Worte, die Hoffnung machen

Barack Obama Worte Rezension Buecherherbst BuecherblogVorstellungskraft, Visionen und Mut, aber zugleich Arbeitswillen – diese Werte forderte Barack Obama stets von den Menschen, vornehmlich natürlich von der amerikanischen Bevölkerung, aber auch von der Welt. „Unsere Köpfe sind nicht weniger erfindungsreich, unsere Güter und Dienstleistungen werden nicht weniger benötigt als vorige Woche oder vorigen Monat oder voriges Jahr. Unser Leistungsvermögen ist unvermindert. Aber die Zeit, in der wir uns Änderungen verweigerten, in der wir kleinliche Interessen verteidigten und unangenehme Entscheidungen aufschoben – diese Zeit ist mit Sicherheit vorbei. Ab heute müssen wir aufstehen, den Staub abklopfen und mit der Arbeit beginnen, Amerika zu erneuern“, verlangte Obama von seinen Landsleuten in seiner Antrittsrede 2009.

Seine Reden sind stets voller Optimismus, aber auch mit einem klaren Blick auf die Realitäten der Menschen und des Landes. Er wollte Hoffnung verbreiten. Jeder sollte wieder an den amerikanischen Traum glauben, dass der Aufstieg für alle Bürger möglich ist. Betrachtet man Barack Obamas Reden aus heutiger Sicht, wirken sie angesichts des Handelns seines Nachfolgers wie aus der Zeit gefallen, aus einer anderen Dekade – und zugleich als Hoffnung auf die Zukunft. Seine bedeutendsten Reden sind jetzt in einem Band „Barack Obama – Worte müssen etwas bedeuten“ zusammengefasst.

Bereits auf dem Nominierungsparteitag der Demokratischen Partei 2004 hob er die Bedeutung hervor, es als Kind eines Einwanderers nach ganz oben in das wichtigste Amt des Landes geschafft zu haben – es impliziert, dass es jeder und jede schaffen kann, seine Träume zu verwirklichen. Es dürfte die größte Gemeinsamkeit der Menschen sein, während die amerikanische Gesellschaft Mitte der 2000er Jahre – genauso wie heute wieder – tief gespalten war. Deshalb wollte Obama die Gesellschaft und die Weltgemeinschaft wieder versöhnen: „Unser Bund wird dann vollkommen sein, wenn wir begreifen, dass unsere Geschichten unterschiedlich sein mögen, wir aber dieselben Hoffnungen teilen; dass wir vielleicht verschieden aussehen und unterschiedlicher Herkunft sind, aber das Gleiche wollen: eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkel.“

Im Angesicht von Hass und Gewalt bringen wir einander Liebe entgegen. Wir werden uns weder von Angst beherrschen lassen, noch werden wir uns voneinander abwenden. Wir stehen vielmehr geeint, als Amerikanerinnen und Amerikaner, um unsere Bürger zu schützen, unser Land zu verteidigen und gegen jede vorzugehen, die uns bedrohen.

Auf dieser Grundlage fußte Obama seine klare Haltung gegen Diskriminierung und Rassismus: „Insofern waren Pastor Wrights Bemerkungen nicht nur falsch, sondern stiften Uneinigkeit in einer Zeit, wo Einigkeit nötig ist; sie waren aufgeladen mit rassischen Vorurteilen in einer Zeit, in der wir zusammenfinden müssen, um eine Reihe großer Probleme zu lösen […]; lauter Probleme, die weder Schwarze noch Weiße, weder Asiaten noch Hispanics betreffen, sondern Probleme, die uns alle angehen.“

Obama wollte Brücken bauen zwischen den Welten, den Kulturen und den Religionen. In seiner Rede an die muslimische Welt in Kairo 2009 forderte er, der Kreislauf der gegenseitigen Verdächtigungen müsse enden – die Forderung ist auch heute aktueller denn je. Gemeinsamkeiten müssten in den Vordergrund rücken. Ein Neuanfang müsse eingeläutet werden.

Wie dies gelingen könne, deutete er in seiner Berliner Rede an: Amerika und Deutschland hatten eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Schicksal – und zugleich ging aus dieser früheren erbitterten Feindschaft eine Gemeinschaft hervor, die für Stabilität im Gefüge der Weltpolitik sorgte: „Schaut auf Berlin, wo die Entschlossenheit eines Volkes auf die Großzügigkeit des Marshallplans traf und das Wirtschaftswunder ermöglichte, wo der Sieg über eine Tyrannei die NATO, die großartigste Allianz, die je zur Verteidigung unserer gemeinsamen Sicherheit geschaffen wurde, entstehen ließ.“ Dieses Zusammenstehen beruhe auf einem unverrückbaren Wert: der gemeinsamen Menschlichkeit. So erscheinen seine Worte, die er vor ungefähr zehn Jahren äußerte, im heutigen Licht als Antwort auf Donald Trumps „America first“. Denn keine Nation – gleichgültig wie groß und mächtig sie auch sei – könne diese Herausforderungen allein bewältigen. „Deshalb kann sich Amerika nicht nur mit sich selbst beschäftigen.“ Es war stets das globale Denken, die Weitsicht, die Obamas Handeln prägte und auch sein Vermächtnis bleiben wird. Gerade in Zeiten, in denen die transatlantische Freundschaft offen in Frage gestellt wird, erscheinen seine Worte in einem hellen Licht.

Die Vereinigten Staaten sind ein Freund jedes Landes, jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes, wenn sie eine Zukunft in Frieden und Würde möchten […].

Bei allem pflichtbewussten Handeln im Sinne Amerikas, blieb trotzdem stets ein Platz für Kritik an seinem Amt und seinem eigenen Handeln. So erkennt er nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn an und spricht es auch aus, dass es durchaus widersprüchlich erscheinen mag, dass der Befehlshaber der größten Armee der Welt einen Friedenspreis erhalte. Jedoch versucht er nicht, diesen Widerspruch aufzulösen. Vielmehr verfällt er in die amerikanische Logik: Krieg und militärische Interventionen seien ein legitimes Mittel, den Frieden zu sichern und die Freiheit zu stärken. Sicherlich lassen sich bewaffnete Konflikte nicht immer allein durch Diplomatie und Gespräche lösen, doch sollte ein militärisches Eingreifen stets die allerletzte Möglichkeit darstellen. In den USA steht sie allerdings regelmäßig in oberster Reihe auf dem Tableau der Optionen. Zugleich wird insbesondere auf dem militärischen Feld klar, welche Ziele Obama während seiner Amtszeit deutlich verfehlt hat, beispielsweise die frühzeitig von ihm angekündigte Schließung Guantanamos.

Die Regeln müssen verpflichtend sein. Verstöße müssen geahndet werden. Worte müssen etwas bedeuten.

„Worte müssen etwas bedeuten“ lautet der Untertitel des Buches. Barack Obamas Worte haben etwas bedeutet – den Minderheiten, den Abgehängten, den Freunden, aber auch den vormaligen Feinden, wie Kuba. Die Worte hatten Bedeutung für die Menschheit. Obama wusste um seine Macht und die Macht seiner Worte. Er hat sie abgewogen gewählt und trotzdem Klartext geredet. Er hat versucht, mit ihnen zu versöhnen, für die Freiheit der Menschen, der Meinung und der Gedanken einzustehen; für Frieden und Menschenwürde. Seine Worte hallen nach. Umso düsterer die Zeit erscheint, die nach ihm anbrach, desto wichtiger war seine Haltung. Barack Obama konnte mit seinen Worten und Taten die Welt nicht von allem Übel befreien. Doch wir sollten uns seine Worte immer und immer wieder vor Augen führen, denn sie können zumindest eins: Hoffnung geben, dass die Welt gemeinschaftlich auch schwierige Zeiten übersteht und gestärkt aus den Prüfungen, die ihr gestellt sind, hervorgeht.

Gewalt ist eine Sackgasse. Es ist weder ein Zeichen von Mut noch von Macht, Raketen auf schlafende Kinder zu schießen oder einen Bombenanschlag auf alte Frauen in einem Bus zu verüben. So erlangt man keine moralische Autorität; so gibt man sie auf.

 

Die von Menschen wie Gandhi oder King praktizierte Gewaltlosigkeit mag nicht in jeder Situation durchführbar oder möglich sein, aber die Liebe, von der sie sprachen, ihr unerschütterlicher Glaube an den menschlichen Fortschritt – das muss der Polarstern sein, der uns auf unserer Reise leitet.

Advertisements

4 Kommentare zu “Worte, die Hoffnung machen

    • Da kann ich nicht widersprechen. Und durch den unmittelbaren Vergleich erscheint Obama als noch viel großartigerer Staatsmann – auch wenn man ihn nicht kritiklos vergöttern sollte. Wirklich herausragende Reden sind hier zusammengetragen, die ich zumindest so gar nicht alle wahrgenommen hatte, obwohl ich politisch überaus interessiert bin.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s