„Nullkomfort und skurrile Begegnungen“

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(c) Dorothea Jacob/pixelio.de

Neue Woche, neue Bücher. Auf der Suche nach lesenswerten Neuerscheinungen habe ich wieder einmal die Rezensionen der vergangenen Tage durchblättert – meine Wunschliste wird einfach nicht kürzer. Falls ihr auch auf der Suche nach neuem Lesestoff seid, hier eine Auswahl an Rezensionen der vergangenen Tage:

„Jeder Mensch ist in einen Weltbürgerkrieg verwickelt. In seinem Buch Stasis geht der Philosoph Giorgio Agamben auf die Ursprünge von Bürgerkriegen ein – zurück bis in die Antike.“ (Deutschlandradio Kultur)

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Wigald Boning (c) Helen Krüger (Own work) [CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons]

„Mehr als ein halbes Jahr, von August bis März, hat der bekannte TV-Entertainer Wigald Boning draußen im Zelt an allen möglichen Orten und Un-Orten übernachtet. Er hat sich dem Wetter, Nullkomfort und skurrilen Begegnungen ausgesetzt. Seine Abenteuer beschreibt er in dem Buch Im Zelt. Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen“ (NDR)

„Hier ist theoretischer Jargon Programm: Judith Butler zerbricht sich den Kopf über öffentliche Versammlungen und entdeckt eine Verkörpertheit des Volkes. Gibt es irgendjemanden, der das versteht?“ (Frankfurter Allgemeine) Weiterlesen

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Vielleicht nur ein Missverständnis

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(c) Thommy Weiss/pixelio.de

Preisgekrönt. Dieses Attribut weckt Erwartungen. Immerhin sagt es aus, dass eine zumeist fachkundige Jury es für besonders ausgezeichnet und deshalb auszeichnungswert hält. Nicht anders ist es auch beim Deutschen Buchpreis. Die Jury stellt aus zahlreichen eingereichten Werken eine Longlist auf, extrahiert eine sechsbüchige Shortlist und kürt hieraus einen Preisträger. Es spricht also eine Menge dafür, sich diesem Buch hinreichend hinzugeben. Doch manchmal endet es auch in einem Missverständnis: Der Autor erreicht den Leser nicht, der Leser versteht den Autor nicht.

In diesem Jahr wurde die Ehre des Buchpreises Bodo Kirchhoff mit seiner Novelle Widerfahrnis zuteil. Grund genug, sich dem Werk zu nähern – immerhin wurde es schon vorab im Feuilleton gefeiert: „mitreißend“, „virtuos“, „Wahnsinnsbuch“. Bis zum Schluss bleibt es jedoch ein Rätsel, wieso die Geschichte nicht richtig zu verfangen weiß. Kirchhoff gibt neben seiner Autorentätigkeit selbst Schreibkurse. Er sollte also wissen, wie man den Leser in eine Erzählung hineinzieht. Weiterlesen

Rezensionen im Feuilleton

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(c) Lupo/pixelio.de

Jede Woche erscheinen zahlreiche neue Bücher. Sie alle zu kaufen, geschweige denn zu lesen, ist (eigentlich) unmöglich. Deshalb suche ich mir stets die für mein Leseinteresse spannendsten Neuerscheinungen aus den Vorschauen heraus und packe sie auf meine Wunschliste. Um einen groben Überblick und auch andere Einschätzungen zu erhalten, lese ich mir immer einige Rezensionen durch. Falls ihr auch auf der Suche nach neuem Lesestoff seid, hier eine
Auswahl an Rezensionen der vergangenen Tage:

Geister Nathan Hill Rezension Buecherherbst Buecherblog Piper

(c) Piper

„Gespenstisch nah an Amerikas Wirklichkeit: Geister von Nathan Hill, aus dem Englischen von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence“ (NDR)

„Von Leben, Tod und Fusselrollern: Don DeLillo wird am Sonntag 80 Jahre alt. Und ist noch immer auf der Höhe der Zeit, wie sein neuer Roman Null K eindrucksvoll zeigt.“ (Frankfurter Rundschau)

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Vorlesen macht Kinder glücklich

Vorlesetag ZEIT Stiftung Lesen DB Stiftung Buecherherbst BuecherblogWenn Kinder ein schönes Buch vorgelesen bekommen, fördert dies ihr Sprachverständnis, animiert dazu selbst Bücher zu lesen und macht die Kinder einfach glücklich. Deshalb ist es so wichtig, dass alljährlich der bundesweite Vorlesetag von Stiftung Lesen, ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung stattfindet.

Vorlesen Buecherherbst Buecherblog Lesepreis Rolf Kühnast_pixelio.de

(c) Rolf Kühnast/pixelio.de

In diesem Jahr war es vergangenen Freitag wieder soweit und die Veranstalter konnten einen neuen Rekord bejubeln: Insgesamt nahmen 134.564 Vorleser an diesem wichtigen Aktionstag teil, darunter auch zahlreiche Prominente, wie die Autoren Thees Uhlmann und Paul Maar, die Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble, Manuela Schwesig und Andrea Nahles sowie die Journalistinnen Marietta Slomka und Linda Zervakis. „Dies ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass das Vorlesen ein fester Bestandteil im Alltag eines jeden Kindes sein sollte, am besten mindestens 15 Minuten jeden Tag“, erläuterte Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen (Quelle: Neuer Rekord). Teilnehmerstärkstes Bundesland war übrigens Nordrhein-Westfalen mit herausragenden 34.660 Vorlesern, gefolgt von Bayern (24.613) und Hessen (10.241).

„Warum Vorlesen so wichtig ist“ (NDR)

„Schon klar, Geschichten vorlesen ist wichtig. Es fördert die Fantasie von Kindern und trägt zur Bildung bei. Die Frage ist nur: Interessiert das heutzutage überhaupt noch jemanden?“ (Süddeutsche Zeitung)

„Lesepaten wecken schon bei den Kleinsten die Lust an der Literatur“ (Schwäbische)

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

Lucky Luke wird 70 - Buecherherbst Buecherblog Presseschau Rueckblende

Lucky Luke, Ankara Amusement Park (c) Nevit Dilmen (Own Photograph) [GFDL or CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons]

„Der Mann, der schneller schießt als sein Schatten. Comic-Held Lucky Luke wird 70. Das Erste Magazin erscheint Mitte November 1946.“ (Frankfurter Rundschau) Weiterlesen

Zehn Fragen zu Büchern – und meine Antworten

Wenn man nach dem aktuellen Lieblingsbuch gefragt wird, hat man zumeist schnell eine Antwort aus dem Stapel der in den vergangenen Monaten gelesenen Bücher parat. Schwieriger wird es hingegen, die eigene Lesehistorie oder Lesegewohnheiten zu hinterfragen, um hier zu Antworten zu gelangen (Welches ist das erste Buch, das man bewusst gelesen hat? Welches Buch möchte man unbedingt noch lesen, ist aber noch nicht dazu gekommen?).

Der Literaturblog Sätze & Schätze hat einmal zehn Fragen zu Büchern zusammengetragen, die teils gar nicht so einfach aus dem Stegreif zu beantworten sind – und damit viel Freude bereiten, einmal über das eigene Leseverhalten nachzudenken. Hier also die Fragen mit meinen Antworten:

1) Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?
friedhof-der-kuscheltiere-stephen-king-buecherherbst-buecherblogAus Erzählungen weiß ich, dass ich in später Kindheit einen Band mit Märchen der Brüder Grimm immer und immer wieder gelesen habe, doch bin ich mir nicht sicher, ob sich das Bewusstsein darüber allein aus dem Erzählten oder dem Erlebten speist. Deshalb ist für mich Stephen Kings Friedhof der Kuscheltiere das erste bewusst gelesene Buch. Es war der Übergang zwischen Kindheit und Jugend, und ich sollte das Buch eigentlich nicht lesen. Ich sei noch zu jung für diese Horrorgeschichte, meinten meine Eltern. Doch es hat mich einfach in den Bann gezogen – und auch für die eine oder andere schlaflose Nacht gesorgt.

samuel-beckett-warten-auf-godot-buecherherbst-buecherblog2) Das Buch, das Deine Jugend begleitete?
Im Deutschunterricht unternahmen wir im Lehrplan einen Kurzausflug in das Absurde Theater und lasen – natürlich – Warten auf Godot von Samuel Beckett. Ich war von Beginn an fasziniert und habe es dutzende Male gelesen. Bis heute gehört es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

3) Das Buch, das Dich zum Leser machte?
siegfried-lenz-deutschstunde-buecherherbst-buecherblogBis heute ist Siegfried Lenz mein Lieblingsautor, weshalb ich ihm auch die Anerkennung zuschreiben würde, mich zum Leser gemacht zu haben. Durch den Erzählstil, das sprachliche Spiel und dieses zentrale, wichtige Thema der Nachkriegsliteratur hat Deutschstunde mich beim ersten Lesen begeistert und kann dies noch bis heute.

goethe-faust-buecherherbst-buecherblog4) Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast?
Hier dürfte es sich um ein Kopf-an-Kopf-Rennen handeln zwischen Becketts Warten auf Godot sowie Goethes Faust. Selbstverständlich habe ich weder den ersten und erst recht nicht den zweiten Faust zunächst freiwillig gelesen, sondern als Schullektüre. Doch wusste Mephisto eine solche Faszination auf mich auszuüben, als Abbild der inneren menschlichen Zerrissenheit, als Spiegelbild der Versuchung, dass ich Faust I immer und immer wieder zur Hand genommen habe. (Hinzu kam eventuell auch noch eine sehr gute Benotung für eine Klassenarbeit zum Thema der Charakterisierung Mephistos.)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA5) Das Buch, das Dir am wichtigsten ist?
Es ist gar nicht so einfach, zu sagen, wann ein Buch wichtig ist; und welches dieses Attribut besonders verdient. Deshalb nenne ich ein Buch, welches ich in meiner Kindheit oftmals vorgelesen bekam und auch heute regelmäßig hervornehme, um zum einen wieder ein Stück weit das Gefühl des Kindseins hervorzuholen; zum anderen, weil ich der Meinung bin, dass die Aussage des Buches, über das Wunder und den Sinn des Seins nachzudenken, niemals an Aktualität verlieren wird – insbesondere in schweren Zeiten, in denen manche Menschen meinen, ihr Sein sei wertvoller als das eines anderen. Deshalb ist mir Antoine de Saint-Exupérys Meisterwerk Der kleine Prinz am wichtigsten.

david-foster-wallace-unendlicher-spas-buecherherbst-buecherblog6) Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?
Ganz eindeutig: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace. Ich habe das Buch mehrfach begonnen zu lesen, mehrfach gelesen. Allein der Umfang beeindruckt schon. Und ich bin bis heute nicht sicher, ob ich wirklich alle Zusammenhänge, alle Verweise, alle sprachlichen Kniffe verstanden habe.

steinaecker-verteidigung-des-paradieses-buecherherbst-buecherblog7) Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?
Mit einer solchen Einschätzung habe ich ein wenig Probleme. Denn dieses Buch sollte zwei Kriterien erfüllen: 1) hochgejubelt worden sein; 2) mir absolut nicht zusagen. Ein aktuelles Buch, das beides zumindest im Ansatz erfüllt, ist Die Verteidigung des Paradieses von Thomas von Steinaecker. Das erste Kriterium erfüllt das Buch dadurch, dass es auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2016 stand. Das zweite Kriterium erfüllt es immerhin bedingt, zumindest zählt es zu den Büchern, von denen ich im Nachhinein am meisten enttäuscht war.

karl-marx-das-kapital-buecherherbst-buecherblog8) Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?
Eine genaue Begründung kann ich dafür nicht finden, aber sollte ich einmal viel Zeit haben, möchte ich Karl Marx‘ Das Kapital (alle Bände) lesen.

9) Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?
Das Gefühl der Angst kann in Bezug auf ein Buch durchaus verschiedentlich ausgelegt werden, weshalb ich die Variante wähle, beim Lesen welchen Buches ich am meisten Angst empfand. (Denn ansonsten müsste ich wohl wieder Unendlicher Spaß anführen.) Deshalb ist es in meinem Fall Die Blutlinie von Cody McFadyen. cody-mcfadyen-blutlinie-buecherherbst-buecherblogIch las das Buch in einem Urlaub, den ich mit einem Freund in Florida verbrachte. Wir hatten uns ein Haus gemietet. Ich saß abends auf der Veranda, er war unterwegs. Draußen hörte man größere Tiere durch den dunklen Garten streifen, in der Nachbarschaft wurden schon des Öfteren Alligatoren gesichtet. Es war eine fremde, unheimliche Atmosphäre, die mich immer wieder beim Lesen der brutalen Story hat aufschrecken lassen – ich kann mich an kein anderes Leseerlebnis erinnern, das mir eine solche Angst gemacht hat.

Kermani Fluechtlinge Einbruch der Wirklichkeit Buecherherbst Buecherblog10) Das Buch, das Du gern selbst geschrieben hättest?
Einbruch der Wirklichkeit von Navid Kermani. Unabhängig von Kermanis scharfsinniger Beobachtungsgabe und dass er ein großartiger Schriftsteller ist, hätte ich gerne auch den Mut, all diesen Menschen mit ihren persönlichen Dramen und Schicksalsschlägen auf ihrem beschwerlichen Marsch in Richtung Sicherheit und Freiheit in die Augen zu schauen. (Ok, es gehören natürlich auch noch ein paar andere Umstände dazu, ein solches Unterfangen zu unternehmen.)

Die Vorschauen durchstöbern

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(c) Lupo/pixelio.de

In der herbstlichen Zeit, wenn es früh dunkel oder den Tag über gar nicht erst hell wird, macht es besonders viel Spaß, in den Verlagsvorschauen nach Neuerscheinungen zu stöbern. Ich habe nun einmal die Liste der Verlagsvorschauen aktualisiert, so dass man nun bis zum Frühjahr 2017 suchen kann:

Atlantik Verlag

Aufbau Verlag

Berlin Verlag

Blanvalet

btb

C. Bertelsmann

Diogenes

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Das Lieblingsbuch nominieren

lovelybooks-leserpreis-buecherherbst-buecherblog-buchpreis-nominierung

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis hatte nicht nur für Überraschungen gesorgt, sondern auch zu Kontroversen geführt: Fehlten nicht einige herausragende Titel? Waren wirklich alle Nominierten preiswürdig? Die Zweifel an der Juryauswahl waren allerdings nicht überraschend, schließlich hat jeder Leser den eigenen Favoriten, der gefälligst nominiert werden sollte und nach Möglichkeit auch auf die Shortlist gehörte. Beim LovelyBooks Leserpreis sind solche Diskussion von vorneherein ausgeschlossen – denn hier haben die Leser es selbst in der Hand: Noch etwas mehr als vier Tage gibt’s hier die Möglichkeit, die eigenen Favoriten unter den Neuerscheinungen in insgesamt 14 verschiedenen Kategorien zu nominieren.

In der anschließenden Abstimmungsrunde kann dann unter den 35 am meisten nominierten Büchern pro Kategorie ausgewählt werden. Die Bekanntgabe des Preisträgers ist am 24. November. Hier kann man die eigenen Lieblingsbücher mit ins Rennen schicken: Nominiere jetzt deine Lieblingsbücher des Jahres.

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

Verleger machen Brief an Bildungsministerin Wanka: »Wir stehen offenbar im Weg«“ (Boersenblatt) Weiterlesen