Der letzte Ausweg

Rezension Walser Bücherherbst Suizid ForumWo ist die Grenze zwischen dem Leben und dem Sterben? Ist der immanente Todeswunsch bereits der Beginn des Ablebens? Martin Walser erzählt in seinem neuen Roman Ein sterbender Mann die Geschichte eines gesellschaftlichen Absturzes – bis hin zur verstörendsten Konsequenz, die ein Mensch hieraus zu ziehen bereit ist: den ersehnten Suizid. Das einsame Ich löst sich hierfür aus allen gesellschaftlichen Strukturen, überschreitet durchaus die eine oder andere normative Grenze, und findet einzig im Schreiben eine Möglichkeit zur Bewältigung des Lebens. Dabei greift Walser einige große erzählerische Motive auf: Liebe und Leidenschaft, Verrat und Hoffnung, das Altsein und – natürlich – den Tod.

Walsers Protagonist, der 72-jährige Theo Schadt, ist ein Autor von Bestsellerrang und einstmals erfolgreicher Unternehmer, der von seinem langjährigen Freund Carlos Kroll, einem vielbeachteten Lyriker, hintergangen wurde, so dass er sein Unternehmen aufgeben musste. Der entstandene Vertrauensverlust sei folglich absolut und eine weitere Beziehung zwischen ihm und Kroll nicht vorstellbar. Nun sucht er nach einer „Lösung“ für sein weiteres Leben und hofft, diese in einem Suizidforum zu finden. Weiterlesen

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Wunsch und Wirklichkeit [Update: Wunschliste]

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Inzwischen sind die ersten beiden Bücher meiner Wunschliste erschienen. Damit ich nicht direkt zu Beginn schludere, hatte ich mir die Titel bereits vorbestellt und nun sind sie da: Navid Kermanis Einbruch der Wirklichkeit sowie Ryan Gattis‘ In den Straßen die Wut. Da ich mit Volker Kutschers Die Akte Vaterland aktuell noch ein umfangreicheres Buch im „Ich lese“-Status habe, werde ich In den Straßen die Wut zunächst auf Halde legen. Bücherblog Bücherherbst Neuerwerbung Bücher Kermani Gattis

Darüber hinaus hatte ich das Glück, dass ich dank eines „Leseeindrucks“ auf vorablesen.de Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut gewonnen habe und somit bald in meiner Liste abhaken kann.

Hier ist mein Update zu meiner Wunschliste:
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Ein unbezahlbares Erbe

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„Die Beschäftigung mit dem Tode ist die Wurzel der Kultur“ (Friedrich Dürrenmatt)

Viele Menschen befassen sich erst im hohen Alter so richtig mit der Endlichkeit des Lebens. Meine Oma ist gerade an diesem Punkt. Eigentlich ist sie mit über achtzig Jahren noch putzmunter und genießt ein unbekümmertes Leben mit meinem Opa an einem stets sonnigen Ort am Mittelmeer. Trotzdem hat sie sich Gedanken gemacht, auch darüber, welche materiellen Dinge sie überhaupt noch benötigt, und was mit jenen Dingen nach ihrem Tod geschieht, die ihr wichtig sind. Dabei ist sie (unvermeidlich) auf ihre ungefähr einhundert Bücher umfassende Sammlung aller Nobelpreisträger für Literatur seit 1901 gestoßen, welche sie irgendwann Mitte des vergangenen Jahrhunderts nach und nach erworben hat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADiese Sammlung ist für sie sehr bedeutsam. Und sie hegte die Angst, dass all diese schönen Bücher nach ihrem Tod aussortiert werden und einfach auf dem Müll landen. Meiner Oma war bewusst, dass ich ein Büchernarr bin. Trotzdem schwang auch ein wenig Unbehagen mit, als sie mich fragte, ob ich ihre Bücher als eine Art vorzeitiges Erbe haben möchte, schließlich bürde sie damit einer anderen Person ihre „Altlast“ auf. Hätte sie vorher gewusst, welch Freude und Glück sie mir damit bereitet – nicht nur, die Sammlung „vererbt“ zu bekommen, sondern zugleich zu wissen, dass meine Oma ihre Sammlung einzig bei mir in den richtigen Händen zu wissen glaubt -, wäre ihr die Frage sicherlich leichter gefallen. Danke Oma!  Weiterlesen

Das wird großartig! Eine Wunschliste

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(c) Lupo/pixelio.de

Endlich konnte ich mir ein wenig Zeit nehmen, um einen Blick in die Verlagsvorschauen für die kommenden Wochen zu werfen. Und dabei habe ich eine Menge spannender Bücher entdeckt, die ich mir auf meine Wunschliste geschrieben habe – nicht ausgeschlossen, dass spontan noch zwei, drei Bücher hinzu kommen. Im Vordergrund stand (abgesehen davon, dass mir die Thematik zusagen muss), dass es annähernd (!) realistisch ist, die Neuerwerbungen auch zeitnah zu lesen und nicht den SuB unnötig zu vergrößern (zugegeben: Anfang März könnte es durchaus problematisch werden). Dabei ist selbstredend auch das eine oder andere Buch auf der Strecke geblieben. Wer sich einen schnellen Überblick über meine Favoriten verschaffen möchte: Die muss ich haben!

Und jetzt möchte ich euch meine Wunschliste – sortiert nach Erscheinungsdatum – kurz vorstellen: Weiterlesen

Situationskomik par excellence

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(c) Piper

Manchmal ist es gar nicht so kompliziert, Menschen einer Kategorie zuzuordnen: a) Sie kennen Christian @Pokerbeats Huber – sie sind Twitterer; b) Sie kennen ihn nicht – Sie sind „Ich bin doch schon bei Facebook“-Menschen. Ich gehöre zu den mehr als 27.000 Followern, die den tagtäglichen Wahnsinn, den @Pokerbeats twittert, miterleben, ihn faven und selbst über banalsten Blödsinn herzhaft lachen. Für alle, die diese Dosis Spaß auch gerne analog genießen möchten, hat er seine Alltagsbeobachtungen in ein Buch gepackt: Fruchtfliegendompteur.

Es geht Christian @Pokerbeats Huber gar nicht um die große Erzählung. Der Besuch beim Postamt oder beim Arzt, die Fahrt mit der Straßenbahn, „katzensitten“ oder das Leben als mittelprächtig erfolgreicher Musikkomponist – vielmehr sind es zahlreiche Episoden, Situationskomik par excellence. Weiterlesen

Ein zweifelhafter Mehrwert

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Ich möchte mir heute wieder kurz Zeit nehmen, um Buchfresserchens Montagsfrage zu beantworten:

„Wie wichtig sind dir Klappentexte/Inhaltsangaben auf der Rückseite?“

Die Klappentexte der Bücher spielen für mich eine untergeordnete Rolle. Ich würde mich eher als Rezensionskäufer bezeichnen, der ein Buch zuvorderst dann kauft, wenn mir eine Rezension – einer von mir geschätzten Quelle – zugesagt hat. Hierdurch erhalte ich eine fundiertere Inhaltsangabe und Einschätzung, ob es sich um ein lesenswertes Buch handelt, als mit Hilfe der verknappten Inhaltswiedergabe des Klappentextes, der zumeist durch werbewirksame Rezensionszitate gespickt ist.

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ich bei meinen letzten zehn, zwanzig oder vielleicht sogar fünfzig Buchneuerwerbungen dem Klappentext überhaupt keine Beachtung geschenkt habe. Obwohl sich Verlage sicherlich durchaus Mühe geben, einen prägnanten Klappentext zu formulieren, erschließt sich mir der Mehrwert bis heute nicht Weiterlesen

Unvermeidbar [Nachtrag]

WP_20160108_004Eigentlich bin ich am Freitag in die Buchhandlung gegangen, da ich davon hörte, dass dort Taschenkalender inzwischen zu günstigen Preisen zu erwerben sind. Wie es üblich ist für einen Text, der mit „eigentlich“ startet, geriet der Plan schnell in Vergessenheit – es ist nunmal illusorisch, eine Buchhandlung ohne Neuerwerbungen zu verlassen. Weiterlesen

Ein eigenbrötlerischer Charakter

Volker Kutscher - Akte VaterlandHistorischer Roman und Krimi – zwei hervorragende Genres. Diese hat Volker Kutscher zusammengeführt und lässt den etwas eigenbrötlerischen Kriminalkommissar Gereon Rath im historischen Berlin vor und während der Nazizeit ermitteln. Heute beginne ich mit dem vierten Teil: Die Akte Vaterland. Bereits die zuvor vorgelegten drei Bände der Reihe haben mich durch die Verbindung von spannender Dramaturgie sowie authentischer zeitgeschichtlicher Darstellung überzeugt. Weiterlesen