Die Härte des Lebens spüren

Buchtipp: Tijan Sila – Tierchen Unlimited

Tijan Sila Tierchen unlimited kiwi Rezension Buecherherbst Buecherblog

Eindringlich, teils beklemmend erzählt Tijan Silas Roman Tierchen unlimited die Geschichte eines bosnischen Flüchtlings, der in der deutschen Provinz gelandet ist. Doch auch hier erwartet ihn die Härte der Welt.

Es entwickelt sich eine rasante, niederschmetternde aber zugleich amüsante Story am Rande der Psychose. Und fast nebenbei inseriert Sila regelmäßig gruselige Passagen über die Grauen des Kriegsalltags.

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Wenn Menschen zur Ware werden

Rezensionsexemplar: Andrej E. Skubic – Spiele ohne Grenzen

Andrej Skubic Spiele ohne Grenzen Voland Quist Rezension Buecherherbst Buecherblog neu2Viele Menschen sind inzwischen abgestumpft, wenn sie Meldungen über gekenterte Flüchtlingsboote lesen. Es gehört zum Alltag, ohne außergewöhnliche Beachtung zu finden. Das Drama erscheint weit weg. Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass vor allem auf der gefährlichen Route über das Mittelmeer gen Europa wöchentlich, vielleicht sogar täglich dutzende oder tausende Menschen sterben. Sie sitzen in völlig überfüllten, instabilen Booten, tragen qualitativ minderwertige Rettungswesten, die ihnen Hilfe im Überlebenskampf lediglich vorgaukeln. Es gibt keinen europäischen Plan, wie man das oftmals tödliche Überqueren des Meeres verhindern kann, beispielsweise durch wirkliche Hilfe und Aufklärung vor Ort. Stattdessen werden immer mehr und immer höhere verbale und rechtliche Mauern erbaut, um Europa vor den Flüchtlingen aus Afrika zu „schützen“. Eigentlich geht es vor allem darum, die eigenen Volkswirtschaften nur den Menschen offen zugänglich zu halten, die per göttlichem Glücksprinzip innerhalb der eigenen europäischen Staatsgrenzen geboren wurden.

Dass das Ende der Unmenschlichkeit innerhalb der Abschottungspolitik noch nicht erreicht sein muss, zeigt Andrej E. Skubic eindrucksvoll in Spiele ohne Grenzen. Während weiterhin fast täglich Menschen versuchen, aus Afrika per Boot in Richtung Europa zu gelangen, hat die Europäische Union das Flüchtlingsproblem privatisiert: Das heutzutage noch durchaus übliche Vorgehen vieler NGOs, die gekenterten Menschen zu retten und in einen sicheren europäischen Hafen zu bringen, ist in Skubics Novelle nur mit spezieller Konzession möglich und vor allem den Italienern vorbehalten. Alle Anderen gehen auf die Suche nach den übrig gebliebenen Leichen, um sie zusammen mit ihren Habseligkeiten aus dem Meer zu fischen – und damit wird dank lukrativer EU-Subventionen Geld verdient. Das Elend der Menschen wird ausgenutzt und die Profitgier auf die Spitze getrieben.

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Neues Jahr, neue Wunschliste [Frühjahr 2018]

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(c) Lupo/pixelio.de

Nach dem Luther-Jahr folgt das Marx-Jahr: Insbesondere die sachbuchorientierten Verlage veröffentlichen zu Jahresbeginn 2018 zahlreiche neue Bücher anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx am 5. Mai. Aber nicht weniger (bedeutende) Werke erscheinen anlässlich des 100. Geburtstages (18. Juli) von „Afrikas Lichtgestalt“, Nelson Mandela. Darüber hinaus gibt es Neuerscheinungen von Haruki Murakami, T.C. Boyle, Laksmi Pamuntjak; Thea Dorn wird politisch, Martin Walser schreibt weiter, Gregor Gysi bringt Marx mit in die heutige Zeit, Jutta Ditfurth warnt vor dem Faschismus und Peer Steinbrück belehrt die Sozialdemokratie.

Eine Linkliste zu den Verlagsvorschauen findet ihr hier:
Verlagsvorschauen im Überblick
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Es gab durchaus schon interessantere Verlagsvorschauen, als diese für das Frühjahr 2018. Nichtsdestotrotz findet man beim genauen Hinschauen zahlreiche spannende Neuerscheinungen. Gerade im Januar stehen einige Kracher an: Los geht es mit Arno Geigers Unter der Drachenwand. Es folgen Bernhard Schlink, Haruki Murakami und Navid Kermani.

Ich habe mich durch die Vorschauen gewühlt und eine neue Wunschliste für die kommenden Monate zusammengetragen. Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere auf den Themenfeldern Politik / Flucht / Europa, so dass auch das eine oder andere Sachbuch seinen Weg in die Wunschliste gefunden hat. Bei manchen Verlagen reicht die Vorschau gar bis in den Sommer hinein, so dass ich bereits längerfristig plane, jedoch im Laufe des Jahres sicherlich noch Ergänzungen hinzufügen werde.

Damit ich nicht zu viele Bücher kaufe, die am Ende auf dem SuB versauern, habe ich – mit einigen namhaften Ausnahmen – lediglich Bücher gewählt, die maximal 350/400 Seiten haben. Jetzt möchte ich euch zunächst einen Überblick über die Bücher auf meiner Wunschliste geben, folgend stelle ich dann die Bücher nochmals einzeln vor:

10. Januar: Arno Geiger – Unter der Drachenwand, 480 Seiten, Hanser
12. Januar: Bernhard Schlink – Olga, 320, Diogenes
22. Januar: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore I, 480, DuMont
26. Januar: Navid Kermani – Entlang den Gräben, 445, C.H. Beck
29. Januar: Leander Steinkopf – Stadt der Feen und Wünsche, 112, Hanser Berlin
29. Januar: T.C. Boyle – Good Home, 432, Hanser

20. Februar: André Kubiczek – Komm in den totgesagten Park und schau, 320, Rowohlt Berlin

1. März: Andrej Nikolaidis – Der ungarische Satz, 150, Voland & Quist
5. März: Vincent F. Hendricks, Mads Vestergaard – Postfaktisch. Die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien, 180, Blessing Verlag
8. März: Joschka Fischer – Der Abstieg des Westens, 176, Kiwi
9. März: Matthew Desmond – Zwangsgeräumt. Armut und Profit in der Stadt, 528, Ullstein
12. März: David Grossmann – Eine Taube erschießen, 128, Hanser
12. März: Imaani Brown – Hallo Deutschland, 256, Heyne
15. März: Matthias Göritz – Parker, 352, C.H. Beck
22. März: Slavoj Zizek – Das Kommunistische Manifest. Die verspätete Aktualität des Kommunistischen Manifests, 160, Fischer
27. März: Toni Morrison – Die Herkunft der Anderen, 112, Piper

10. April: Thea Dorn – Deutsch, nicht dumpf, 160, Knaus
11. April: Hermann Hesse – „In den Niederungen des Aktuellen“ (Briefe, 1933-1939), 750, Suhrkamp
13. April: Gregor Gysi – Marx & wir. Warum wir eine neue Gesellschaftsidee brauchen, 144, Aufbau Verlag
16. April: Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore II, 500, DuMont
26. April: Roberto Bolaño – Der Geist der Science-Fiction, 224, S. Fischer
26. April: Rüdiger Barth / Hauke Friederichs – Die Totengräber. Der letzte Winter der Weimarer Demokratie, 320, S. Fischer

2. Mai: Ralf Rothmann – Der Gott jenes Sommers, 260, Suhrkamp
11. Mai: Ingo Zamperoni – Anderland. Die USA unter Trump – ein Schadensbericht, 160, Ullstein
14. Mai: Ta-Nehisi Coates – We were eight Years in Power – Eine amerikanische Tragödie, 336, Hanser Berlin
17. Mai: Nelson Mandela – Briefe aus dem Gefängnis, 600, C.H. Beck
23. Mai: Jutta Ditfurth – Haltung + Widerstand, 144, Hoffmann & Campe

1. Juni: Alice Zeniter – Die Kunst zu verlieren, 560, Berlin Verlag
6. Juni: Stephen Parker – Bertolt Brecht, 1.000, Suhrkamp
24. Juli: Max Annas – Finsterwalde, 352, Rowohlt Hundert Augen Weiterlesen