Darf’s auch ein alter Schinken sein?

22ff9-montagsfrage_banner

Heute ist wieder Zeit für die „Montagsfrage“ von Buchfresserchen:

Liest du auch Bücher, die nicht aktuell (also in den letzten Jahren erschienen) sind, aber nicht zu den Klassikern zählen?

Für gewöhnlich kaufe und lese ich hauptsächlich aktuelle Literatur. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass ich auf Flohmärkten gebrauchte, ältere Bücher erwerbe von Autoren, die ich gerne lese. Zudem kann es natürlich sein, dass ich ältere Bücher empfohlen oder geschenkt bekomme, und Zufallsfunde kommen durchaus auch vor, wie bei meinem ersten hier zu erwähnenden Buch.

WP_20151130_002Dieses Jahr habe ich zufälligerweise zwei Bücher gelesen, die – gemessen am Ersterscheinungsjahr – durchaus ein alter Schinken sind, welche allerdings kürzlich neu aufgelegt wurden: Zum einen bin ich im Prag-Urlaub bei der Suche nach einem in deutscher Sprache erhältlichen Buch auf Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek gestoßen, ein überaus witziger, satirischer Roman von 1921, in einer Neuauflage von 2013. Zum anderen ist das Schlump von Hans Herbert Grimm. Der Antikriegsroman erschien ursprünglich 1928 und gehört zu der „Liste der verbrannten Bücher“, die im Zuge des Nazi-Wahns vernichtet wurden. Vergangenes Jahr wurde dieser „vergessene Klassiker“ (KiWi-Verlag) in neuer Aufmachung herausgebracht. Weiterlesen

Advertisements

Geburtstag einer Kindheitsheldin

(c) ZDF / Jule Roehr

Das „Literarische Quartett“ geht in seine nächste Runde: Am 11. Dezember gastiert Daniel Cohn-Bendit, früherer Europapolitiker und Moderator des „Literaturclubs“ im Schweizer Fernsehen, bei Volker Weidermann, Christine Westermann und Maxim Biller. Besprochen werden Martin Amis‘ Interessengebiet, Bov Bjergs Auerhaus, Durs Grünbeins Die Jahre im Zoo sowie Jane Gardams Ein untadeliger Mann.

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende:

Weiterlesen

„Stimmung der Angst und des Schreckens“

Die vergangene Woche stand im Zeichen des Terrors in Paris, Mali und Beirut. Deshalb beginne ich meine heutige Rückblende mit zwei Interviews mit Schriftstellernpeace-for-paris_artikelbox, die sich in letzter Zeit in ihren Werken mit islamistischem Terrorismus befasst haben: Karim Miské beschrieb in seinem Krimi Entfliehen kannst du nie (original: Arab Jazz) bereits die Fiktion einer Pariser Dschihadisten-Gruppe, die in den Krieg zieht. Mit der Süddeutschen Zeitung spricht er über das Buch und die Ziele der Terroristen: „Der Feind sind wir alle“. Keine wesentlich optimistischere Zukunft zeichnet der algerische Schriftsteller Boualem Sansal im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen, er ist sich sicher: Die Anschläge werden nicht aufhören. In seinem Roman 2084 hat Sansal die Dystopie einer islamischen Diktatur durchgespielt.

Weitere Themen der vergangenen Woche in der Rückblende: Weiterlesen

Kontrastprogramm

Es wurde wieder Zeit für Neuzugänge im Bücherregal: Zum einen Fruchtfliegendompteur von Christian „Pokerbeats“ Huber, zum anderen Janne Tellers Krieg – Stell dir vor, er wäre hier.

PE_20151120141429Auf Fruchtfliegendompteur bin ich durch Twitter aufmerksam geworden, hier zählt Christian @pokerbeats mit fast 25.000 Followern zu den Großen in Deutschland. In seinem Buch beschreibt er eigentlich „nur“ den Alltag, allerdings auf besondere Weise, mit dem Blick für die außergewöhnliche Situationskomik. Er ist „Teil der letzten Generation, die offline aufgewachsen und online erwachsen geworden ist. Er ist erfolgloser Komponist und angenervt von der Großstadt und ihrer unerträglich hippen Szene“ (Piper Verlag). Weiterlesen

Das Ende vorwegnehmen?

Allmontaglich stellt Buchfresserchen auf ihrem Blog eine „Montagsfrage“ rund um’s Thema Bücher und sammelt die Antworten anderer Blogger. Da ich die Idee bemerkenswert finde, mache ich heute (in Absicht auf zukünftige Regelmäßigkeit) auch mit:

Liest du bei Büchern auch schonmal das Ende zuerst oder würde das dein Lesevergnügen zerstören?

Generell kommt es durchaus vor, dass ich das Ende zuerst oder zumindest weit im Voraus lese. Allerdings beschränkt sich das auf spezielle Fälle: Ich erhalte des Öfteren Leseempfehlungen, manchmal bekomme ich sogar direkt das Buch in die Hand gedrückt. Hierdurch wird man selbstverständlich neugieriger, als hätte man das Buch lediglich im Regal in der Buchhandlung stehen sehen. Wenn ich jedoch nach 100 Seiten merke, dass sich mein Lesegeschmack signifikant von dem des Empfehlers unterscheidet, blättere ich durchaus auch bis zum Ende, um das Buch nicht sofort aus der Hand zu legen – leider war dieses Vorgehen bislang selten von Erfolg gekrönt.

Ähnlich ist es, wenn ich mir aufgrund von Rezensionen einen Stapel von Büchern bestelle. Da mir leider die Zeit fehlt, zwischen zwei größeren Bestellungen (also jeweils vier bis sechs Büchern) wirklich jedes Buch von Anfang bis Ende zu lesen, lege ich ein Buch, das mich im ersten Drittel nicht überzeugen konnte, entweder auf meinen SuB oder lese bereits das Ende und lege es dann weg.

Ein Gegenbeispiel zum Abschluss: Als ich David Foster Wallaces Unendlicher Spaß vor einigen Jahren in die Hände bekam, habe ich vielfach mit dem Lesen von vorne begonnen, da ich immer wieder Lesepausen einlegen musste – immerhin handelt es sich um ein gewaltiges Opus mit mehr als 1.500 Seiten. Trotzdem wäre mir nie in den Sinn gekommen, das Ende vorweg zu nehmen.

Sterben kann so lustig sein

(c) Kiepenheuer & Witsch

Wie dramatisch ist der Tod? Überhaupt nicht, meint Thees Uhlmann, ganz im Gegenteil: Das Sterben kann durchaus humorvoll sein. In seinem Debütroman Sophia, der Tod und ich lässt er den Tod wahrhaftig werden und stellt den Leser vor die Frage: Was wäre, wenn man nur noch kurze Zeit zu leben hätte? Was würde man mit seinen letzten Minuten anfangen? Die Vorstellung vom Tod begleitet Menschen ein Leben lang. Wird man sich ihm trotzdem erst bewusst, wenn man ihn vor sich sieht?

Es klingelt an der Tür des Ich-Erzählers. Und vor der Tür steht der Tod, der den Todgeweihten mit sich nehmen möchte, auch wenn dieser es zunächst für einen schlechten Scherz hält. Weiterlesen

„Willen braucht man. Und Zigaretten.“

(c) Hoffmann und Campe

Ein trauriger Tag. Helmut Schmidt war ein großartiger Autor, ein faszinierender Redner, eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

„Memoiren sind eine Verleitung, die eigene Nase schöner zu malen, als sie ist.“

„Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“

„Mut zur Zukunft!“

Zugang zu Texten vereinfachen

(c) Spaß am Lesen Verlag

Bücher sollten möglichst allen Menschen zugänglich gemacht werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Menschen, denen die „normale Sprache“ schwer oder gar nicht zugänglich ist, da sie aus unterschiedlichen Gründen nur über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen. Deshalb gibt es „Leichte Sprache“, mit deren Hilfe der Zugang zu Texten vereinfacht und verbessert werden soll. Der Spaß am Lesen Verlag hat nun Good Bye, Lenin! nach dem Bestsellerfilm von Wolfgang Becker in „Leichter Sprache“ herausgebracht, erhältlich ist das Buch bei einfachebuecher.de. Zudem wird auch eine Leseprobe zur Verfügung gestellt. Eine Kurzvorstellung des Buches findet sich bei Hurraki.de.

Weiterlesen

Eine unendliche Geschichte (SuB)

Nachdem ich in den vergangenen Tagen immerhin ein wenig Ordnung ins Bücherregal bringen konnte – und gelesene Bücher an den für sie bestimmten Platz -, hat sich jedoch auch mein Stapel ungelesener Bücher wieder vergrößert. Zu meinem Nachteil sind weitere Bücher 500+ hinzugekommen (ganz abgesehen von den hier bereits liegenden). Bei meinem derzeitigen Begleiter, Thees Uhlmanns Sophia, der Tod und ich, befinde ich mich im Schlussdrittel (232 von 318), so dass ich diese Woche wohl noch im SuB zugreifen kann.

Hier mein aktueller SuB-Stand:

Weiterlesen

Zwei Lausbuben feiern Geburtstag

Viele ihrer Reime sind bis heute zu gängigen Redensarten geworden, ihre Streichen sind die wohl bekanntesten der Literaturgeschichte: Vor 150 Jahren erschienen Wilhelm Buschs Lausbubenbildergeschichten von Max und Moritz. „Fast wären sie in Vergessenheit geraten (…). Zu grausam, zu wenig vergnüglich, miserable Verkaufsaussichten – so lautete das Urteil des damaligen Busch-Verlegers Heinrich Richter. Tatsächlich gehen die beiden bösen Buben mit ihren Opfern wenig zimperlich um. Erhängte Hühner, ein ertrinkender Schneider und ein in die Luft gesprengter Lehrer sind nichts für empfindsame Gemüter. Und doch faszinieren die Max-und-Moritz-Übeltaten auch 150 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen noch heute kleine und große Betrachter.“ (Heute.de) Weiterlesen