Nachhaltigkeit im Buchhandel

Ende Plastiktüten EU EP

Schluss mit gratis! Was sich zunächst wie eine verbraucherunfreundliche Einschränkung anhört, verfolgt ein sinnvolles Ziel: Plastiktüten tragen immens zur Umweltverschmutzung bei, da sie sich kaum zersetzen und ihre Überreste von Tieren gefressen werden – mit zumeist tödlichen Folgen. Deshalb sollen Plastiktüten zukünftig aus dem Buchhandel verschwinden beziehungsweise nicht mehr kostenfrei abgegeben werden. Hiermit wird die Aktion zur freiwilligen Selbstverpflichtung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unterstützt. „Der Börsenverein begrüßt die Initiative des HDE, denn eine Selbstverpflichtung lässt den einzelnen Händlern ausreichend Spielraum, sich in dieser Frage verantwortungsbewusst zu positionieren. Schon heute handelt der stationäre Buchhandel dabei vielerorts vorbildhaft“, berichtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Ausgangspunkt ist ein Gesetz des Europäischen Parlaments, das dem „verschwenderischen Verbrauch von Kunststofftüten“ [EP] entgegen wirken soll. Eine Praxisuntersuchung für das Jahr 2010 habe gezeigt, dass jeder EU-Bürger 198 Plastiktüten genutzt hat – ein beachtlicher Wert. Kritisch sieht der Börsenverein allerdings die etwas einseitige Betrachtung des Problems: „Der Versand- und Online-Handel bringt große Massen Verpackungsmüll aus Kunststoff in Umlauf. Will man Plastikmüll reduzieren, sollte auch das zum Thema werden“, erläutert Kyra Dreher, Geschäftsführerin des Sortimenter-Ausschusses in der Mitteilung des Börsenvereins.

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Ein verträumtes Ich

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGetrieben von Schicksalsschläge, wie den frühen Tod seines Vaters, seiner Mutter und dem eines seiner Kinder sowie der Scheidung von seiner Frau, gibt Frank Bascombe eine hoffnungsvolle Karriere als Autor auf. Schluss mit literarischer Ambition, bevor sie richtig beginnen konnte. Stattdessen nimmt er ein Jobangebot als Sportreporter an. Von nun an berichtet er vielmehr von den Schicksalsschlägen anderer Menschen. Pulitzer-Preisträger Richard Ford hat in inzwischen vier Büchern von seinem literarischen Alter-Ego Frank Bascombe erzählt (außerdem: Unabhängigkeitstag, Die Lage des Landes und Frank) und wie dieser durch’s Leben balanciert, stets in den Abgrund blickend. Den Anfang der Reihe machte er mit Der Sportreporter (1986).

Protagonist Frank ging nach dem Tod des Vaters auf eine Militärschule, wo er in seiner Jugend auf Gehorsamkeit sozialisiert und Schwäche stets als Makel angesehen wurde. Erst nach der Scheidung von seiner Frau sah er die ironische Seite des Lebens: „Die Sorgen anderer Leute wurden für mich zur Quelle von Belustigung und hämischen Spott, die ich mir nachts in Erinnerung rief, um mich besser zu fühlen“. Weiterlesen

Wem steht die Urheberpauschale zu?

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(c) H.D.Volz/pixelio.de

Wer ein Buch veröffentlichen möchte, sucht sich oftmals hierfür einen Verlag, der für den Autor Lektorat, Werbung und Vertrieb übernimmt und im Gegenzug die Verwertungsrechte erwirbt. Dafür erhält der Autor ein Honorar. Darüber hinaus bestehen selbstverständlich Urheberrechte an dem Text. Diese liege wiederum weiterhin beim Autor – logischerweise, schließlich ist er geistiger Urheber des Werkes. Hierfür erhält der Autor über die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) eine Urheberrechtsabgabe. Bislang ist gängige Praxis, dass hieran auch der Verlag beteiligt wird. „Schriftstellern, Journalisten und Autoren sind durch die fehlerhafte Ausschüttung der Urheberpauschale seit 2001 schätzungsweise 500 Millionen € verloren gegangen“, beklagen die Autoren. Nachdem der Europäische Gerichtshof diese Praxis (für Belgien) für unrechtmäßig erachtet hat, warten die Autoren in Deutschland nun auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (detaillierte Infos hierzu beim Börsenblatt). Sollte dieser die Auffassung des EuGH bestätigen, hat sich jedoch Justizminister Heiko Maas bereits in die Richtung geäußert, einen „Verlegeranteil“ (per Gesetz) einzuführen. Dies empört nun die schreibende Zunft. Deshalb hat Autor Tom Hillenbrand die Initiative „Die Urheberpauschale gehört den Autoren!“ ins Leben gerufen. Aktuell liegen bereits rund 800 Unterschriften für das Begehren vor, darunter auch die von zahlreichen bekannten Autoren, wie Daniel Kehlmann, Sibylle Berg und Bastian Sick. Die mündliche Verhandlung des Bundesgerichtshof ist übrigens für den 10. März angesetzt.

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Höhepunkte von „Leipzig liest“ @lbm16

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse findet vom 15. bis 20. März wieder das Lesefest Leipzig liest statt. Online bietet sich die Möglichkeit, das Programm mit mehr als 3.500 Veranstaltungen nach Datum, Genre oder Veranstaltungsart zu durchsuchen. Zudem findet sich ein Les-O-Mat, mit dessen Hilfe man nach dem Zufallsprinzip Empfehlungen erhält. Da ich nur am Wochenende auf der #lbm16 bin, habe ich mich auf die Veranstaltungen am Samstag und Sonntag beschränkt – es verbleiben nichtsdestotrotz noch über 1.500.

lbm16_leipzigliest_rgbHabt ihr euch auch schon einen Plan erstellt? Wer ein paar Inspirationen braucht oder keine Lust hat, sich einen eigenen ausführlichen Zeitplan zusammenzubasteln, hier meine vorläufige Planung für Leipzig liest Weiterlesen

Unerbitterlicher Überlebenskampf

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Angekommen in einer fremden Welt. Vollkommen allein. Alles verloren, auf der Suche nach Halt und einem neuen Zuhause. Aktuell befinden sich immer mehr Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung sind, in dieser Lage. Insbesondere die Zahl der alleinreisenden Minderjährigen ist immens. Michael Köhlmeier erzählt in Das Mädchen mit dem Fingerhut von einer vielen nicht vertrauten Situation: Wie ist es, wenn man heimatlos und ganz auf sich gestellt ist?

Das sechsjährige Mädchen Yiza muss sich in einer rauen und winterlichen Umgebung zurechtfinden, in der ihr alle Menschen fremd sind und sie nichtmals die Sprache versteht. Sie ist ein Flüchtlingskind, lebt größtenteils auf der Straße und ist angewiesen auf die Hilfe ihrer Mitmenschen. Köhlmeier zeichnet ihren Weg nach, der von vielen zufälligen und auch nur zeitweiligen, aber oftmals positiven Begegnungen geprägt ist. Weiterlesen

Mit kreativen Ideen gegen Onlinehändler

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Eine außergewöhnliche Buchhandlung in Buenos Aires. (c) David [CC BY 2.0, via Wikimedia Commons]

Amazon hatte unlängst angekündigt, zahlreiche eigene stationäre Buchhandlungen eröffnen zu wollen. Zunächst ist das Projekt in Nordamerika vorgesehen, für Europa gibt es wohl noch keine Pläne. Für zahlreiche kleine, unabhängige Buchläden, die es ohnehin schon schwer haben gegen die Onlinehändler, könnte diese zusätzliche Konkurrenz der Todesstoß sein. „Italienische Literatur, amerikanische Raritäten und gelegentlich ein original englischer Snack: Als Buchhändler muss man heutzutage kreativ sein“, weiß die Süddeutsche Zeitung. „Mit welcher Hingabe und Liebe Buchfan Browner sein Geschäft führt, spürt man schon beim ersten Schritt in seinen Laden, der so gar nicht aussieht wie eine normale Buchhandlung. Gedämpftes Licht, gemütliche Atmosphäre, es ist fast, als säße man in John Browners Wohnzimmer. Die dunkelbraunen Bücherregale stehen nicht akkurat an der Wand, sie machen aus dem Raum ein Labyrinth der Weisheit.“

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Anspruchsvoll [Update II: Wunschliste]

OLYMPUS DIGITAL CAMERABereits beim Erstellen meiner Wunschliste wurde mir bewusst, dass die Realisierung, alle Bücher bis Ende April auch gelesen und rezensiert zu haben, aus zeitlicher Sicht durchaus anspruchsvoll wird. Von den bisher drei erschienenen Büchern habe ich eins gelesen (Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut), hier steht lediglich noch die Rezension aus, Ryan Gattis‘ In den Straßen die Wut hatte ich ohnehin auf den SuB gelegt, und bei Navid Kermanis Einbruch der Wirklichkeit bin ich im Grunde durch, auch hier werde ich mich in den kommenden Tagen der Rezension widmen.

Nun sind zwei weitere Bücher erschienen, die aufgrund ihres Umfangs das Unterfangen nicht leichter machen: Der Kopf von Ernst Augustin sowie Das zerstörte Leben des Wes Trench von Tom Cooper. Da es sich bei Augustins Buch um ein Werk von 1962 handelt, werde ich dieses auch erst einmal hinten anstellen.

Außerdem hatte ich mal wieder Losglück und bei vorablesen.de Benedict Wells‘ Vom Ende der Einsamkeit (Erscheinungsdatum: 24. Februar) gewonnen, so dass dieses von meiner Liste der Vorbestellungen gestrichen werden kann.

Hier ist mein Update zu meiner Wunschliste:
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Ideenloser Weltverbesserer

44226415zDie Probleme, die in Deutschland zu einer sozialen Schieflage geführt haben, sind vielschichtig. Soziale Ungleichheit grenzt Menschen systematisch aus. Umhin gibt es viele Menschen, die mit ihren Ideen dagegen ankämpfen, um die Ungerechtigkeit ein Stück weit zu verringern oder zumindest das Leid der Benachteiligten zu lindern. In seinem bei Books on Demand erschienenen Buch Nichtstun heißt, es tut sich nichts beschäftigt sich David Gutensohn mit jenen Menschen, die versuchen, anderen das Leben lebenswerter zu machen und begibt sich auf eine „Exkursion zu den politischen Baustellen unseres Landes“, wie er es in seiner Einleitung beschreibt.

Der Autor setzt sich ein hehres Ziel: Er möchte aufzeigen, welche Veränderungen und „Ideen für ein besseres Morgen“ vonnöten wären, damit die „Kluft zwischen Arm und Reich“ sich nicht weiter vergrößert, schließlich attestiert er der „gesellschaftlichen Linken“ – eine genaue Definition, welcher Personenkreis oder welche institutionellen Zusammenschlüsse unter diesem weiten Begriff subsumiert werden, wird nicht gegeben -, sie bräuchte „neuen Mut zur Veränderung“. Durch den Klappentext sowie die Einleitung wird eine enorme Erwartungshaltung geweckt. Bereits an dieser Stelle kann verraten werden: Über ein politisches Einführungsseminar minderer Qualität kommt das Buch leider nie hinaus. Weiterlesen

Support your local dealer!

WP_20151120_001Die heutige Montagsfrage sagt durchaus einiges über einen Menschen aus:

Buchhandlungen vs. Onlineshop – wo kauft ihr eure Bücher? 22ff9-montagsfrage_banner

Wie ich schon des Öfteren habe anklingen lassen – so auch bei der letzten Fragerunde, an der ich teilgenommen hatte -, bin ich ein absoluter Verfechter der lokalen Buchhandlungen (das Foto zeigt mein bevorzugtes Bücherstübchen in meiner Stadt: Buchhandlung Kirschner) und von #buylocal. Dabei würde ich eine kleine inhabergeführte Buchhandlung vorziehen, da ich mich in einer ruhigen Atmosphäre wohler fühle als in einer großen Kette, bei der oftmals ein reges Treiben herrscht. Schließlich möchte ich auch die Möglichkeit haben, mich entspannt in die Ecke setzen zu können, um einen Eindruck vom Buch zu erlangen.

Zudem hat man nur in einer Buchhandlung die Gelegenheit, sich ganz individuell ein Buch empfehlen zu lassen. Viele haben hierfür gar eigene Regale eingerichtet, in denen Bücher samt eines Leseeindrucks oder einer Minirezension eines Mitarbeiters dargeboten werden. Selbstverständlich nicht vergessen werden darf die wundervolle Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch einen Buchtipp geben zu lassen – probiert es mal aus! In der Buchhandlung finden sich genau die Menschen, nach denen wir Buchverrückte doch suchen: andere Menschen, die Bücher lieben. Ihr werdet schnell erkennen, wie schön es ist, wenn ein Mensch euch ein Buch empfiehlt, für das er/sie brennt.

All dies ist im Onlinehandel nicht möglich.  Weiterlesen