Büchertipps statt Böllerwahn

Buchtipps BuecherstattBoeller Buecherherbst BuecherblogEs ist kein Geheimnis, dass ich nicht viel von der ganzen Böllerei rund um Silvester halte. Abgesehen von den Gefahren (#illegaleBöller) einerseits sowie der Vorstellung andererseits, wie viele sinnvolle Projekte man mit diesem ganzen verfeuerten Geld unterstützen könnte, verstehe ich ohnehin nicht, warum in einer ganzjährig lauten Welt das Jahresende mit einem noch lauterem Knall beendet respektive das neue Jahr begonnen werden sollte. Warum kann nicht einfach die Ruhe gefeiert werden? Anstatt zu Jahresbeginn Kraft zu tanken, um wichtige oder schöne Vorhaben anzugehen, wird in Übermaß Geld ausgegeben für wenige Sekunden „Spaß“.

Für alle Menschen, die sich das Geld gespart haben und lieber das Neue Jahr mit guten Büchern beginnen möchten, habe ich ein paar Buchtipps für den Start in 2018. In einer immer stärker politisierten Welt – und auch einer stark politisierten und polarisierten deutschen Gesellschaft – sind meine Empfehlungen ebenfalls durchaus politisch. Was die Bücher sowie den Jahreswechsel eint: Ein Neuanfang hält viele neue Chancen bereit.

Robert Menasse – Die Hauptstadt

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(c) Suhrkamp

Beginnen möchte ich mit dem besten Roman des Jahres – und das nicht nur, weil er mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet wurde: Robert Menasses Die Hauptstadt (Europa am Scheideweg: Utopie oder Ruine). So leidenschaftlich wie der österreichische Autor hat zuvor niemand in Romanform für Europa geworben. Das auf Ewigkeit angelegte Friedensprojekt befindet sich fraglos in seiner schwersten Phase der Nachkriegszeit. Menasse zeigt das schwerfällige Europa und lässt zugleich von einer progressiven Zukunft Europas träumen.

Carolin Emcke – Gegen den Hass

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(c) S. Fischer

Ebenfalls von herausragender Bedeutung in der heutigen Zeit ist der Umgang mit Hass, egal ob anonym im Netz oder offen auf der Straße. Carolin Emcke, ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016, hinterfragt in Gegen den Hass, warum all der Hass gegen Andersdenkende, Alternativlebende, gegen Flüchtlinge oder religiöse Minderheiten entsteht, und verteidigt die offene Gesellschaft. „Es gilt zu mobilisieren, was den Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel“, so Emcke.

Andrej E. Skubic – Spiele ohne Grenzen

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(c) Voland & Quist

Eine bislang eher unbekannte literarische Stimme ist der Slowene Andrej E. Skubic. Kürzlich wurde sein Buch Spiele ohne Grenzen übersetzt und in Deutschland veröffentlicht. Hierin beschäftigt sich der Autor in einer durchaus dystopischen Erzählung mit dem Fortgang der Flüchtlingskrise und wie Schlepperbanden ein verheerendes Geschäftsfeld daraus machten: „Während die einen Leichen aus dem Meer sammeln, um diese und deren Habseligkeiten zu Geld zu machen, begeben sich die anderen zu den gekenterten Flüchtlingsbooten, um die Überlebenden als billige Arbeitskräfte zu verkaufen — beides wird von der EU subventioniert. Und dann gibt es noch jene, die illegalerweise versuchen, die Geflüchteten sicher an ihre Ziele zu bringen.“ (Voland & Quist)

Ulrike Guérot – Der neue Bürgerkrieg

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(c) Ullstein

Etwas martialisch kommt der Titel von Ulrike Guérots Essay zur Krise Europas daher: Der neue Bürgerkrieg. Dabei geht es der unbestritten fachkundigen Politikwissenschaftlerin – sie ist zugleich Direktorin des European Democracy Labs sowie Professorin und Leiterin des Departments für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems – gar nicht um den beim Buchtitel durchaus naheliegend zu vermutenden „Kampf der Kulturen“, sondern vielmehr um eine dezidierte Forderung für einen europäischen „Neuanfang“, um der von Rechten geforderten Rückkehr des Nationalismus entgegen zu treten: „Dem gemeinsamen Markt und der gemeinsamen Währung muss endlich eine gemeinsame europäische Demokratie folgen. Nur so können wir das weltoffene Europa bewahren.“ (Ullstein Buchverlage)

Hennette / Piketty / Sacriste / Vauchez – Für ein anderes Europa

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(c) C.H. Beck

In eine ähnliche Richtung geht das Autorentrio Stéphanie Hennette, Thomas Piketty, Guillaume Sacriste und Antoine Vauchez in ihrem Aufruf Für ein anderes Europa. Sie verlangen einen europäischen Neuanfang mithilfe eines Vertrages, der eine wirkliche parlamentarische Vertretung der Menschen schaffen, die Bürger mit einbinden und „den Interessen der Mehrheit Gehör […] verschaffen“ würde und hierdurch das „Auseinanderdriften Europas“ gestoppt werden könnte – „für ein anderes, ein optimistisches Europa.“ (C.H. Beck)

 

 

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