Welches ist das Sachbuch des Jahres?

Preis der Leipziger Buchmesse – Kategorie Sachbuch / Essayistik

lbm18 Logo Leipziger Buchmesse 2018 Buecherherbst BuecherblogGestern hatte ich die Nominierten zum #pdlbm18 in der Kategorie Belletristik vorgestellt, nun folgt eine Übersicht über die Nominierten in der Kategorie Sachbuch / Essayistik. Nachdem ich Leseproben, Inhaltsangaben und Rezensionen durchblättert hatte, hat sich ein klarer persönlicher Favorit herausgeschält: Gerd Koenen mit Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Begründet ist dies ganz einfach in meinem großen Interesse für politische Bücher. Zugleich halte ich den Kommunismus in der Denkweise Karl Marx‘ (nicht in der sowjetischen Umsetzung) für eine spannende Utopie, mit dem Ziel einer „klassenlosen“ Gesellschaft durch soziale Gleichheit und Freiheit für alle Menschen. 

Martin Geck – Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum

MArtin Geck Beethoven Nominierte Buchpreis pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog

Beethoven von Martin Geck

Inhalt: In charmanten wie kenntnisreichen Porträts erschließt Gecks ungewöhnliche Biographie die Vorbilder Beethovens, seine Zeitgenossen und Nachfahren: Welchen Einfluss hatten Shakespeare und Rousseau auf Ludwig van Beethoven, der keineswegs ein Wunderkind war? Welches Verhältnis pflegte er zu seinen Zeitgenossen wie Goethe, Napoleon und Schubert? Und wie wichtig war Beethoven seinerseits für Richard Wagner, Glenn Gould oder Aldous Huxley? Martin Geck spürt dem geheimnisvollen Geflecht der Beziehungen, Ideen und Motive nach, die in dem einzigartigen Werk kulminieren. Mit erzählerischer Leichtigkeit erschließt er so die universelle Bedeutung Beethovens und zeigt, wie zeitlos aktuell der Titan der Musik ist. (Siedler Verlag)

Leseprobe

„Nicht noch eine Beethoven-Biografie! Doch, unbedingt, und zwar genau diese hier! Denn fernab von schnöden Lebensdaten, nichtssagenden Kompositionschroniken, drögen Werkanalysen oder boulevardesken Spekulationen rund um das Thema der unsterblichen Geliebten setzt Martin Geck Beethoven in Bezug zu historischen Persönlichkeiten oder Zeitgenossen, die den Bonner Komponisten beeinflusst, wenn nicht gar geprägt haben, und spinnt den Faden dann wiederum weiter zu Komponisten und Kulturschaffenden, die dann von Beethoven beeinflusst und geprägt wurden.“ (Concerti)

„[Geck wird] sich in den musikwissenschaftlichen Vereinsheimen nicht beliebt machen. Aber darüber ist dieser freie Kopf längst hinaus. ‚Beethoven ist der Denker in Tönen schlechthin‘, sagt Geck, sein Nach-Denker. Womöglich ist das beste Buch zum anrollenden Beethoven-Jahr 2020 schon erschienen.“ (ZEIT Online)

„Eine klassische Biographie ist dies in keiner Weise. Ganz anders als gewohnt, aber nicht minder strukturiert (lässt man sich auf seine ‚Reise‘ ein), nähert sich Martin Geck dem Genie Beethoven. […] Dadurch gelingt Geck in bester Weise, den Leser nicht nur intellektuell, sondern auch emotional und mit tieferen Verständnisebenen an Person und Werk heranzuführen, was am Ende einen sehr befriedigten Eindruck nach einer sehr anregenden Lektüre hinterlässt.“ (Buch und Hörbuch Rezensionen)

Gerd Koenen – Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus

Gerd Koenen Farbe Rot Kommunismus Nominierte Buchpreis pdlbm18 Buecherherbst BuecherblogInhalt: In seiner meisterhaften Darstellung holt er den Kommunismus aus dem Reich der reinen „Ideen“ auf den Boden der wirklichen menschlichen Geschichte zurück. Er macht auf neue Weise plausibel, warum Marxismus, Sozialismus und Kommunismus eine naheliegende Antwort auf die vom modernen Kapitalismus erzeugten Umwälzungen waren – aber ebenso, wie und weshalb der „Kommunismus“ als politisches System in Russland wie in China und anderswo in Terror und Paranoia endete. Gerd Koenen schildert in seinem großen Buch die Geschichte des Kommunismus als untrennbaren Teil der Entwicklung menschlicher Gesellschaften. (C. H. Beck)

Leseprobe

„Und damit bleibt das Fazit, dass es sich, wie geschrieben, um ein sehr gründliches, sehr gut lesbares, sehr interessantes historisches Sachbuch handelt, dass sich für gerade die, die sich für die Materie interessieren und sich vielleicht noch nicht allzu kundig gemacht haben, wirklich lohnt. Da diese Buchbesprechung aber im Kontext dessen steht, dass „Die Farbe Rot“ auf der Shortlist für den Bayerischen Buchpreis 2017 steht, muss man halt auch sagen: Nein, für einen Buchpreis halte ich das Buch für viel zu wenig innovativ, und das auf allen Ebenen, leider eben auch inhaltlich.“ (54 books)

„Koenen ist mit Die Farbe Rot ein wahres Opus magnum gelungen. Man merkt dem Werk positiv an, wie viel Arbeit und Zeit in ihm steckt. Die Ursprünge des Kommunismus lassen sich sicher kürzer erzählen, aber kaum exakter. […] Auch das hohe literarische Niveau trägt dazu bei, dass das Buch gut lesbar geblieben ist.“ (H/Soz/Kult)

„So ist Koenens Buch zu einem Teleskop geworden, das ausgezogen werden muss, um den Blick auf die Oktoberrevolution 1917 und die wendungsreiche Geschichte der Sowjetunion freizugeben. Hat man sich erst einmal durch die mehr als tausend Seiten des Buchs durchgearbeitet, erscheint diese Herangehensweise durchweg plausibel. […] Koenen hat eine große Fähigkeit, auf den ausgetretenen Pfaden von Platon über Morus zu Adam Smith, von Spartakus über Thomas Müntzer zu Gracchus Babeuf eine Fülle von Beobachtungen auszubreiten, denen man sonst nicht begegnet.“ (Frankfurter Allgemeine)

Andreas Reckwitz – Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne

Andreas Reckwitz Gesellschaft Singularitaeten Suhrkamp Nominierte pdlbm18 Buecherherbst BuecherblogInhalt: Das Besondere ist Trumpf, das Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine und Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre. Ausgehend von dieser Diagnose, untersucht Andreas Reckwitz den Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, digitaler Technologie, Lebensstilen und Politik abspielt. Mit dem Anspruch einer Theorie der Moderne zeigt er, wie eng dieser Prozess mit der Kulturalisierung des Sozialen verwoben ist, welch widersprüchliche Dynamik er aufweist und worin seine Kehrseite besteht. Die Gesellschaft der Singularitäten kennt nämlich nicht nur strahlende Sieger. Sie produziert auch ihre ganz eigenen Ungleichheiten, Paradoxien und Verlierer. (Suhrkamp)

Leseprobe

„Dieses Buch über Die Gesellschaft der Singularitäten ist sicherlich in erster Linie für ein akademisches Publikum geschrieben worden; doch der Autor besitzt die seltene Fähigkeit, selbst einen wissenschaftlichen Text durch das Einstreuen von zahlreichen Beispielen sowie durch eine durchgehend anschauliche Sprache auch für den interessierten Laien verständlich und interessant zu formulieren.“ (Kulturbuchtipps.de)

„Ich fand Gesellschaft der Singularitäten leider stellenweise sehr banal, die überzeugendsten Passagen sind die über die ‚Kulturmaschine‘ Internet […] und ansonsten leider die, die Dinge referieren, die aus der Forschung zum Wertewandel schon längst bekannt sind.“ (54 books)

„Indem Andreas Reckwitz den Imperativ des Besonderen als Schlüssel zu einem umfassenden Verständnis der Spätmoderne erkennt, ist ihm eine beeindruckende synthetische Leistung gelungen. Mehr noch als in der Erfindung der Kreativität trägt er mit dieser Theorie der Moderne zur Erhellung unserer Tage bei.“ (Deutschlandfunk Kultur)

Bernd Roeck – Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance

Bernd Roeck Morgen der Welt Geschichte Renaissance Beck Nominierte pdlbm18 Buecherherbst BuecherblogInhalt: Die Renaissance war eine Revolution, die erst Europa und dann die ganze Welt für immer veränderte. In seinem grandios erzählten Buch entfaltet Bernd Roeck ein beeindruckendes Panorama dieser dramatischen Epoche. Zugleich erklärt er im Horizont der Globalgeschichte, wieso es in Europa zu dieser einzigartigen Verdichtung von weltbewegenden Ideen, spektakulären Entdeckungen und historischen Umwälzungen kommen konnte. Um die Wurzeln der Renaissance freizulegen, blickt Bernd Roeck weit ins Mittelalter und die Antike zurück – und weit über die Grenzen Europas hinaus. Mit analytischer Schärfe und darstellerischem Glanz lässt er die Epoche vor den Augen des Lesers auferstehen: die große Kunst, die unter Italiens Himmel entstand, und die Ideen der Humanisten ebenso wie die Religionskriege und die Anfänge der Unterwerfung fremder Erdteile. (Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung, C. H. Beck)

Leseprobe

Der Morgen der Welt ist ein großes, modernes Geschichtsbuch für unsere Zeit. Keine Studie, die sich wohlfeil auf schöne Künste und Bauten konzentriert, die jeder im Italienurlaub besichtigen kann. Vielmehr wird die ganze, globale Umwälzung in den Blick genommen, die nicht zufällig von Europa ausging.“ (Welt)

„Roecks Darstellung der Renaissance mag von ihren räumlichen und zeitlichen Grenzziehungen her irritierend sein, aber sie ist in sich kohärent und überzeugend – jedenfalls dann, wenn man den Begriff der Renaissance nicht wörtlich nimmt und ausschließlich auf die Wiedergeburt der Antike bezieht. Es ist ein Blick, der zu Entdeckungen und kursorischen Erkundungen einlädt.“ (ZEIT Online)

„Dass Hochkulturen nur für eine bestimmte Dauer entstehen, dass geistesgeschichtlich leuchtende Epochen zu Ende gehen, ist nicht nur eine selbstverständliche Einsicht dieses reichen Buches, sondern es lässt den Leser und die Leserin auch mit einem mulmigen Gefühl im Blick auf die in der Renaissance entstandenen Moderne zurück.“ (Deutschlandfunk Kultur)

Karl Schlögel – Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt

Karl Schloegel Sowjetische Jahrhundert Beck Nominierte pdlbm18 Buecherherbst BuecherblogInhalt: Der große Osteuropa-Historiker Karl Schlögel lädt mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Wir wussten immer schon viel darüber, wie „das System“ funktioniert, weit weniger über die Routinen des Lebens in außer gewöhnlichen Zeiten. Aber jedes Imperium hat seinen Sound, seinen Duft, seinen Rhythmus, der auch dann noch fortlebt, wenn das Reich aufgehört hat zu existieren. So entsteht, hundert Jahre nach der Revolution von 1917 und ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion, das Panorama eines einzigartigen Imperiums, ohne das wir „die Zeit danach“, in der wir heute leben, nicht verstehen können. Karl Schlögel ist dabei, wenn die Megabauten des Kommunismus eingeweiht und die Massengräber des Stalin’schen Terrors freigelegt werden. Er interessiert sich für Paraden der Macht ebenso sehr wie für die Rituale des Alltags, er erkundet die Weite des Eisenbahnlandes und die Enge der Gemeinschaftswohnung, in der Generationen von Sowjetmenschen ihr Leben zubrachten. Die Orte des Glücks und der kleinen Freiheit fehlen nicht: der Kulturpark, die Datscha, die Ferien an der Roten Riviera. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat das „Zeitalter der Extreme“ seine Spur hinterlassen. (Edition der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, C. H. Beck)

Leseprobe

„Sonst kann die Themenauswahl nur auf persönlichen Prioritäten beruhen. Wie eben bei Schlögels Buch, das er seiner Frau, der Publizistin Sonja Margolina, gewidmet hat. Es ist eines jener wunderbaren Büchern, in die man lesend hineinplumpst und hofft, es möge nicht enden.“ (taz)

„Karl Schlögel krönt sein publikationsreiches Werk über die verschiedensten Aspekte der sowjetischen Kulturgeschichte mit diesem Museumsführer durch die untergegangene Lebenswelt der Sowjetunion. Durch sie ‚flaniert‘ er – wie Walter Benjamin sagen würde – um gleich einem Archäologen einzelne ihrer Erscheinungsformen erspüren, aufzulesen, zu betrachten und zu einem Bildausschnitt der sowjetischen Kultur zusammenzufügen.“ (Deutschlandfunk Kultur)

„Anstatt eines Schlusses präsentiert Schlögel eine Vision. Er beschreibt ein ‚imaginäres Museum‘ der Sowjetunion, für das es seiner Meinung nach keinen passenderen Ort gibt als die verschlungenen Korridore der berüchtigten Lubjanka, des Hauptquartiers des Inlandsgeheimdienstes. Eine wahrhaft kühne Idee, die man sich nicht nur vorgestellt, sondern verwirklicht wünschte. Für deutsche Leser zumindest ist diese Idee nun in den imaginären Räumen, großflächigen Bildern, Reportagen und archäologischen Ausgrabungen dieses Buchs Wirklichkeit geworden.“ (ZEIT Online)

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Ein Kommentar zu “Welches ist das Sachbuch des Jahres?

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