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Wer ist hier das Problem?

Rezension: Leo | Steinbeis | Zorn – Mit Rechten reden. Ein Leitfaden

Mit Rechten reden Rezension Leo Steinbeis Zorn Buecherherbst Buecherblog Klett CottaSpätestens mit dem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag stellt sich mit Nachdruck die Frage: Kann, soll, darf oder muss man gar mit Rechten, Rechtspopulisten oder Rechtsextremen reden – und falls ja: wie? Für das Autorentrio Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn steht fest, dass eine „Lösung“ des Problems mit rechten Umtrieben jeglicher Couleur nur darin bestehen kann, dass man mit den Rechten redet. Sie versuchen sich mit ihrem „Leitfaden“ Mit Rechten reden an einer Antwort, wie dies Nicht-Rechten gelingen kann, so dass beide Welten vielleicht sogar davon profitieren könnten, aber zumindest so, dass Nicht-Rechte die Rechten klar entlarven, ohne sie gänzlich aus der Welt negieren zu wollen. Als problematisch stellt sich allerdings bereits die Definition dar, wer genau die Rechten sein sollen, um überhaupt zu wissen, wer der Adressat ist. Das heben die Autoren vorab hervor. Jedoch wissen sie auch im Laufe des Buches keine hinreichende Antwort zu geben.

Ausgangspunkt für den Diskurs ist das bedrängende Gefühl im Angesicht der Rechten, mit dem niemand so recht umzugehen weiß, gleich ob es sich um Familienangehörige, Freunde oder Fremde handelt. Die Autoren betrachten Rechte aus der „dialektischen Perspektive“, die „uns selbst mit einschließt“. Dabei stellt sich die Frage: Haben wir – wir Nicht-Rechte – vom Grundsatz her ein Problem mit der Gesellschaft? Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Rechten ein Problem mit der liberalen Gesellschaft haben und zugleich als Problem der Gesellschaft in Erscheinung treten? Es sind doch teils verharmlosende Vergleiche, welche die Autoren für das Zusammenleben von Rechten und restlicher Gesellschaft ziehen, beispielsweise der Vergleich mit Beziehungsproblemen. Wer meint, so einfach wie in jeder „normalen“ Beziehung ließen sich die Differenzen lösen, verfehlt die Dimensionen um Welten.

Und für diese Ansicht werde der mutige, wegen seines Freitodes tragischerweise ganz und gar wehrlose Autor nun von der links-liberalen Meinungspolizei mit Zensur und Verachtung gestraft. Opfer, schon wieder ein unschuldiges Opfer! Leute, kauft Opfer! Frische Opfer, reife Opfer! Bittersüße, achselschweißsaure, tränensalzige Opfer! Deutsche! Kauft, werdet, seid Opfer!

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Lesemarathon für Buchpreis-Jury

Presseschau

lbm18 Leipzig liest Buchmesse Rückblende Bücherherbst BücherblogWelch eine riesige Auswahl: Insgesamt 403 Bewerbungen aus 143 Verlagen wurden für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 eingereicht. Jetzt gilt es für die siebenköpfige Jury unter der Leitung von Kristina Maidt-Zinke: lesen, lesen, lesen. „Neben der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Strömungen gibt es zahlreiche Bücher zu historischen Themen, die jedoch die Brücke ins Heute schlagen. Ebenfalls bemerkenswert: In der Kategorie Übersetzung haben wir wieder mehrere Werke aus dem Chinesischen, diesmal vor allem Lyrik“, erklärt Maidt-Zinke (Leipziger Buchmesse).

In den vergangenen Wochen wurden neben dem Deutschen Buchpreis im Rahmen der Frankfurter Buchmesse für Robert Menasses Die Hauptstadt auch noch zahlreiche weitere Buchpreise vergeben: Bereits zum zweiten Mal erhielt Jesmyn Ward den National Book Award, einen der wichtigsten US-Buchpreise, für ihren Roman Sing, Unburied, Sing (Spiegel Online). Zum 25. Mal wurde der Open Mike vergeben, der wichtigste Preis für junge Literatur (ZEIT Online). Der spanische Cervantes-Literaturpreis geht an den nicaraguanische Schriftsteller, Menschenrechtler und Ex-Politiker Sergio Ramírez für sein Lebenswerk (Der Tagesspiegel). Im Rahmen der Buch Wien erhielt Eva Menasse zum zweiten Mal den Österreichischen Buchpreis (Der Standard). Franzobel und Andreas Reckwitz sind mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet worden (München.de). Der Bremer Literaturpreis 2018 geht an Thomas Lehr für Schlafende Sonne, den Förderpreis erhält Laura Freudenthaler für ihr Romandebüt Die Königin schweigt (Pressestelle des Bremer Senats). Für sein Buch Die Rückkehr über die Suche nach dem verschollenen Vater ist Hisham Matar mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2017 ausgezeichnet worden (3sat). Am 24. November bekommt Schriftsteller Ilija Trojanow den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln 2017 überreicht, da er sich als „kompromissloser Kritiker des Überwachungsstaats“ profiliert habe und zugleich als „rastloser Helfer für verfolgte und exilierte Schriftsteller“ (Stadt Köln). Petra Morsbach hat den Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim erhalten (Süddeutsche Zeitung). Die Stadt Hannover hat Juan S. Guse mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover für seinen Debütroman Lärm und Wälder ausgezeichnet (T-Online).

Jonas Lüscher hat für sein Werk Kraft den Schweizer Buchpreis gewonnen (Tages Anzeiger). Für einen kleinen Eklat hat in diesem Rahmen der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss gesorgt: Er forderte die Abschaffung des Schweizer Buchpreises, da er die Veranstaltung zum zehnten Jubiläum „unwürdig“ fand und zugleich die Unabhängigkeit der Jury anzweifelt (Süddeutsche Zeitung).

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

goethe-faust-buecherherbst-buecherblog reclam rueckblendeReclam-Hefte: Die Universal-Bibliothek wird 150 Jahre alt. Zum Geburtstag zeigt eine Ausstellung, wie die gelben Heftchen die Klassikerlektüre verändert haben.“ (Süddeutsche Zeitung)

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Europa am Scheideweg: Utopie oder Ruine?

Rezension: Robert Menasse – Die HauptstadtEuropäische Kommission EU Rezension Buecherherbst Buecherblog Menasse Hauptstadt

Robert Menasse Hauptstadt Rezension Buecherherbst Buecherblog Suhrkamp EU

(c) Suhrkamp

Wer Robert Menasse fragt, ob das Friedensprojekt Europa bereits gescheitert ist, erhält ein leidenschaftliches Plädoyer für den bürgerschaftlichen Umbau der Europäischen Union in ein Europa der Regionen. Die europäische Idee sei am Scheideweg. Doch es sei noch nicht zu spät, den richtigen Weg einzuschlagen, weg von nationalen Grenzen, weg vom Nationalismus der Staaten. Während im Osten Europas Rechtspopulisten das Wohl des eigenen Volkes über die Idee und das Recht der europäischen Partnerschaft stellen und beispielsweise bei der Flüchtlingsfrage jegliche Verantwortung für ein gemeinsames Handeln von sich weisen, ist in Frankreich eine rechte Präsidentschaftskandidatin nur knapp gescheitert, in Österreich zeichnet sich gar eine Regierungsbildung mit der nationalistischen FPÖ ab, die katalanischen Separatisten – sind es nun egoistische Nationalisten oder überzeugte Europäer? – wollen sich von Spanien loseisen. Doch was kann die Antwort der Proeuropäer und der EU sein, um die Bürger für eine tiefere europäische Integration zu begeistern? In dem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Werk Die Hauptstadt gibt Autor Robert Menasse zumindest eine Antwort, wie es nicht geht: Allein das Ansehen der europäischen Institutionen zu verbessern, wird nicht ausreichen.

Wenn Demenz und Tod verhinderten, dass noch jemand Auskunft geben und sich darin erinnern konnte, worum es eigentlich gegangen war und worum es immer noch ging – dann müssten eben Demente und Tote auftreten und dafür einstehen. Würden sie nicht Schrecken und Mitleid erregen und vielleicht Reinigung bewirken? Sogar Verstehen. Plötzlich versteht eine demente Gesellschaft, was sie hatte sein wollen, plötzlich erinnert sich ein todkranker Kontinent an die Medizin, die ihm Heilung versprochen, die er aber abgesetzt und vergessen hatte.

Brüssel ist eine Stadt in ständiger Hektik, depressiv und auszehrend, euphorisierend und hysterisch, mit dauerhaft erhöhtem Puls. Einst reichste Stadt der Welt (1914). Die Hauptstadt Belgiens ist zugleich die inoffizielle Hauptstadt Europas. Hier sitzen mit Europäischer Kommission, Europäischem Rat und EU-Rat die wichtigsten europäischen Institutionen neben dem Europäischen Parlament. Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass es vor Die Hauptstadt bislang noch keinen Brüssel-Roman in der Tradition der Städte-Romane gab – obwohl es eigentlich viel mehr ist, nämlich ein leidenschaftlicher Europa-Roman. Dabei bietet die europäische Machtzentrale eine hervorragende Vorlage für mehr oder weniger fiktionale Intrigen und politische Affären. Menasse machte sich selbst für einen längeren Zeitraum ein Bild von dieser Machtblase.

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Der Tod als tröstliche Hoffnung

Rezensionsexemplar: Hans Weinhengst – Turmstrasse 4

Turmstrasse Weinhengst Rezension Buecherherbst Buecherblog pixbayVerlage sind eigentlich nichts anderes als Schatzsucher: manche buddeln nach dem dicken Goldbrocken, andere sind eher an archäologischen Funden interessiert. Ein außergewöhnliches Fundstück zum Zustand des Proletariats in den 1920er und 30er Jahren ist Turmstrasse 4 von Hans Weinhengst, 1934 noch unter dem Originaltitel Turstrato 4 in Esperanto [mehr zur Sprache Esperanto am Textende] veröffentlicht, kürzlich bei edition atelier erstmals in deutscher Übersetzung publiziert.

Das Haus in der Turmstraße Nummer vier im Wiener Arbeiterbezirk ist ein „grauer, heruntergekommener Wohnklotz“, farblich undefinierbar widerwärtig mit verfallener Fassade – und zum Teil auch verfallenen Menschen. Mehr als 300 Bewohner nennen diese Hochhausbaracke ihr Zuhause. Eine Konstruktion, die dem „Streben nach Ausbeutung“ folgt. Kurz: Ein Arbeiterghetto mit Elend, Unfrieden und Auseinandersetzungen („Die Bewohner hatten sich an ein gewisses Maß an Aufregung und Tumult gewöhnt.“). Hierin wohnen auch Karl Weber und Martha Groner, die sich regelmäßig heimlich treffen. Karl lebt zusammen mit seinen Eltern, den drei Geschwistern sowie seinem Schwager und seinem Neffen; Martha mit ihrer Mutter sowie dem kriegsversehrten Vater, der aufgrund seiner ebenso kriegsversehrten Psyche teils vollkommen von Sinnen ist und auf seine Tochter wild einprügelt oder versucht, sie zu vergewaltigen. Was die meisten Bewohner in der Turmstraße eint, ist die Arbeitslosigkeit, die Ende der 1920er Jahre im Zuge der Weltwirtschaftskrise grassierte. Auch Karl ist seit geraumer Zeit auf der verzweifelten Suche nach einem Job.

Die Tage verstrichen einer wie der andere bei Familie Weber: freudlos und eintönig.

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Fotorückblick zur Frankfurter Buchmesse 2017

fbm17 Buchmesse buecherherbst buecherblog dbp17 gastland frankreich außenbereichDie Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2017 sind gemischt: Einerseits waren es wieder außergewöhnliche Tage, geprägt von beeindruckenden Autoren, anregenden Lesungen und teils bemerkenswerten Gesprächen. Andererseits hallt das Geschehen vom Buchmessesamstag nach: Nazis durften ihre menschenverachtende Ideologie darbieten, greifen Menschen an, beleidigen und pöbeln. Ist das diese „Meinungsfreiheit“, von der die Veranstalter sprechen? Rassismus und Extremismus sind keine Meinung. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels sollte sich diese Haltung für die fbm18 nochmals gut überlegen. Deshalb wird es an dieser Stelle von mir keinen ausführlichen Messebericht geben, ich möchte folgend mit einer Fotogalerie ein Bild meiner (positiven) Eindrücke entwerfen.

Hier meine Impressionen von der fbm17 in der Fotorückschau:

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Menasse gewinnt dbp17: „Eine einzigartige Panoramaaufnahme von Europa“

Logo Deutscher Buchpreis 2017 Buecherherbst BuecherblogJetzt ist es also raus: Robert Menasse gewinnt mit dem Roman Die Hauptstadt den Deutschen Buchpreis 2017. Der Autor zeige, wie wichtig es ist, die Europäische Union zu erhalten, jenseits nationaler Egoismen. „Robert Menasse verwebt Zeiten, Nationen und Institutionen zu einer einzigartigen Panoramaaufnahme von Europa – kriminalistisch angetrieben, philosophisch durchdrungen und dabei immer grundironisch“, begründete die Jury im Rahmen der Verleihung. Das Buch stehe in der Tradition von Balzacs Vorstellung kritischer Zeitgenossenschaft und sei „ein Roman, der alles über unsere Zeit enthält, ohne je zeitgeistig zu werden.“ [Die vollständige Jury-Begründung]

FBM17 Logo Buchmesse Ehrengast Frankreich Buecherherbst Buecherblog Dies war der feierliche Auftakt für die Frankfurter Buchmesse 2017, am Mittwoch geht es dann so richtig los in den Messehallen. Hier wird Buchpreis-Gewinner Robert Menasse auf zahlreichen Bühnen ausführlich über den Roman und seine Entstehung berichten. Welche Veranstaltungen ansonsten noch sehenswert sind, habe ich hier zusammengestellt: Vier Tage auf der fbm17. „2017 wird als ein Jahr in Erinnerung bleiben, in dem viele Weichen gestellt wurden – das gilt für die Politik ebenso wie für ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge, in Deutschland und in weiten Teilen der Welt. Auf der Frankfurter Buchmesse kommen Aussteller aus über 100 Nationen zusammen. An fünf Tagen steht hier nicht nur das Geschäft mit Inhalten im Vordergrund, vielmehr ist die Frankfurter Buchmesse der Ort, an dem die Branche beweist, dass sie auf der Höhe der Zeit ist: aufgeschlossen für Innovationen, stabil in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und meinungsstark wie eh und je“, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bereits bei der Auftaktpressekonferenz.

Ehrengastauftritt „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“

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Im Spannungsfeld zwischen Heimat und Ausgrenzung

Rezensionsexemplar: Fouad Laroui – Im aussichtslosen Kampf zwischen Dir und der Welt

Laroui Merlin Verlag Rezension Buecherherbst Buecherblog 2Die weltweiten Notsituationen nehmen vielen Menschen die Heimat – sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung oder Armut. Manche fühlen sich schon früh an einem neuen Ort heimisch, manche können verschiedene Orte ihre Heimat nennen. Doch „Heimat“ ist ein von Diversität geprägter Begriff: an einem Ort zu Hause zu sein; sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlen; sich in einer Kultur aufgenommen fühlen. Der Begriff fußt auf verschiedenen Dimension: räumlich, zeitlich, kulturell, religiös, sozial oder familiär. Wer sich in keiner Dimension heimisch fühlt, kann durchaus schneller den Halt verlieren. Heimat gibt immer ein Stück weit Rückhalt. Dies prägt die eigene Identität und auch die charakterliche Stärke, bei Widerstand kraftvoll und standhaft zu bleiben. Durch die Migration in einer globalisierten Welt rückt der Heimat-Begriff nochmals stärker in den Vordergrund. Viele Menschen leben in einem Land, das sie aufgrund der Immigration ursprünglich nicht als Heimat kennengelernt hatten, das jetzt ihre „neue Heimat“ ist oder werden soll, oder welches zumindest ihre Eltern nicht als ihre ursprüngliche Heimat definiert hätten. Die Zerrissenheit zwischen Angekommensein und kultureller Ausgrenzung thematisiert Fouad Laroui in seinem Roman Im aussichtslosen Kampf zwischen Dir und der Welt.

In diesem Spannungsfeld lebt Ali. Seit zehn Jahren ist Paris seine Heimat, seine familiären Wurzeln liegen in Marokko. Er ist als Informatikingenieur sehr angesehen, ist stets gut gekleidet, macht Eindruck auf Frauen („ein Eroberer“) und er fühlt sich durch und durch als Pariser. Hier wohnt er zusammen mit seiner Freundin Malika, einer in Frankreich geborenen Lehrerin, deren Eltern ebenfalls aus Marokko kommen. Sie gehen gerne gemeinsam aus. Sie schmieden Zukunftspläne, wollen zusammenziehen. Eigentlich führen sie ein glückliches Leben. Sie haben eine gemeinsame Heimat (gefunden), in der sie unbekümmert leben könnten. Es ist auch diese heile Welt, die zu Beginn des Romans durch ein fast endloses Liebesgesäusel der Beiden bebildert wird. Diese Schnulze muss der Leser einfach überstehen, denn es lohnt sich, danach entwickelt sich ein rasanter Roman mit überraschenden Wendungen.

„Keinen Augenblick glaubt sie an die Unsterblichkeit der Seele, sie glaubt nicht einmal an die Existenz der Seele – eine Verkabelung von Neuronen, sagt sie, und das ist alles! Eine Verkabelung, die Bilder produziert, Vorstellungen, Begierden: Das ‚Ich‘.“

Doch seit 9/11 hat sich für Menschen mit Migrationshintergrund einiges geändert

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Vier Tage #fbm17: das volle Programm

FBM17 Logo Buchmesse Ehrengast Frankreich Buecherherbst Buecherblog

Der Höhepunkt des Jahres naht: In etwas mehr als einer Woche startet die Frankfurter Buchmesse. Ich werde dieses Mal von Mittwoch bis Samstag vor Ort sein. Aktuell sind mehr als 2.700 Veranstaltungen im Veranstaltungskalender der #fbm17 verzeichnet. Alljährlicher Höhepunkt ist sicherlich die Verkündung des Gewinners des Deutschen Buchpreises 2017 respektive die zahlreichen Gespräche mit dem Preisträger auf den Bühnen der Buchmesse. Außerdem werden ebenso viele weitere Auszeichnungen verliehen: Raif Badawi Award for courageous journalists 2017, LiBeraturpreis 2017, Buchblog-Award 2017 #bubla17, Paul-Celan-Preis, Blogbuster – Preis der LiteraturbloggerFranz-Hessel-Preis, The Beauty and the Book Award. Doch auch darüber hinaus hält das Programm abwechslungsreiche Veranstaltungen bereit, mit teils hochkarätigen Gästen. Beispielhaft sei der Besuch von Salman Rushdie am Donnerstag auf dem Blauen Sofa genannt.

Ich habe einen Blick auf das Programm geworfen und mir meine persönlichen Höhepunkte herausgesucht. Problematisch ist dabei durchaus, dass vielfach interessante Veranstaltungen parallel stattfinden – ich werde spontan vor Ort entscheiden, welche ich dann besuchen werde. Folgend möchte ich euch meinen Plan für vier Tage auf der #fbm17 vorstellen – falls ihr noch Inspirationen braucht oder selbst keine Lust habt, euch durch das komplette Veranstaltungsprogramm zu wühlen.

Hier mein geplantes Programm

(als Pdf am Textende)

alle Tage

11. – 15. Oktober: Die Bibliothèque Nationale de France in Frankfurt | Ehrengast 2017: Frankreich, Ehrengast Pavillon (Forum Ebene 1) |  9:00 – 17:30 Uhr

11. – 15. Oktober: Französischsprachige Comics von heute | Ehrengast 2017: Frankreich, Ehrengast Pavillon (Forum Ebene 1) | 9:00 – 17:30 Uhr

11. – 15. Oktober: Bibliobox (Ausstellung über untypische und außergewöhnliche Bücher) | Ehrengast 2017: Frankreich, Ehrengast Pavillon (Forum Ebene 1) | 9:00 – 17:30 Uhr

Mittwoch, 11. Oktober:

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Buchpreise im Vergleich

In den vergangenen Tagen wurden die Shortlists für zwei bedeutende Buchpreise bekannt gegeben: den Deutschen BuchpreisLogo Deutscher Buchpreis 2017 Buecherherbst Buecherblog (Shortlist #dbp17: Die Kieferninseln, Romeo oder Julia, Außer sich, Die Hauptstadt, Das Floß der Medusa, Schlafende Sonne) sowie den Man Booker Prize (Shortlist #mbp17: Exit West, Autumn, History of Wolves, Elmet, Lincoln in the Bardo, 4 3 2 1). In ungefähr einem Monat stehen dann die Gewinner fest. Bis dahin darf diskutiert werden, wer zurecht auf der Shortlist gelandet ist und wer nicht, aber auch, wer am Ende das Rennen machen wird. Da es mir unmöglich ist, alle Bücher selbst zu lesen, verzichte ich, in der Diskussion mitzuspielen.Man Booker Prize Buecherherbst Buecherblog

Stattdessen möchte ich – wie bereits bei der Bekanntgabe der Longlist zum Deutschen Buchpreis – einen kurzen Blick auf die Statistiken werfen: Wie viele Seiten haben die Bücher jeweils? Wie alt sind die Autoren? Wie ist das Verhältnis der Geschlechter? Interessant finde ich dabei den Vergleich zwischen den Buchpreisen. Hotlist unabhängige Verlage Buecherherbst buecherblogUm einige weitere Daten einfließen zu lassen, habe ich noch den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis 2017 (Shortlist: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens, Niemand ist bei den Kälbern, Der Club, Blaupause, Ein fauler Gott, Außer sich) sowie die Hotlist (Hotlist 2017: Notre-Dame-de-la-Merci, Halb Taube halb Pfau, Schwimmerbecken, Strategien der Wirtsfindung, Als ob sie träumend gingen, Das einsame Begräbnis, Über Grenzen, Goldgefasste Finsternis, Geisel, Die Fahnen) mit aufgenommen.

Für Leser ist die Anzahl an Seiten durchaus ein relevanter Faktor, ob ein Buch gekauft und gelesen wird, oder nicht. Deshalb soll zunächst ein Vergleich der Seiten je nominiertem Buch gezogen werden.

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Das Herz ist stärker als kulturelle Fesseln

Rezensionsexemplar: Romain Gary – Du hast das Leben vor dir

Romain Gary Leben vor dir Rezension buecherherbst bucherblog rotpunktverlagWenn man den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beobachtet, die (milde ausgedrückt) gegenseitige Skepsis zwischen Juden und Muslimen – man könnte vermuten, dass ein „normales“ Zusammenleben nur schwer möglich ist. Vorurteile scheinen teilweise tief verwurzelt. Wirft man einen Blick auf die historische Entwicklung der Beziehungen, ist diese mit zahlreichen Konflikten gepflastert. So tobte Ende der 1960er Jahre der Sechstagekrieg zwischen Israel sowie den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien; immer wieder nahmen palästinensische Terroristen Juden zu Geiseln; 1973 flammte der israelisch-arabische Krieg wieder auf. In dieser Zeit, 1975, schrieb der französische Autor Romain Gary Du hast das Leben vor dir und betrachtete damit das Zusammenleben von Juden und Arabern aus der Innenperspektive. Denn auf kleiner Bühne, im Alltäglichen des Paris‘ der 1970er Jahre, können beide Parteien ohne Konflikte nebeneinander und miteinander leben. Das Buch ist nun in deutscher Neuübersetzung in der Edition Blau im Rotpunktverlag erschienen.

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Heiße Phase im Rennen um die Buchpreise hat begonnen

dbp17 Jury Christina Weiss buecherherbst buecherblog buchpreis

Die dbp17-Jury: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker (v.l.). (c) Christina Weiß

In den vergangenen Tagen ging das Rennen um verschiedene Buchpreise in die heiße Phase. Zunächst wurde die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 mit noch zwanzig verbliebenen Titeln bekannt gegeben. Jetzt liegt es an der Jury, hieraus die sechsbuchige Shortlist herauszupellen – und alle Leser dürfen spekulieren und über die Nominierungen diskutieren. „Während Juroren im Verborgenen um den besten Roman ringen, redet das Publikum am Spielfeldrand mit: besserwisserisch, kenntnisreich und leidenschaftlich“, kommentierte die Neue Zürcher Zeitung. Wer sich einen Eindruck von Autoren und Büchern des #dbp17 machen möchte, kann dies bei mehreren Blind-Date-Lesungen, die in der kommenden Woche starten. Einen Überblick zu den Terminen findet man hier: Literarische Blind Dates. Verliehen wird der Deutsche Buchpreis am 9. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

Wilhelm Raabe Literaturpreis buecherherbst bucherblogDarüber hinaus wurde kürzlich auch die Shortlist für den Wilhelm Raabe Literaturpreis verkündet – eine äußerst bedeutende, aber oftmals sehr im Schatten des großen Buchpreises stehende Auszeichnung, vergeben von Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig. Interessanterweise gibt es gleich zwei Überschneidungen zwischen Wilhelm Raabe Literaturpreis sowie Deutschem Buchpreis: Jonas Lüscher (Kraft) und Ingo Schulze (Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst) stehen auf beiden Listen, was zumindest für die Qualität der Bücher spricht, aber nicht unbedingt eine Auszeichnung garantiert.

Hotlist unabhängige Verlage Buecherherbst buecherblogVorgestern endete zudem die Abstimmungsphase für die Hotlist, den Publikumspreis für die unabhängigen Verlage. Im September wird die endgültige Zusammenstellung veröffentlicht. Die drei Bücher mit den meisten Stimmen der Onlineabstimmung sind sicher dabei, sieben weitere Bücher werden durch die Jury bestimmt.

Weitere Themen der vergangenen Tage in der Rückblende:

„Der österreichische Literat Franzobel (50), mit bürgerlichem Namen Franz Stefan Griebl, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis 2017 des Landes Niedersachsen.“ (3sat)

„Literatur als Deko-Soap: Wer sich heute durch Buchblogs und soziale Medien klickt, trifft auf ein bestimmtes Verhältnis zur Literatur: Wohlfühlen und Kitsch.“ (ZEIT Online)

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Gesucht: das beste Buch des Jahres

Logo Deutscher Buchpreis 2017 Buecherherbst BuecherblogInsgesamt 174 Bücher aus mehr als 100 Verlagen wurden gesichtet – jetzt stehen die Nominierten für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017 fest. Aus den verbliebenen 20 Autoren mit ihren Werken werden bis 12. September sechs Titel für die Shortlist ausgewählt, die ins finale Rennen um den #dbp17 gehen.

„Eine der wichtigsten Fähigkeiten von Literatur ist das Weiten unserer Welt. Das ist in Zeiten, in denen sich die Blickwinkel mehr und mehr zu verengen scheinen, besonders wichtig. Die Longlist 2017 ist Ausdruck des Versuchs, die Vielfalt der aktuellen deutschsprachigen Literaturlandschaft zu spiegeln. Auf ihr finden sich mit den Büchern unterschiedliche literarische Antworten auf das Leben, den Zustand der Welt, der Menschen: Politisches wie explizit Unpolitisches, traditionell Erzähltes wie Sprachzentriertes und Risikofreudiges, lyrisch Gewobenes wie realistisch Gestricktes“, begründete Jurysprecherin Katja Gasser vom Österreichischen Rundfunk die Auswahl (Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

Zunächst sollen folgend die Bücher kurz vorgestellt werden, anschließend – wie bereits im vergangenen Jahr – möchte ich anhand von Statistiken zu den Werken und ihren Autoren informieren. Doch zunächst zu den Nominierten (in alphabetischer Reihenfolge):

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Auf Büchersuche in Leipzig

Leipzig Buecherherbst Buecherblog Stadtbibliothek

Die Leipziger Stadtbibliothek.

In den vergangenen Tagen war ich zu Besuch in Leipzig und habe die Stadt etwas erkundet. Dabei wollte ich natürlich insbesondere schauen, welche Buchhandlungen die Stadt bereit hält.

Leipzig Buecherherbst BuecherblogWer am Hauptbahnhof ankommt, wird zunächst von der Buchhandlung Ludwig begrüßt. In einem außergewöhnlichen, historischen Ambiente im ehemaligen Preußischen Wartesaal gibt es rund 15.000 Bücher sowie Zeitungen, Kalender, Papeterie sowie Geschenkartikel zur Auswahl (Promenaden Hauptbahnhof).

Leipzig Buecherherbst BuecherblogDarüber hinaus finden sich in der Innenstadt mit Hugendubel, Lehmanns und Jokers (Im Petersbogen) drei weitere große Buchhandlungen, bei denen man auch auf das eine oder andere Schnäppchen hoffen darf.

Leipzig Buecherherbst Buecherblog Connewitzer VerlagsbuchhandlungWer auf der Suche nach einer kleinen, besonderen Buchhandlung ist, muss sich in einer der Seitenstraßen in den Specks Hof begeben, hier findet man seit 1995 die Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Diese wurde sowohl 2015 als auch 2016 als „hervorragende Buchhandlung“ mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Das Angebot ist vielseitig, so war ich durchaus erfreut, dass von einem meiner Lieblingsautoren, David Foster Wallace, gleich eine Auswahl von mehreren Taschenbüchern verfügbar war.

Leipzig Buecherherbst Buecherblog Antiquariat MarktplatzWer auf der Suche nach älteren Ausgaben ist, findet auch verschiedene Antiquariate vor. Besonders schön gelegen ist das Sächsische Auktionshaus & Antiquariat am Marktplatz im Alten Rathaus. Bereits vor der Tür kann man im Bücherregal sowie in mehreren Kisten nach günstigen Werken stöbern. Im Inneren erhält man neben antiquariatischen Büchern auch Kunstwerke, aber ebenso kompetente Beratung – ein Blick hinein lohnt also allemal.

Darüber hinaus erfuhr ich, dass sich nur eine Autostunde entfernt, in Quedlinburg, ein Laden mit „Accessoires für anonyme Bookaholiker“ befinden soll, also unternahm ich einen kurzen Ausflug nach Sachsen-Anhalt. Allerdings stellte sich vor Ort heraus, dass die Buch Bar kürzlich umgezogen ist (nach Zehna in Mecklenburg-Vorpommern). Immerhin fand in den früheren Räumen der Buch Bar ein Buchausverkauf statt, bei dem man jedes Exemplar für einen Euro erhielt. Außerdem steht im Innenhof ein Bücherschrank, beziehungsweise vielmehr eine gut bestückte Büchertelefonzelle. Wer die Buch Bar besuchen möchte, kann sich zugleich eine Übernachtung in einer ganz besonderen Umgebung gönnen, denn das neue Ladenlokal ist im ersten Bücherhotel Deutschlands (Gutshotel Groß Breesen) untergebracht. Hier wimmelt es nur so von Büchern, insgesamt stehen rund 300.000 Bücher zur Verfügung – und wer zwei Bücher mitbringt, darf sich eines aussuchen. Zum Schluss ein nicht ganz gewöhnlicher Veranstaltungstipp, den das Bücherhotel bietet: Anfang Oktober findet dort das Freunde-Wochenende statt. Hierbei kann man nicht nur in den Büchern schmökern, sondern auch gemeinsam die Bücherscheune aufräumen und neue Bücherregale bauen.