Das ist Die Erfindung: selbst beschenkt

Nachdem Frank Witzels mit dem Buchpreis ausgezeichneter Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 zum Zeitpunkt der Preisverleihung beziehungsweise der sich anschließenden Buchmesse bereits ausverkauft war, hat der Verlag nun nachgelegt und in dritter Auflage weitere 20.000 Stück drucken lassen. Hiervon hatte auch ich mir ein Exemplar vorbestellt, was zweierlei Gründe hat: Zum einen gehört meiner Meinung nach ein Buchpreis-Gewinner in eine gut sortierte private Bibliothek, zum anderen habe ich Witzel auf der Frankfurter Buchmesse im Gespräch beim Börsenverein erlebt, im Zuge dessen er kurze Passagen aus seinem Roman vorlas.

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über "Die Erfindung".

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über „Die Erfindung“.

Die textliche Vielseitigkeit im Zusammenspiel mit dem Wechsel aus Ernsthaftigkeit und Humor hatte mich auf Anhieb gepackt, zudem war mir die Rezension beim Deutschlandfunk noch präsent: „Dieser Roman ist eine Zumutung. Ein Ungetüm. Ein Abenteuer. Eine Frechheit. Eine Verwirrung. Vor allem aber ein fulminantes Stück Literatur, das aus einem engen Wirklichkeitsausschnitt eine Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik herauspräpariert.“ („Fulminantes Stück Literatur“)

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Im Klassenzimmer über Flüchtlinge sprechen

Viele passionierte Leser kennen keine schönere Dekoration als ein buntes, volles Bücherregal. Oftmals steht dabei der unerschöpfliche Wunsch nach Neuzugängen in einem klaren Missverhältnis zu dem zur Verfügung stehenden Raum. Deshalb beginne ich meinen Wochenrückblick mit einem außergewöhnlichen Sammler: Thomas B. Schumann hat in einem Bungalow Literatur der neunzehnhundertzwanziger Jahre, aber auch Kostbarkeiten des Expressionismus und des Exils zusammengetragen. Mehr zu seinen imposanten Schätzen: „Ein Museum des Exils: Schade, dass Sie Tommy nicht erlebt haben“ (Frankfurter Allgemeine).

Wie können Lehrer sich dem Flüchtlingsthema widmen? Wie können sie mit den Schülern über dieses schwierige Thema sprechen? Einen Beitrag hierzu möchte das Onlineportal Onilo leisten, es offeriert kostenfrei die Boardstory Bestimmt wird alles gut von Kirsten Boie. Weiterlesen

Den Moment miteinander genießen

(c) Hoffmann und Campe

Heute möchte ich euch das (leider) letzte Werk meines Lieblingsautors ans Herz legen: Das Wettangeln von Siegfried Lenz. Der Leser wird nach Thorshafen, einen Ort an der Ostsee, entführt, an dem das alljährliche Wettangeln stattfindet. Für den Ich-Erzähler gerät der Wettstreit allerdings schnell zur Nebensache, trifft er doch auf die schöne Anja. Statt dem größten Fisch hinterher zu jagen, vergnügen sich die beiden Protagonisten im Schilf und nähern sich zärtlich einander an – es gilt, den Moment miteinander zu genießen. Weiterlesen

Ein Buch als vollendetes Kunstwerk

Die Woche nach der Frankfurter Buchmesse nutze ich bevorzugt, um mein Bücherregal mit Büchern aufzufüllen, die mir auf der #fbm besonders gefallen haben, und nach Möglichkeit auch, um meine Bücherwunschliste abzuarbeiten. Bei zwei Büchern hat die Kombination gut funktioniert, Siegfried Lenz‘ Das Wettangeln sowie Thees Uhlmanns Sophia, der Tod und ich. Zudem griff ich bei einem neuen Buch über meine Heimatstadt zu, Troisdorf – Ein Band Buntes. Und um ein Buch kam ich nicht umhin, obwohl ich den Kauf zuvor gedanklich ausgeschlossen hatte, doch wenn man es einmal in Händen gehalten hat, ist nichts mehr ausgeschlossen: S. – Das Schiff des Theseus von J. J. Abrams und Doug Dorst. Weiterlesen

Fotorückblick zur Frankfurter Buchmesse

Insgesamt rund 270.000 Besucher kamen zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse – und das Programm dürfte niemanden enttäuscht haben. Hier gibt es einen kleinen Fotorückblick von meinen Höhepunkten der #fbm15.

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über

Buchpreis-Gewinner Frank Witzel beim Börsenverein im Gespräch über „Die Erfindung“.

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Zwei Tage #fbm15 – bei diesen Veranstaltungen sollte man dabei sein

Am Samstag und Sonntag sind die Publikumstage auf der Frankfurter Buchmesse. Gesprächsrunden, Lesungen, Signierstunden und Screenings: Das dargebotene Programm mit über 3.500 Veranstaltungen ist wieder äußerst abwechslungsreich – und umfangreich. Meine Planungen für den Wochenendablauf haben mehrere Stunden gedauert, schließlich möchte man nach Möglichkeit nichts verpassen. Doch ich musste erkennen: Alles geht nicht. Deshalb habe ich mir einen Plan im Halbstundentakt zusammengestellt. Falls ihr ein paar Inspirationen braucht oder keine Lust habt, euch einen eigenen ausführlichen Zeitplan zusammenzustellen, hier meine Planung für die Buchmesse Weiterlesen

#fbm15

Nachdem gestern der Deutsche Buchpreis an Frank Witzel für Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 verliehen wurde, ist heute die Frankfurter Buchmesse offiziell eröffnet worden. Bei der Auftaktpressekonferenz sendete Salman Rushdie einen „flammenden Appell für Meinungsfreiheit“ (Frankfurter Rundschau) in die Welt. Die Vorbereitung auf meinen eigenen Messebesuch läuft derzeit auf Hochtouren, deshalb habe ich wesentliche Infos und ein paar Neuigkeiten zur #fbm15 zusammengestellt. Weiterlesen

Flüchtlinge werden sichtbar – das muss ausgezeichnet werden

Erpenbeck Buchpreis Knaus VerlagWie sichtbar ist Leid, wenn der Blick hierfür nicht geschärft ist? Dieser Frage geht Jenny Erpenbeck mit ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“ nach. Die Schriftstellerin gilt als Favoritin auf den Deutschen Buchpreis, der heute Abend verliehen wird – zu Recht. Im Vorlauf auf die Bekanntgabe des Preisträgers wurde der Roman durchaus kritisch betrachtet, er wirke überholt (Deutschlandradio Kultur), vieles sei falsch an dem Roman („kein einziger Antisemit, kein einziger Gewalttäter, keiner, der übergriffig wird, vielleicht einer, der stiehlt“, WELT). Doch selbst, wenn der Roman womöglich nicht ganz zu Ende gedacht ist, gebührt ihm der Buchpreis – vielleicht nicht zwingend dem Roman selbst, aber zumindest Thematik, die – trotz aller übertriebener Empathie von Erpenbecks Hauptfigur Richard mit den Flüchtlingen – weiterhin im Blickfeld bleiben muss. Weiterlesen

Rückblende

Swetlana Alexijewitsch (c) Elke Wetzig [CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons]

Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Swetlana Alexijewitsch „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ (Nobel Prize). Die Weißrussin galt bereits im Vorfeld als Mitfavoritin, arbeitet sie doch seit Jahrzehnten die Sowjetzeit auf. Bereits vor zwei Jahren erhielt Alexijewitsch hierfür den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, da sie „ebenso selbstlos wie mutig ihre ganze schriftstellerische Kraft dazu verwandt, diejenigen lebendig und hörbar werden zu lassen, deren Stimmen stumm blieben, deren Hoffnungen keine Chance der Erfüllung fanden und die ihre Existenz als Verfügungsmasse der Mächtigen zu fristen hatten“ Weiterlesen

Vordenker seiner Zeit

In einer Gesellschaft, die von Ängsten zerrissen ist, erlischt der demokratische Lebenswille.

Ein illegaler Mensch? Was soll das sein? Ein Einwanderer, dem lächerliche Papiere fehlen? Jeder Mensch ist in seiner Existenz legal.

Man kann durch Kultur kaum etwas verändern, aber man kann ohne Kultur gar nichts verändern.

(Henning Mankell, 1948-2015)

„Leben hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit“

(c) David Shankbone [CC BY 3.0, via Wikimedia Commons]

(c) David Shankbone [CC BY 3.0, via Wikimedia Commons]

Ein trauriger Tag für die Literaturwelt: Henning Mankell ist tot.

Mit seinen Werken erreichte der schwedische Erfolgsautor eine Auflage von mehr als 40 Millionen Exemplaren. Berühmt gemacht hat ihn sein knurriger, teils verbitterter Kommissar Kurt Wallander, ein ewig Zweifelnder, der sich von Anbeginn fragt, wie lange er den Job wohl noch durchhält. „Leben hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit“, heißt es schon im ersten Band der Wallander-Reihe (Mörder ohne Gesicht). Weiterlesen

Rückblende

Presseschau: Ein kurzer Abriss der letzten Tage.

(c) ZDF / Jule Roehr

(c) ZDF / Jule Roehr

Beherrschendes Thema der vergangenen Woche war nicht ganz überraschend das neue Literarische Quartett im ZDF. Doch die Kritiker der Kritiker konnte die erste Folge nur bedingt überzeugen: Wolfgang Tischer moniert auf Literaturcafé.de, dass die Sendung „dominiert [war] vom gehetzten Zank der Protagonisten – und einer unglaublich schnellen Schnittfolge. […] Zack, zack, zack, zack! schien das Motto der Sendung zu sein.“ Die NZZ konstatiert gar, „die Auftaktsendung ist so langweilig wie die besprochenen Bücher.“ Weiterlesen

Neuauflage

Das neue Literarische Quartett

Maxim Biller, Christine Westermann und Volker Weidermann (v.l.). (c) ZDF / Jule Roehr

Vorhang auf für eine neue Literaturkritikerrunde: Heute Abend (23 Uhr) startet im ZDF die Neuauflage des Literarischen Quartetts, früher geprägt durch den kürzlich verstorbenen Hellmuth Karasek sowie sein Pendant Marcel Reich-Ranicki. Geleitet wird das Format von Spiegel-Kulturressortchef Volker Weidermann, ihm zur Seite sitzen Journalistin Christine Westermann und Schriftsteller Maxim Biller sowie in jeder Sendung ein prominenter Gast, heute Publizistin und Schriftstellerin Juli Zeh. Weiterlesen